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Ost und West · 1912-05-01 · Heft 5 (Mai 1912) · p. Seite 427 - 428

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Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 5 (Mai 1912)
Article
Die Juden und die deutschen Universitäten
Date
1912-05-01
Page
Seite 427 - 428 (sequence 6)
Language
German
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4:27 Theodor Zlocisti: Die Juden und die deutschen Universitäten. 428 Mannes hat nur eine Deutung für diesen Satz: Fälligkeiten, Kenntnisse, Leistungen sollen -Bedingung des Lehramtes sein. Eichhorn dagegen fragte, wie ein Meister der Haggadah: Wozu diese Worte? Die Habilitation kann darunter nicht verstanden werden. Also: .,, Hier unter muss etwas ganz Besonderes geineint sein/" Was dieses Besondere ist, verbarg er keusch in seinem Husen. . . Lauter, deutlicher und beziehungsvolle." wurde der Minister in seinen Hinweisen auf die Lniversitätsverfassungen. ] 1 eilige Schauer durchrieselten bei solchem Worte die Seele der Volksvertreter. Selbst die Männer der drei Stände wagten nur zarte Andeutungen, ob nicht der Wille des Königs eine neuzeitliche Regelung dieser Bestimmungen herbeizuführen geruhen könnte. Aber einig waren sich die Kurien alle, dass die Zulassung von Juden zu den Ordinariaten nur soweit gelten könnte, als ihnen die Statuten der Hochschulen die Pforten öffneten. Die Stände — als Vorboten freiheitlicher Neuzeit immer mehr zu a 11 g e m e i n e n Formulierungen geneigt — erwähnten in ihrem Antrage die Universitätsbestimmungen nicht. Die ..Herren" setzten sie deutlich als Regulativ. Beide Kurien hielten sie wie heiliges Gut. Die Torys, weil sie altüberliefertes und daher geweihtes Sonderrecht waren, die Stände, (die von der Morgenröte konstitutioneller Verfassung träumten), weil sie die Diktatur des Gottesgnadentums und die Reglementierungswut des Zwangsstaates vor dem Freistaat der Hochschule mit seiner Eigenverfassung bändigen mussten. Die Katholiken freilich brausten empor, als sie hörten, dass in Königsberg katholische Professoren nicht lehren dürften. Vor Rom erzitterte selbst der keckste Regierungsrat. Der stiernackige Erzbischof August Droste von Nischering hatte die Meister vom grünen Tisch Mores gelehrt. Da hatten die Katholiken nichts zu fürchten. Sie brauchten nicht mit hingeworfenen Dispensen fürlieb zu nehmen. Um so mutiger durfte Eichhorn gegen wehrlose Juden sein. Die geduldeten Vertreter hätten ihnen noch viel mehr Freiheiten gewähren können; alle Freiheiten! Er wusste sich zu schützen: Greifswald, Halle, Königsberg sollten rein evangelische, Bonn und Breslau paritätische (katholische und evangelische) Universitäten sein. Blieb Berlin! Das Fanal der Zukunft und der Volkshoffnung in der Franzosenzeit! Aus Humboldts hochgespanntem Idealismus war diese IT och schule gefügt, die, jungen Geistes voll, Staat und Volk verjüngen sollte. Eine Anstalt nationaler Ertüchtigung wollte sie die Tüchtigsten heranziehen, wes Standes, Stammes, Glaubens sie sind. Aber die Pilpulistik der Bureaukratic las auch aus den klaren Bestimmungen der Statuten die Gründe, Juden abzuweisen, heraus. Zweck der Universität sollte sein nach dem ersten Paragraphen: „Die allgemeine und besondere wissenschaftliche Bildung gehörig vorbereiteter Jünglinge . . . fortzusetzen und sie zum Eintritt in den Staats- und Kirchendienst vorzubereiten. Und: nicht oder! Für den Staats- und Kirchendienst können natürlich nur Christen vorbilden. Sprach de;- Minister; und die Rechtsfakultät Berlins sprach es ihm nach! Wenige Monate, nachdem der vereinigte Landtag seine Ansichten festgelegt hatte, waren nämlich die Landesuniversitäten angefragt worden, ob die bestehenden Statuten die Zulassung der Juden zu den bestimmten Lehrfächern gestatten und ob, wenn die Statuten die; e Zulassung verhinderten, nicht eine Modifikation derselben für zulässig und für angemessen zu erachten sc' ('28. Sept. 1Sj7). Und für angemessen! Um den Wink zu verstehen, brauchte man nich;» Ordinarius zu sein. Es war die besondere Klugheit des Systems Eichborn, dass die Professoren auch viritim, Mann für Mann, ihre Voten abgeben sollten. Konnte es ein besseres Mittel geben, bis in die letzten Winkel einer Professorenseele hineinzuleuchten, . als dieses Verhör über die Stellung zur Judenfrage'?! In rascher Folge liefen die Antworten ein*). Sie waren gründlich, wie sichs gehört. In den alten Statuten aus dem 15. und 16. Jahrhundert ,,wurde Wunders vil geseit". Aus der Staubwolke des Mittelalters flog der Schwaden von Fanatismus, Borniertheit und Intoleranz auf, dass den gelehrten Herren schier der Atem ausging. Dass die Wissenschaft sich nur auf den tönernen Gestellen der Teieologie halten könne, war Ueberzeugung der einstigen Universitätsgründer. Wie einst Burgen gebaut wurden, so errichtete man nun Hochschulen: als Rollwerk gegen einen Feind. Aber in den Reformationszeiten war der Jude nicht der Feind, gegen den man die Wissenschaft scharf machte. Die Unfähigkeit der Juden für das Lehramt war daher nur ex iuvantibus zu konstruieren. Und dazu mochten sich nicht alle Fakultäten bequemen; die Greifswalder Gelehrten wohl nur, weil sie nicht wussten, wohin der Wind blies. Bonn wollte den Makel der Beschränktheit nicht in den Statuten finden. Aber Breslau und Berlin offenbarten sich gründlich. Die Breslauer Theologen fanden keine Behinderungsgründe. Um so mehr die Mediziner! Die Berliner Mediziner waren für die Zulassung. Um so heftigere Gegner waren die Juristen. Der Ueberchrist Julius Friedrich Stahl wies mit jüdischem Scharfsinn nach, dass die Berliner Universitätsstatuten den christlichen Charakter als sich von selbst verstehend überall voraussetzten und ihn deshalb nicht mit Worten zu erklären brauchten. Hinter der Liebe aber und dem Hass stand die Angst mit schlotternden Beinen. Greifswald fleht — wegen der spärlichen Besetzung der Lehrämter — nur dann einen Juden zuzulassen, wenn dasselbe Fach bereits durch einen Christen vertreten werde. Die Berliner Mediziner wimmern: Lasst die Juden überall Dozenten werden, sonst stürmen sie alle nach Berlin. Breslauer Mediziner aber machen aus ihrem Herzen eine Mördergrube: Haben wir jüdische Dozenten, dann werden unsere Hörsäle leer stehen. Brutaler Eigennutz, armseliger Krämergeist entlädt sich in den Darlegungen. Aber einmal horcht man erschreckt auf: „Es liegt in dem vorwaltenden Egoismus des jüdischen Charakters, welcher nach der einen Seite unausstehliche Arroganz und Eitelkeit, nach der anderen aber eine Betriebsamkeit erzeugt, welche zur Erreichung des vorgestec kten Zieles keine humane Rücksicht und keine Pietät kennt." *) Voten abgedruckt bei M. Kalisch, die Juden frage. Leipzig 1860.

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