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Ost und West · 1912-04-01 · Heft 4 (April 1912) · p. Seite 361 - 362

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Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 4 (April 1912)
Article
Ein Katalog
Date
1912-04-01
Page
Seite 361 - 362 (sequence 2)
Language
German
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Rahel Edelstein-Fric<lmann: Ein Katalog. 362 oder ergänzt worden; selbst dem eifrigsten Fachgelehrten dürfte nur in Ausnahmefällen aus den ahen Quellen neues Wissen strömen. Allein das einst Unwesentliche ist es, was einem selbst vielfach überholten und für die Forschung eigentlich überflüssigen Buche den auch dem Laien verständlichen Ewgkeitswert verleiht. Der Autor vor allem: wo und wie lebte er, was hatte er schon vorher geschaffen und was beabsichtigte er demnächst zu veröffentlichen? gab er das Buch aus seinen eigenen Mitteln heraus oder verhalfen ihm dazu Mäzene, an welchen es in Israel nie gänzlich fehlte. Was bezweckte er mit seinem Werke, welche Zeitströmungen galt es zu bekämpfen oder zu unterstützen, welchen Ansichten sollte dasselbe dienen oder auch entgegentreten? Fragen, deren Lösung zur Aufhellung manch dunkler Punkte in der Geschichte des Geistes führen mag. Und dann der Druck an sich: Wie mannigfach ist der kulturhistorische Aufschluss, der mit dem Namen und «1er Jahreszahl und dem Druckorte eines Werkes plötzlich zutage tritt! Dis Wie wird hier wesentlicher als das Was, und die Entwicklung des Buchdruckes, der Paph*rfabnkation, des Bachbandes mag an hebräischen Druckwerken leichter und sicherer nachzuweisen sein, als an <len gleichzeitigen nichtjüdischen Editionen, da die Juden in den ersten Anfängen schon einen grösseren Prozentsatz von Druckerschwärze okkupierten, als ihr Anteil an dem sonstigen öffentlichen Leben war. Und nun erst: wie konnte gerade dieses hier vorhandene Exemplar den Wandel der Zeiten überdauern? lurch welche Hände musste es gegangen sein, bis es den Vorläufer unseres chassidischen Habbi erreichte, und wie ■iat dieser es von jenem erworben? War es Kauf oder Tausch, wobei die Initiative von Rabbi Friedmann ausging, ■ ler dasselbe zu erwerben wünschte? Oder war es die rei willige Gabe eines Gläubigen, mit der derselbe Wünsche und Hoffnungen verband? Oder traf der letztere Umstand gar nicht zu, war die üedikation keine von Selbstsucht diktierte, und wollte der Spender nur „die in gemessener Freude leicht bewegte Miene des jungen Rabbi n sich aufnehmen und als bleibendes Gut in der Ernnerung festhalten", wie Dr. Wachstein so hübsch und charakteristisch die Szene schildert, welche „beim Einzüge eines exotischen Gastes in seine Sammlung" sich abgespielt haben mag. lieber fast alle diese Fragen geben die von Rabbi Friedmann sorgfältig gebundenen unl mit ordnenden Aufzeichnungen versehenen Stücke freiwilligen Aufschluss, wie ja auch nahezu keiner der Vorbesitzer es unterlassen hat, eine charakteristische Note, ein Datum, einen Spruch oder sonst eine handschriftliche Bemerkung, sein eigenes Verhältnis zu dem Buche feststellend, demselben als Geleit- und Merkwort mitzugeben. Aus allem diesen, fast möchten wir sagen, embarras de richesse, das historisch Wertvolle herauszufinden, dessen Beziehungen zu feststehenden Ereign ssen und Tatsachen herzustell -n, Personen und ihre Schicksale aus dem Dunkel clahingerauschter Zeiten in das helle Licht der Forschung treten zu lassen, das konnte nur einem Forscher von der ganz exzeptionellen Personenkenntnis Wachsteins gelingen, der aus verwitterten Grabinschriften das Erden wallen früher Ahnen rekonstruiert, und aus dem zermürbten Deckblatte eines Druckwerkes das Material zu einer kulturhistorischen Abhandlung liefert. Der bibliographische Wert dieser mit wissenschaftlicher Intuition, Geschick und Geschmack gearbeiteten Publikation braucht nicht ersthervorgehoben zu werden. Eine schöne Bereicherung der zeitgenössischen Literatur des jüdischen Volkes bildet der Wachsteinsche Katalog der Salo Cohnschen Schenkungen, zugleich auch einen übersichtlichen Ausschnitt aus der jüdischen Literatur jener Zeitläufte, in welchen sich das ganze intellektuelle Streben der Juden in eben dieser Literatur konzentrierte, und in derselben seinen essentiellsten Ausdruck fand. Was davon erhalten, geschätzt und an richtiger Stelle gewürdigt wird, ist das kostbarste Erbteil, das uns von den Vorfahren überliefert wurde und unsererseits für die Nachfahren konserviert werden soll. Das sind unsere Denkmäler und Skulptuten, unsere Gemälde und Gobelins. So vergänglich und unscheinbar sich der äussere Stoff dieser Kulturzeugen als bedrucktes Papier darstellt, so unvergänglich und unbesiegbar wird der Geist, aus welchem sie hervorgegangen sind, durch alle Zeiten sich bewähren! Rahel Edt Istein -Friedmann. ZU DEN GEMAELDEN VON LESSER URY. Nachdruck verboten. In einigen Tagen wird Berlin um eine Sehenswürdigst reicher: in der Kleiststrasse eröffnet der Orden Bnei *riss ein Logengebäude, das alle bisher in Deutschland betehenden Baulichkeiten jüdischer Institutionen in den ^chatten stellen wird. Von der inneren Ausschmückung können wir bereits heute den Lesern unseres Blattes die »eiden Monumentalgemälde von Lesser Ury, die in dem sog. 1 empel den Sitz des Vizepräsidenten flankieren, vorführen. Dem Wahlspruche der Logen gemäss „Wohltätigkeit, Bruderliebe und Eintracht" sind die Themata dieser Bildwerke der Bibel entnommen und stellen Rebekka am Brunnen und David und Jonathan dar. Rebekka, die in ihrem ländlich einfachen Kleide mit blossen Armen und nackten Füssen, dem von dunklem Haar eingefassten energischen und tatkräftigen Gesicht und den funkelnden Augen so recht das Sinnbild der Stammmutter eines starken Geschlechtes darstellt, reicht dem an sie herantretenden Eliesar den Krug mit dem soeben aus dem Brunnen geschöpften kühlen Trank. Hinter ihr füllen am plätschernden Quell zwei Kolleginnen ihre Gefässe, während hinter Eliesar einige Kamele der Karawane mit ihren Führern stehen. Der Vorgang spielt sich in einer blühenden,. im Hintergrund von blauen Bergesketten eingefassten Landschaft ab, am Rande eines sanft ansteigenden Haines, dessen zarte Laubbäume den müden Wanderern erfrischende Kühle zufächeln. Auf dem anderen Gemälde, dessen Landschaft dem Sujet gemäss etwas romantischer gestaltet ist, schwört

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