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Ost und West · 1912-04-01 · Heft 4 (April 1912) · p. Seite 337 - 338

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Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 4 (April 1912)
Article
A. M. und Constantin Brunner
Date
1912-04-01
Page
Seite 337 - 338 (sequence 3)
Language
German
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337 Martin Buber: A. M. und Constantin Brunner. 338 Analogie-Berechtigung als die Ganglien bezeichnen, in •denen sich das Erleben des Volkes einerseits in Aussprechen und sinnvolle Gestalt, andererseits in Handeln und Einwirken auf das eigene Geschick unisetzt. Das Volk ist der schwerfällige Körper, dem das Zentralorgan zugleich die Ausdrucksmöglichkeit und die Wahlmöglichkeit gibt". Ich verstand unter der Zweiteilung, von der in diesem Passus die Rede ist, etwas völlig anderes, als Avas Brunner meint, und das ganze Apercu nimmt in meiner Gedaukenentwicklung eine nebensächliche Stellung ein. Aber die äusserliche Aehnlichkeit mit Brunners Lehre fällt in die Augen. Was wäre es, wenn nun einer von der Art des A. M., nur von anderer Parteiung, käme und nach dessen Beispiel aus dieser äusserlichen Aehnlichkeit meiner 1902 gedruckten Ausführungen mit den sechs Jahre später publizierten Brunnerschen Schlüsse zu ziehen versuchte? Es wäre ebenso absurd und ebenso verwerflich wie das, was A. M. getan hat. 4. Keine Ahnung von der Geschichte des Denkens. Denn sonst würde er wissen, dass es länge vor Brunner einen Denker gegeben hat, der — nach dem Vorgang einiger grossen deutschen Philosophen — „die Begriffe absolut und relativ bewusst und nachdrücklich zu den eigentlichen Trägern" nicht allein aller philosophischen Betrachtung, sondern allen geistigen Lebens gemacht hat: Sören Kierkegaard; und dem Sinn, iu dem er sie gebrauchte, ist der, in dem ich sie aufnahm, verwandt. Und zu diesem Einfluss (der jedoöh keine Abhängigkeit bedeutet) habe ich mich in den fünfzehn Jahren, seit er zuerst auf mich wirkte, zu aller Zeit und mit alier Deutlichkeit bekannt. — Ferner würde, wenn er die Geschichte des Denkens kennte, A. M. sich vermutlich doch wohl nicht zu behaupten getrauen, nur durch Brunner erfahre man wirklich, was , .absolute Einheit1' und Sehnsucht danach bedeutet. So redet A. M. von der Uridee alles grossen Menschendenkens, die schon in den Upanischaden so stark und klar ausgesprochen ist, dass man nur zu lesen verstehen muss, um sie für immer zu besitzen. Aber A. M. versteht es offenbar nur, Constantin Brunner zu lesen. 5. Keine Ahnung endlich von Constantin . Brunners EMIL POTTNER. Schreiender Hahn. (MajoÜkafigur.) eigener Stellungnahme zu meinen Gedanken. Denn als ich Brunner 1910 die damals im Sonderabzug erschienene zweite meiner Reden, deren Gegenstand eben das Streben nach Einheit ist, und zugleich eine Arbeit eines jungen Freundes sandte, schrieb er mir über letztere: „Erstaunt war ich eigentlich, dass R., der mich also gelesen hatte, so gar nichts von mir gehabt hat; erstaunt bin ich über das Gleiche übrigens auch gegenüber Martin Buber und Anderen". Constantin Brunner hat es richtig gesehen: ich habe nichts von ihm gehabt, nichts als den Eindruck seiner Persönlichkeit, — worüber ich zu anderer Stunde und an anderer Stelle zu reden haben werde. Constantin Brunner weiss, was A. M. nicht ahnt: wer ich bin. Constantin Brunner weiss, was Ä. M. nicht ahnt: dass ich von ihm unabhängig bin, wie er von mir. Constantin Brunner weiss, was A. M. nicht ahnt: dass ich es nicht fertig bringe, etwas zu denken, wozu ich nicht aus mir selbst gekommen bin, dass ich es nicht fertig bringe, etwas zu verkünden, was ich nicht aus mir selbst gedacht habe. Aber A. M. glaubt, Constantin Brunners geistiges Besitzrecht gegen mich verteidigen zu müssen, und vergeht sich dabei gegen Wahrheit und Anstand, sein Gesicht hinter zwei Anfangsbuchstaben bergend, die alles andere eher als einen wirklichen Menschennamen bedeuten mögen. Was soll ich mit diesem namenlosen, antlitzlosen Schriftsteller anfangen? Was kann ich mit ihm anderes anfangen, als ihn der Obhut dessen übergeben, dem er allem Anschein nach nicht namerlos ist: Constantiu Brunners? Diesem also muss ich, — diesem daif ich, da ich wohl weiss, dass diesem ungewöhnlichen Menscheu keine Zeit und keine Mühe zu viel ist, um persönlich auf Menschen zu wirken, etwas zumuten, wovon ich freilich für diesen besonderen Fall überzeugt bin, dass es eine recht schwere und umständliche Aibeit ist, und ihm sagen: Tun Sie, was ein Meister vor allem andern an seinen Jüngern tun, wodurch er vor allem andern seine Lehre an ihnen bewähren soll: erziehen Sie sie, das Echte und Eigene zu kennen und zu respektieren! Zehlendorf bei Berlin, 8. März 1912. Martin Buber. BERLIN.

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