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Ost und West · 1912-04-01 · Heft 4 (April 1912) · p. Seite 333 - 334

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Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 4 (April 1912)
Article
Constantin Brunner und Martin Buber
Date
1912-04-01
Page
Seite 333 - 334 (sequence 3)
Language
German
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333 Constantiri Brunher und Martin Buber. 334 lieb, was „absolute Einheit" und Sehnsucht danach bedeutet. Denn jede Seite der Lehre ist dem Gedanken gewidmet, dass der Geist die absolute Einheit ist, und die Vielheit der Erscheinungen letzten Grundes dasselbe wie die Einheit des Geistes, nämlich die im relativen Denken sich in Vielheit zersplitternde Einheit des Geistes. „Es gibt keinen andern Gedanken als diesen Gedanken von der Einheit" (Die Lehre von den Geistigen und vom Volke S. 1134), — und mit Recht heisst es im Inhaltsverzeichnis s. V.Einheit: ,,Von nichts andrem als von ihr ist dieses ganze Werk". Der Leser Bubers wird jedoch mit der „absoluten Einheit" und der Sehnsucht danach nicht viel anzufangen wissen. Was ist das „Sehnsucht, sich in eine. absolute Einheit zu retten und zu erheben"? Nur bei Brunner steht die Antwort: in allen geistigen Menschen lebt und drängt die Sehnsucht, ihr geistiges Wesen, das ist das Bewusstsein von der Einheit des Absoluten, in dieser relativen, vielfältigen Welt, trot^ der äusseren Herrschaft der Unwahrheit, des Aberglaubens, wirklich zu leben. Und gelingt dieses, dass der Geist sich praktisch durchsetzt, so ibt damit die Tat gelungen, die Buber als sein Ideal ersehnt und von der er unklar spricht, auch gar nicht anders wie unklar sprechen kann, da er sich nicht auf den Zusammenhang bezieht, der alle einzelnen Gedanken bei Brunner verbindet und belebt. Wie gesagt, mir liegt nicht daran, Bubers Reden über das Judentum zu rezensieren, und gar bin ich weit davon entfernt, sie zu verurteilen; Aber ich möchte sagen, an welcher Stelle nach meiner Meinung diese Reden stehen: sie sind mir ein Beispiel dafür, wie schon heute Keime aus Brunners Saat aufgehn und spriessen. In diesem Sinne ist mir Bubers Schrift erfreulich; oder vielmehr, sie würde mir erfreulich sein, wenn,Buber selbst in freiem Bekennen seine Gedanken an die Ideen Jirumiers angeschlossen hätte. A. M. A. M. UND GONSTANTIN BRUNNER. Nachdruck verboten. Es gehört zur Artung von Apostelnaturen zweiten Grades, dass sie alle Weisheit und alle Wahrheit der Welt im Meister offenbart und beschlossen finden; jeden guten Gedanken der Zeit muss er yorgedacht, jedes echte Wort der Zeit muss er vorgesprochen haben. Diraus erklärt sich das eigentümliche Gewerbe dieser Leute: wie es Ketzerriecher gab, so sind sie Jüngerriecher; sie schnüffeln nach verkappten Jüngern. Die ^anze geistige Schöpfung der Zeit erscheint ihnen als ein grosses Plagiat, und dieses Plagiat wollen sie aufdecken, Stück für Stück. So einer ist nun an mich geraten. Aber nicht zo. seinem Glück. Denn er ist an ^inen geraten, der über ein Arsenal von Wirklichkeit verfügt, von dem er, der Apostel zweiten Grades, keine Innung gehabt hat; sonst hätte er sich wohl einen mderen Gegenstand erwählt. Ich will nun all das nennen, wovon A, M. keine Ahnung gehabt hat, als er seinen törichten Angriff liederschrieb: 1. Keine Ahnung von dem Buch, über as er schrieb. Er hatte so ganz und gar keine A.hnung von dem, was drin steht, dass er es falsch itiert, — offenbar doch, ohne es zu merken. So behauptet er, ich ginge so weit, „tiefstes Menschentum14 nd „tiefstes Judentum" zu identifizieren, was nur Sinn abe unter der Voraussetzung, dass das jüdische Wesen las geistige Element in der heutigen Menschheit repräsentiere. Ich aber habe gesagt, habe von uns, den heutigen Juden, gesagt: „so meinen uni wollen unserer ^eele tiefstes Menschentum und unserer Seele iefstes Judentum dasselbe", also das Menschentum und 'las Judentum in uns, nicht das Menschentum und das Judentum an sich (was mir recht unsinnig schiene) sind gemeint; und das hat seinen Sinn unter ganz anderen Voraussetzungen, als die A. IM. anführt und die ich ficht teile: so viel mir das Judentum als mein V olkstum, meines Volkes Geist gilt, auf dessen Erneuerung ich als auf die wesentliche Aufgabe im Gegensatz zu allen lediglich äusseren Eestaurationsversuchen seit mehr als zwölf Jahren in Schrift und Rede, auf Kongressen und von Mensch zu Mensch immer wieder hingewiesen habe, so tief ich seiner besonderen Stellung und seiner besonderen Funktionen in der Allgemeinheit bewusst bin, die ich in dem EMIL POTTNER. BERLIK. Hahn und Henne. (Majolikafigur.)

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