Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- Heft 4 (April 1912)
- Article
- Emil Pottner
- Date
- 1912-04-01
- Page
- Seite 323 - 324 (sequence 1)
- Language
- German
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323 324 EMIL POTTNER. zu ergründen seinen Taten Von Karl Wir leben im Zeitalter der Erfindungen. In die geheimsten Fächer der Natur greift der forschende Geist der Menschen und sucht sich die Errungenschaften der Technik nutzbar zu machen. An Stelle keuchender Pferde ist die-motorische Kraft und die Elektrizität zur IBeförderung von Menschen und Lasten getreten, auf den Fcldernarbeiten Maschinen, wo früher tausende von emsigen Händen tätig waren, das geschäftige Leben umringt den Bewohner der Städte immer mehr, immer höher türmen .sich die Häusermauern, und der auf den Erwerb angewiesene Mensch flieht die ländliche Stille und stürzt sich in das Chaos des Weltstadtgetriebes. Immer mehr entfremden wir der Natur, wir kennen ihr stilles Leben nicht mehr und können uns ihre Sprache und die ihrer stillen Bewohner nicht mehr deuten. Cm so wunderbarer ist es, wenn einer, den das Leben mich in die Greifen der mächtig brodelnden Grossstadt getrieben, die Freude und den Sinn für diese kleinen und doch so erhabenen Dinge bewahrt hat, der inmitten-des aufgeregten täglichen Lebens der Stimme der Natur nachgeht, sie sucht und aus ihr die Anregung zu schöpft. Emil Pottner, hat sich mit seinen Darstellungen aus der Tierwelt. ein nicht unerhebliches Verdienst fürunsere Kenntnis dieser stillen Naturbewohner erworben. Seit vielen Jahren hat er diese Objekte seiner Kunst als treue Genossen um sich geschart, hat mit fleissigem Bemühen sich in diese kleinen Seelen hineingelebt und wacht mit väterlicher Sorge über ihr Ergchen. ,,Es ist nicht leicht, mit diesen Tieren gut Freund zu werden. Lange Zeit, oft auf .1 ahre hinaus, begegnen sie d en M ensc h en mit Miss - trauen und verbergen ihnen ihr wahres Wesen. Aber wenn ein solches Tierchen einmal erkannt hat, dass man ihm gut ist, dann ist es der treu es te Kamerad und belohnt unsere Mühe durch Zutraulichkeit und blinden Gehorsam, es erfreut uns durch Kurzweil und muntere Spässe und Jässt uns teilnehmen an seinem kleinen Leben." So äusserte sich mir gegenüber der Künstler, der ein feiner Psychologe seiner gefiederten Kameraden ist, die wie Kinder um ihn herumspringem auf Anruf herbeikommen, und sich fraulich zu ihm drängen. S C b W a r Z. Nachdruck verboten. Eine bunte Schar ist es, die in der kleinen Behausung vereint ist, im Winter in Herlin; wenn aber die Frühlingssonne wieder Jacht, zieht der treusorgende Vater mit seinen schnatternden und krächzenden Kleinen hinaus an die Ufer der Havel, wo in einem von hohem Schilf und prächtigen Laubbäumen umgebenen Mäuschen das Sommerquartier aufgeschlagen wird. Und dort draussen kennen ihn alle Tiere, die munter zwitschernden Vogel und die scheuen Wasserkrähen, die im Röhricht versteckten und auf der weiten Wasserfläche tummelnden Enten, und der Künstler kennt die Lebensgewohnheiten einer jeden Art genau und kann dem erstaunten .Besucher dieser an der Grenze der Grossstadt gelegenen Landeinsamkeit gar wunderliche Dinge von dem Leben und Treiben dieser seiner Lieblinge erzählen, von den geschickten Jagdmanövern der Enten und Möven, den Sorgen eines Hühnerhofes, der Würde des Hahnes und der .Intelligenz der Gans (die beileibe kein so dummes Tier ist, zu dem es nur der Volksmund gestempelt hat).' Diese Erlebnisse haben den bildenden Künstler veranlasst, auch in schriftstellerischer Form vor das Publikum zu treten und in reizenden Versen die Schicksale seiner Genossen zu erzählen. Jn zwei Publikationen der Pan-Presse zu Berlin, die in je 20 Lithographien ein anschauliches Bild dieses bunten Treibens geben, führt uns Emil Pottner einmal ,,Eindrücke aus dem Leben der Vögel", ein andermal ,,Sommertage im Geflügelhof" vor. Doch es wird Zeit, dass wir uns den Werken des Meisters näher zuwenden, bei denen nicht nur die gefühlvolle Sprache des Tierpsychologen, sondern auch das eminente technische Können auffällt. Alle Arten der Kunst wendet Emil Pottner an: Die 1 > i I d n erisc b e, malerisc h e und graphische, in jeder weiss er besondere Töne anzuschlagen und die verschiedensten Materialien sich gefügig zu machen: Den Thor und die spröde Masse des Porzellans, die Gel färbe und das Aquarell, Buntstifte, Lithograph ie, H olzschnitt und Radierung. Seinen Hauptruf verdankt Pottner seinen Plastiken. Leibhaftig stehen diese Tierchen in ihrem bunten Gefieder vor uns: die Ente watschelt schwerfällig auf ihren breiten Beinen dabei', der Kranich stolziert auf seinen hohen Stelzen, gravi- Emil Pottner. tätisch marschiert der