Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- Heft 3 (März 1912)
- Article
- Die weißen und schwarzen Juden des südlichen Indien
- Date
- 1912-03-01
- Page
- Seite 251 - 252 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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251 Ernst von Hesse-Wartegg: Die weissen und schwarzen Juden des südlichen Tndien. 252 Cochin, Unser Thronfolger ist, wurde sein Name nicht unter die Vorgenannten aufgenommen. Gezeichnet: Bhaskara Ravi Yarma König der Könige von Mala bar." Das ist die sorgfältig gehütete Urkunde der Gründling eines jüdischen Königreichs in Südindien. Seine Hauptstadt war Cranganore, und Jahrhunderte lang erfreuten sie]] die Bewohner vollständiger Unab- 1 hängigkeit und Handelsfreiheit, so dass sie zu grossem W ohlstand kamen. Da bestieg Anfang des sechzehnten Jahrhunderts ein Fürst den Kaiserthron von Kalikut, der ihnen übelwollte. Er hetzte die Mohammedaner auf sie, und diese wilden, beutesüchtigen Krieger überfielen im. Jahre l.Yi'i die Städte der Juden, plünderten ihre Wohnungen und vertrieben sie aus dem Lande. Die Portugiesen nahmen sie in Gochin mit Wohlwollen auf. und seit jener Zeit ist diese Stadt ihr Hauptsitz im südliehen Indien geworden. Die Synagoge, in der ich mich befand, wird von einer hohen, starken Mauer umschlossen, und von dem schon erwähnten Turm überhöht. Das Innere zeigt weissgestrichene Wände und weisse, blau ornamentierte Porzellanfliesen auf dem Hoden, die ich sofort als chinesische erkannte. In der Tat erzählte mir der Kabbiner. sie wären vor Jahrhunderten als Geschenk für Seine Hoheit den Kaja von Gochin in China bestellt worden. Doch der Raja war ein so strenggläubiger Hindu, dass er sie, als von Nichthindus angefertigt, nicht annehmen wollte und den Juden überwies. Von den Decken hängen reiche alte Kristallinster von eigenartiger Form., und unter ihnen, in der Mitte des Raumes, erhebt sieh eine rr.it kostbarem Silbergitter umrahmte Kanzel. Dem Eingang gegenüber befindet sich ein Tabernakel mit kostbaren Bronzetüren, gewöhnlich durch eine goldgestickte Seidendecke verhüllt. Der woissbärtige alte Rabbiner sc bloss das Heiligtum auf und zeigte mir mit sichtlichem Stolz die goldenen mit Edelsteinen besetzten Kronen, augenscheinlich aus den ersten Zeiten des jüdischen Am 2S. Februar sind 100 Jahre verflossen, dass Berthold Auerbach in dem württembergischen Schwarzwalddorfe X o r d stet t e n geboren wurde. Vor kurzem ist ein W erk des bekannten Freiburger katholischen Stadtpfarrers H a ns j a k o b ..In der Residenz/' in .'). Auflage erschienen. H. schildert hier seine Tätigkeit als Landtagsabgeordneter in K a r 1 s r u h e und spricht auch sehr eingehend von den damaligen Ministem, selbstverständlich auch von dem Finanzminister Fils t ä 11 er , über den er unter anderem das Folgende sagt: ..Was nur an Ellstütter noch besonders gefällt, ist. dass er sich nie um ein Yolksmandat bewarb, was Minister gerne tun. und d a s s e r s e i n e r alt e h r w ü r d igen R e 1 i g i o n — e i* i s t I s r a e 1 i t — t r e u 1) I i e b t r o t z s e i n e s hohen Amtes." Also nicht nur wir sehen mit Königreichs stammend, und noch jetzt bei festlichen Gelegenheiten getragen. Darunter stehen schwere, armlange Silberhülsen, welche die Pergamentrollen des Talmud enthalten. Die Gemeinde zählt augenblicklich ungefähr tausend Seelen, fn einem Nebenraum befindet sich die Schule, wo ich an fünfzig Knaben vorfand, die mit gekreuzten Deinen auf Matten sassen und ihren Talmud lernten, indem, sie dabei ihren Oberkörper hin und hei' bewegten. Die Sprache des Unterrichts wie des Gottesdienstes ist die hebräische. Die Verkehrssprache indessen die an der ganzen Südwestküste gebräuchliche Malayalamsp räche. Als ich aus der Synagoge trat, sah ich an der Grenze des Stadtviertels der ..schwarzen" Juden die Aeltesten versammelt, augenscheinlich mich erwartend. Als ich Miene machte, sie zu begrüssen, verabschiedeten sich sofort die .,weissen14, um ja nicht mit ihren dunkelhäutigen Glaubensgenossen in Berührung zu kommen. Stolz führten mich die letzteren nun auch in ihre Synagoge, die der geschilderten ähnlich, nur einfacher ist. — So entgegenkommend sich die Juden mir auch zeigten, sie waren nicht zu bewegen, sich photographieren zu lassen. leb hätte mich längere Zeit ausschalten oder die Vermittlung des Raja anrufen müssen, und das letztere konnte nur durch den englischen Gesandten, oder vielmehr Residenten, geschehen, dessen reizendes Bungalow (indisches Wohnhaus) auf einer Insel zwischen Goch in und Ernaeolam in dem schmalen Meeresarme liegt. Se. Exzellenz, Sir S. Salomen weilte aber gerade zur Zeit meines Besuches in Travancore, bei dessen Maharaja er* ebenfalls akkreditiert ist. Ich hinterliess ihm daher fünf Pfund Sterling mit der Bitte, vom König von Gochin den Auftrag zu erwirken, dass der Hofphotograph im Judenviertel eine Anzahl Aufnahmen für mich machen möge. Ich erhielt sie einen Monat später, gleichzeitig mit einem grossen Porträt des Raja, nachgesandt. Einige davon sind diesem Aufsatz beigegeben. Xiichdruck verboten. tiefem Seelensehmerze. wie Glaubensgenossen um schnöder Vorteile willen dem Judentiime den Kücken kehren, auch ehrlichen Gbristen ist ein derartiger Glaubenswechsel zuwider. Ist ein solcher Schritt an und für sich schon verabscheuungswürdig. so noch mehr das Treiben dieser Renegaten, die bei jeder Gelegenheit ihre früheren Glaubensgenossen zu bespötteln und zu beschimpfen suchen. Nun gibt es allerdings eine besondere Spezies von Juden, sie kehren dein Judentum nicht den Kücken, aber jüdische Interessen zu fördern, ist für sie vollständig ausgeschlossen: im. Gegenteil, sie wollen an ihr Judentum und was damit zusammenhängt nicht erinnert sein. Erfreulicherweise gibt es aber auch noch viele, die trotz hoher Stellung sich ihres Judentums nicht schämen, sondern für dasselbe und seine Bekenner sich jederzeit BERTHOLD AUERBACH. Zu seinem 100. Geburtstage: 28. Februar 1812.