Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1912-03-01 · Heft 3 (März 1912) · p. Seite 243 - 244

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 3 (März 1912)
Article
Die weißen und schwarzen Juden des südlichen Indien
Date
1912-03-01
Page
Seite 243 - 244 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2583875-2584019-2584023-2600704--12815-2600776
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

243 244 Hauptstrasse der „weissen" Juden Stadt mit Glockenturm der Synagoge im Hintergrund. \uf dein Erdball dürfte es nur sehr wenige Juden die ebenso grosses Interesse boan pruchen können, wie jene, die der kolonien geben. Tradition im südlichen DIE WEISSEN UND SCHWARZEN JUDEN DES SUEDLICHEN INDIEN. Von Ernst von Hesse-Wart egg. — Mit 11 Illustrationen nach eigenen photographischen Aufnahmen. Nachdruck des Artikels und der Illustrationen verboten weiten, tiefblauen, liier ewig unruhigen Meere vermengen, liegt die alte Stadt Goch in (sprich Kölsch in). Sie ist der Hauptsitz der weissen und schwarzen Juden. Gochin ist die Hauptstadt des gleichnamigen. Königreichs, dessen dreiviertel Millionen Untertanen auf einem Gebiet von der ungefähren Ausdehnung des Herzogtums Sachsen-Meiningen wohnen. Sein Herrscher, der Kaja Sir Sri Hama Yarma, entstammt einem uralten Fürsiengeschlecht, das bis zum achtzehnten Jahrhundert über ein Gebiet so gross wie das Deutsche Reich geherrscht hat, und noch heute die Insignien der alten Kaiserwürde führen darf. Vor einem Jahrzehnt verlegte er seine Residenz von der flachen, sandigen Landzunge, auf der die Stadt Gochin liegt, nach dem Festland gegenüber, und haute sich dort, in der Stadt Ernacolam, einen neuen Palast. Mit ihm übersiedelte dorthin die ganze Regierung, Ministerien, Gerichtshöfe und Armee, die sich allerdings mehr durch prunkvolle Uniformen als durch besondere Stärke auszeichnet. Sie besteht nur aus 327 Mann Infanterie, 1(3 Kavalleristen und" \ Geschützen. Den Engländern zahlt Seine Hoheit einen jährlichen Tribut von ungefähr einer Million Mark. Gochin wird indessen doch die grosse Handels¬ und Hauptstadt des Königreichs bleiben; vor den sandigen, von schlanken Palmen beschatteten Ufern schaukeln stets eigenartige Segelschiffe von jener können, wie jene, die nach schon vor drei Jahrtausenden Indien gegründet worden sind. Die Westküste dieses Landes gehört zu den schönsten Gebieten der* Tropen, eine wahre Schweiz unter der heissen Sonne Hindostans. In einiger Entfernung von der Küste steigen die mit undurchdringlichem Urwald bedeckten Gebirgszüge der West Ghats bis auf zweieinhalbtausend Meter empor: von ihnen stürzen wasserreiche Flüsse durch romantische Schluchten herab, auf ihrem kurzen Lauf zum Meere rauschende Wasserfälle bildend. Ihre Täler verbreitern sich gegen die Küste zu und enthalten die kleinen, von Kokos- und Arekapalmen beschatteten Hütten der fleissigen Bewohner, die sich vornehmlich mit Reisbau beschäftigen. Die flachen Meeresküsten, von den tief eingeschnittenen, den» Flutenspie! des Indischen Ozeans unterworfenen Flussnumdungen vielfach zerrissen, bilden einen einzigen Palmenwald von einer Ueppigkeit, wie ich sie vielleicht nur auf Java und Geyion gesehen habe. Diesen Küsten ist eine weit über hundert Kilometer lange, schmale Landzunge vorgelagert, die sich von der Grenze des südlichsten Königreichs von Indien, Travancore. nach Norden zieht, und an ihrem Endpunkt, dort wo sich die Küstengewässer mit dem.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.