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Ost und West · 1912-03-01 · Heft 3 (März 1912) · p. Seite 213 - 214

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Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 3 (März 1912)
Article
Der Rummel um Sombart
Date
1912-03-01
Page
Seite 213 - 214 (sequence 2)
Language
German
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213 Mathias Acher: Der Rummel um Sombart. 214 gab, bis er es nicht in irgend welche malitiös fächelnde oder geradeaus unfreundliche Worte kleidete, bis er nicht seine Erkenntnisbereitschaft unterdrückte. Wir sahen aber eben auch diese, sahen, wie in ihm eine halb- oder unzugestandene Ahnung der Grösse Israels hauste, die sich nur immer wieder vor seinen Vorurteilen und den ihnen dienenden Wissenschafts-Methoden verkroch. Wir sahen ihn als umgekehrten Bileam, der flucht, wo er segnen möchte. Und als solchen schätzten wir ihn. Wir glaubten auch nicht, dass er schädlich wirken könnte, hofften sogar auf einigen Nutzen. Wir sagten uns: Gerade dadurch, dass er mit der einen Seite seiner Natur in den antijüdischen Stimmungen des deutschen Volkes steckt, dass er so deutlich antijüdisch betont ist, müssen seine Mahnungen zur Objektivität, zur ruhigen Hinnahme des Gegebenen, zur Anerkennung der jüdischen Leistungen, zur friedlichen Aussprache mit den Juden, beruhigend und abklärend auf die Nichtjuden wirken. Allerdings mehr erwarteten wir nicht. Im Gegensatze zu einigen Leuten, die sich und anderen weiss Gott was versprachen und uns allmählich zu beunruhigen anfingen. Wir kannten ja das unselige Schicksal des jüdischen Stammes im letzten halben Jahrhundert, wonach jedesmal neue Adepten-Gruppen des Jüdischseins erstehen und das vielleicht schon für Höheres reife Volk immer wieder auf die Erkenntnisse und Emotionen ihrer eigenen Selbstbesinnung zurückzuschrauben versuchen. Auch die verhängnisvolle Neigung der neueren Juden, aussenstehende Faktoren in ihrer Bedeutung für das Schicksal des Judentums gegenüber den inneren Kräften zu überschätzen, war uns nur zu gut bekannt. Und in der Tat bekamen auch die Dinge ein immer bedenklicheres Gesicht, — bis sie heute so weit gediehen sind, dass man nun wohl nicht länger schweigen darf. Wir wollen gleich vorausschicken, dass wir diese Wendung nur zum geringsten Teile Sombart selbst zur Last legen. Vor allem können wir in allen Aeusserungen, die er nach Erscheinen seines grossen Buches über die Juden machte, nichts finden, was schlimmer wäre, als das reichlich Schlimme in dem genannten WTerke selbst. Im Gegenteile. In dem eben erschienenen Büchlein „Die Zukunft der Juden"1) ist z. B. ein Satz enthalten, in dem sich die eine, die ahnende von den zwei Seelen Sombarts für einen Augenblick in der nächsten Nähe der ganzen Erkenntnis zeigt. Wenn er sagt: „Das Judenvolk ist es, das seit den Propheten den grossen ethischen Ton ins Menschheitskonzert gebracht hat und durch seine besten Söhne auch heute immer wieder bringt", — so stülpen diese Worte eigentlich sein ganzes Urteil über die Juden um und klingen gewiss ganz anders als die gezwungenen, süssiiehen Komplimente, die er uns wegen unserer kapitalistischen l) Duncker & Humblot, Leipzig 1912. Leistungen gemacht hat. Selbst wenn man nun annehmen will, dass es ihm in der neuen Schrift darum zu tun war, den Juden besondere Liebenswürdigkeiten zu sagen, um sie für gewisse praktische Forderungen günstig zu stimmen, — so darf deshalb doch niemand von ihm glauben, dass die Worte selbst nicht den Grundstimmungen seiner Seele, wenigstens soweit sie manchmal auftauchen, entsprechen. Und es bleibt nur interessant, dass er trotzdem von den in seinem Werke gemachten Behauptungen nichts zurücknimmt. Wenn er wünscht, dass es bei eine m Prozente Juden in Deutschland bleibe, dass sie nicht in „Klumpen" zusammenwohnen und dass kein weiterer Zuzug aus dem Osten komme, so sind das ja allerdings keine freundlichen Wünsche. Aber sie sind schliesslich zu vertragen. Man kann ihm ja nicht verbieten, in Hinsicht auf das Ostjudentum blutig unwissend zu sein, braucht sich nicht bei seiner idealen Prozentnorm aufzuhalten, und hat es schliesslich nicht nötig, ihn erst zu fragen, warum ein mit eigenem geistigen Persönlichkeitsrechte ausgestattetes Volk, wie er sich's vorstellt, nicht sollte in „Klumpen" zusammenwohnen dürfen. Warum sollte er nicht das Recht haben, Ansichten zu huldigen, die leider auch unter den Juden vorhanden sind, und da oft auch nicht gefälliger ausgedrückt werden? Auch darin, dass er die Juden auffordert, sich in der Offiziers- und Professorenfrage taktvoll, wie er meint, zurückzustellen, sehen wir keinen Grund, urplötzlich ungehalten zu werden. Diese seine Aufforderung ist vom Standpunkt der Wirkungsberechnung, die man ja von jedem laut Denkenden verlangen darf, kindlich naiv. Sie ist auch ein Dokument nicht zu Ende gedachter Gedankengänge. Denn, wer so gut Staatsbürgertum und Volkstum auseinander zu halten weiss, wie Sombart, wer so unbändig verlangt, dass die deutschen Juden in Deutschland bleiben und da bei völliger Gleichberechtigung ihre eigene Art ausleben sollen, wer endlich so überzeugt ist, dass sie sich dann eines ganz anderen Respektes erfreuen werden, als bisher, — der müsste sie eigentlich auffordern, auch nicht einen Zoll breit von ihrem prinzipiellen Gleichheitsanspruche zurückzutreten. Und darf gewiss nicht einen so groben, nur durch die Ueberredungsabsicht entschuldigten Denk- und Beobachtungsfehler begehen, den Ausschluss der Juden von der Professoren- und Offizierskarriere damit zu vergleichen, dass in irgend einem Garderegiment auch die christlichen Bürgerlichen nicht Offiziere werden dürfen. Aber eine besondere Verfehlung liegt nicht vor. Zumindest hat jeder, den die wirklich starken Verletzungen der jüdischen Ehre im Buche Sombarts kalt gelassen haben, das Recht verwirkt, sich wegen dieser unzulänglichen und am wenigsten schlimm gemeinten Detailmarotte zu entrüsten. Und leider ist es ja Tatsache, dass dieselben Juden, die Zeter und Mordio schreien, weil Sombart die jüdische Eigen-

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