Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1912)
- Article
- Die liebe Provinz
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 47 - 48 (sequence 6)
- Language
- German
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47 ■Sch. Goreiik: Die liebe Provinz. 48 heitern, kleinen und grossen Sanins, talentlosen Künstlern. Mit unseren lieben, schönen, jüdischen Mädchen in unserem. Städtchen verkehrten wir soviel und solange, führten grosse Dispute mit ihnen, deklamierten zusammen verschiedene Dichter, sprachen mit ihnen von Idealen. Aber die paar notwendigen Worte, die nur wir ihnen zu sagen ein Recht hatten, mussten ihnen andere sagen, dort in der grossen Stadt, sagten sie ihnen ohne Gefühl, mit der unverschämten Frechheit geschickter Frauenjäger. Ich bin heute ein wenig erregt, ich weiss selbst nicht, warum. Doch das ist ja klar, dass wir den biedern Wächtern gleichen, die sich in einen Winkel ihres Gartens verkriechen und sich dort von der Pracht jedes Baumes, von der Schönheit jeder Blume nicht genug erzählen können, dabei aber nicht merken, die Narren, wie während dieser Zeit kluge Leute in den herrlichen Garten einsteigen, ihn verwüsten, zertreten, alle Blumen pflücken. Ich bin heute ganz sonderbar erregt. Daran ist nur der verdammte Regen schuld, der nicht aufhören will, die Fensterscheiben zu peitschen. Doch nun genug. Ich wollte dir das nur sagen. Ich sass in meinem Zimmer und fühlte, dass du über dieselbe Sache nachdenkst. Da packte mich die Lust, dir die Frage zu stellen, die ich dir eben stellte. Sonst nichts! Gute Nacht!" . . . „€ine Reformation öurd) Öie Juöen." Rpt)orismen von Albert Bad), fleustaöt a. ö. ßaarot. (Dan trifft nid)t viele (Denfcben, öie vom heutigen Ceben feelifer; befriedigt finö. €5 fetyt eine ßulturrid)tung, öie in realer Weife verfötynenö wirkt unö es erleichtert, wal}r 3U fein. 6in folcfyes föulturmittel ift öemgemäfc ein Bedürfnis.1) * * * Die neue Richtung jeöod) wirö nur populär weröen können, wenn ir)re Cetyren naturgefe^lid; sinö. Das Intereffe für alles Daturgeferjlicfye h;at im Volke wefentlid) zugenommen öurd) öen ficfyt* baren Dirken öer wiffenjd)aftlicr;en Technik.2) * * * £in großer Zeil öer Cetyren öes Juöentums liegt vollkommen naturgeferjlicr;. F5alten wir uns in öer Bibel nur an öas Haturgefe^lictye unö öem (Dvftifcfyen fern, fo gelangen wir otyne Sd}wierigkeit 3U einer neuen Volkser3ieh;ungsmetr)oöe, öie cfyarakterifiert wirö öurch; öie beiöen Sormeln: 1. Cebensöienft oöer ZloöesöienftI 2. Hur wenn öer Geift öem Ceben öient, erfüllt er feinen 3weck! Im Gegenfarj 3um Tiere befirjt öer (Denfch; öie Säfyigkeit, öas Großartige feines Organismus kennen 31a lernen. €ine fold?e (Kenntnis füh>rt 311 einer böseren Bewertung öer Gefunöfyeit unö öes Cebens. Die r)öh;ere Cebensbewertung bilöet öie Grunö* läge, um öen Geift für öen Cebensöienft aus3Ubilöen. (Dan kann folgenöe Ceitfä^e aufftellen: 1. Die Ausübung öes Guten macfyt froh;, nürjt öer Gefunöbeit, verlängert öie Cebensöauer unö beöeutet öemgemäfr „Cebensöienft"; 2. öer Cebensöienft umfafet alles, was öer Gefunöhjeit nütjt unö befteh)t fomit vorwiegenö in Arbeit, (Däfcigkeit unö (Denfch;enfreunölicfyheit; 3. öie Ausübung öes Böfen verftimmt, Hacfyöruch verboten. fch;aöet öer Gefunöh;eit, kür3t öie Cebensöauer unö beöeutet öemgemäfe „Coöesö ienft"; 4. öer Zobesöienft umfaßt alles, was öer Gefunöh;eit fcfyaöet unö befteh)t fomit vorwiegenö in Trägheit, ünmäfcigkeit ßafc, Heid unö Verbredjen; 5. öie F5ol)eit öes Haturgeferjes 3vvingt 3ur Auss Übung öes Cebensöienftes, wenn man froh; unö lange leben will.3) * * * 3wei wichtige Saktoren würben öie Reformr m begünftigen. Cin großer Zell öer proteftanten entfremöet fich; immer me\)x öem d)rift= ' en Dogma unö kommt öamit öem naturgefet)-- n Juöentum näh;er. Cbenfo bewegt fid) öer katr;olifd)e (Doöernismus auf öem Wege 3um Juöentum.4) * * Die Juöen, öie religiöfen Repräfentanten öes Gefunöl)eitsprin3ips, erfüllen eine biblifcfye (Diffion, inöem fie öen (Denfdjen öen „Cebensöienft41 vermittein. Der Cebensöienft bringt öie 3ar)lreid) vorr)anöenen Beftrebungen für körperliche unö geiftige Gefunöh;eit in ein einheitliches Svftem unö fammelt öie (Denfcfyen ohne Unterfd)ieö öer Ronfeffion. Der Gläubige, öer öas Ceben als ein Gefcfyenk Gottes betrachtet, öient öem Ceben aus 6r)rfurd)t vor Gott. Der (Denfd) mit einer natürlichen Welt* anferjauung öient öem Ceben, um es froh; unö lange 3U genießen. Beiöe Strömungen entfpringen öer Bibel unö weröen öurd) öen Cebensöienft vereinigt.5) * * * Cine Crfolg verfprech;enöe Bewegung 3ur €infüh;rung öes Cebensöienftes kann nur von Juöen ausgeben. Bewegungen, von Cr;nften ausgehend, von Juöen unterftüt^t, weröen, wie öie Crfafyrung