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Ost und West · 1912-01-01 · Heft 1 (Januar 1912) · p. Seite 35 - 36

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 1 (Januar 1912)
Article
Der Radierer Fritz Lederer
Date
1912-01-01
Page
Seite 35 - 36 (sequence 3)
Language
German
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35 Max Schach: Der Radierer Fritz Lederer. 30 i/l .\ •'/; / ' ■ \ BRITZ LEDERER. BERLLW Porträt der Frau des Künstlers. einer Italienreis:! sind liier in einer Mappe vereinigt, die seltenen Inhalt birgt. Freilich findet sieh Ungleichmassiges in der Fülle seiner Blätter; so heben sich die jüngeren Arbeiten oft bedeutend ab von den Blattern früherer Jahre, die in der Zeit entstanden sind, cla Lederer noch das Aquatinta-Verfahren zu bevorzugen schien. Es scheint, als hätte sein technisches Können mit der Anwendung der Kaltnadel-Methode ganz neue Woge gefunden, wovon gerade seine Porträts zeugen. Jetzt überwiegt in seinen Landschaften der impressionistische Ton, das Bestreben, den malerischen Effekt zu erzielen, ist der Tendenz gewichen, den zeichnerischen Effekt herauszuholen und durch klaren Strich und feine Linie dem Gegenständlichen gerecht zu werden. In seinem „Bergwerkshof" — das ich zu seinen besten Blättern rechne — hat diese Tendenz einen markanten und sinnigen .Ausdruck gefunden. Das Blatt Sommerabend'' (aus dem Opus Heimat") veranschaulicht Lederers Uebergang zur Kaltnadel-Arbeit. Seine Landschaften sind voll geheimer Melancholie und bisweilen von feinem Stimmungszauber. Natur- und Kunstgefühl, streitende Elemente, sind hier verbunden und offenbaren sich etwa in „Tote Bäume"', dieser Radierung von fast grotesker Stimmung. Seine Neigung, die Natur zu stilisieren, wird an manchen seiner Arbeiten sichtbar; dennoch aber bleibt es immer Natur, L;rform, gleichviel ob Lederer ein Sujet fein japanisiert oder eine Kiefern - waldung in bewusst grotesken Strichen nachzeichnet. Die Mappen „Heimat" und „Italienische Landschaften", aus denen ein kleiner Teil hier reproduziert ist, sind der Ausdruck einer nachdenklichen und feinen Kunst, die ihre eigene graphische Sprache spricht. lieber Fritz Lederer ist nichts Abschliessendes zu sagen. Betrachtet man seine Blätter, so merkt man ein beharrliches und glückliches Vorwärtsdringen, eine immer persönlichere Art. Dieser junge Künstler ist einer von denen, die ihre Kritiker im Laufe der Zeit — Lügen strafen, die sich nicht festlegen lassen und sich rastlos weiter entwickeln. Lieber Lederer, den Maler, wäre noch Besonderes zu sagen. Die Kürze des Baumes verbietet ein näheres Eingehen auf seine Bilder, die in Farbe und Sujet Zeichen einer originellen Kunst sind. Zu Königsberg an der Eger geboren, zählt Fritz Lederei1 heute zweiunddreissig Jahre. Ein junger Künstler noch, den man zur „Junioren-Gruppe" rechnet. In den Ausstellungen der Sezession begegnet man ihm alljährlich mit seinen scharfen Kunstblättern; in der Wiener Albertina, im Weimarer Museum findet man seine Bilder. Kein L'nbekannter also und kein Verkannter. Einer, der sich nach den harten Mühen eines Künstlerdaseins, nach mannigfachen Irrfahrten, zu einer ruhigeren Form durchgerungen. Seit verjähren lebt er in Berlin und schafft in seinem Ateli-T in Halensee an neuen Werken. Der Radierer Fritz Lederer hat seinen Platz. Und man harrt der Zeichen seines weiteren Schaffens. FRITZ LEDERER. BERLIN. Bildnis des Vaters des Künstlers.

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