Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 12 (1912)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1912)
- Article
- Illustrationen zu Russlands Judenpolitik in den letzten Monaten
- Date
- 1912-01-01
- Page
- Seite 31 - 32 (sequence 2)
- Language
- German
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3t Illustrationen zu Russlands Judenpolitik in den letzten Monaten. 32 später kam der Volksschul-Inspektor und ordnete die Ausschliessung der jüdischen Schüler an. * * * In Nikolajcw hatte ein jüdischer Gymnasiast, namens Levy, zusammen mit seinem Bruder der Verwalterin des dortigen weiblichen Gymnasiums, die in einem von scheu gewordenen Pferden gezogenen Wagen sass, das Leben gerettet. Als er am nächsten Tage in der Schule nicht ganz entsprach, sagte ihm der Professor: „Juden müssen überall dabei sein. Statt die Rolle eines Lebensretters zu spielen, hättest du lieber deine Lektion lernen sollen ..." * * * Der Gouverneur von Grodno erlaubte demTzionistischen Agitator Buchmil nicht, einen Vortrag zu halten. Begründung: Zion ist für die Juden ganz unnötig, da es ihnen in Russland an gar nichts gebricht. * * * Im Beizer Bezirk in Bessarabien führt der neue Isprawnik die strengsten Massregeln gegen arme Juden durch. Er hat ausdrücklich erklärt, dass er Juden als rechtlos betrachte. Die Wirkung dieser Maxime und Praxis auf die Bauern ist die denkbar schlechteste: Neulich warfen sie im Dorfe Alexejewka einem Juden aus Mutwillen einen Strick um den Hals, erdrosselten ihn und übergaben dann die Leiche einfach zur Bestattung. Als die Polizei kam, um eine Untersuchung einzuleiten, meinten die Mörder ganz naiv: „Wrie, einen Juden darf man auch schon nicht anrühren ....?" * * * Bekanntlich hat die Gendarmerie in Proskurow den nicht reisenden Juden das Betreten des Bahnhofes untersagt. Vor einem Monate fasste der Gendarm Tkatschukden Juden Goldberg, der einen Brief in den Postwaggon einwerfen wollte, und machte eine Anzeige gegen ihn. Goldberg wurde freigesprochen. Der Gendarm rächte sich nun dafür, indem er den alten Mann in die Wachstube lockte und dort verprügelte. DER RADIERER FRITZ LEDERER. Von Max Schach. Nachdruck verboten. Ein Impressionist, der verzichtet; ein Künstler, das Heil der Form sucht, zu den Modernen, aber seine prägnante Eigenart erinnert an die scharfen Holzschnitte altdeutscher Meister. Dann wieder findet man Blätter, in deren Gestaltung unverkennbar ein suchender Wille sieh kundgibt, das stürmische Verlangen, alte Formen zu zerbrechen. Die Technik des Radierers ist ein besonderes Kapitel; sie ist zur Beurteilung dos Werkes ebenso wichtig, wie die Fülle des Vollendeten, das den Namen Fritz Lederers trägt. An seinen Arbeiten lässt sich unschwer der allmähliche Wandel technischer Konstruktion erkennen, der gleichbedeutend ist mit einer stärkeren Wirkung der Linien. Es ist keine leichte Aufgabe, einen Radierer und sein Werk einzuführen. Was sonst die Wirkung kühner Farben ist, wird bei dem Meister der Nadel und des Aetzstiftes auf alle malerischen Effekte der in der Poesie der Linie Man rechnet Fritz Lederer Fritz Lederen (Selbstbildnis.) zum technischen Geheimnis. Und die beste Reproduktion vermag nur eine schwache Vorstellung von den künstlerischen Eigenheiten einer Radierung zu geben. Schwarz und weiss — dies sind die Farben; die Schwarzweisskunst als Ausdruck und Darstcllungsmittel. Alles andere ist Walten 'künstlerischer Phantasie, ist Schaffen 1 eiser Stirn mungselemente. Und Technik,1 Technik! I n seinem lehrreichen Buch „Die Kunst des Radierens' ' erinnert H er mann Struck an ein Goethewort. „Mich reizte die reinliche Technik dieser Kunstart. . . — soheisst es in „Dichtung und Wahrheit/' Gerade bei der Betrachtung von Lederers Blättern kommen mir die Worte Goethes in den Sinn; denn Lederer ist vornehmlich Landschafter, in den meisten seiner Blätter ist die einsame Stimmung ferner Weltwinkel eingefangen. Als Goethe seine ersten Blätter radierte, schrieb er die W7orte hin: „Meine Neigung hatte sich wieder auf die