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Ost und West · 1912-01-01 · Heft 1 (Januar 1912) · p. Seite 29 - 30

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Journal
Ost und West
Volume
12 (1912)
Issue
Heft 1 (Januar 1912)
Article
Illustrationen zu Russlands Judenpolitik in den letzten Monaten
Date
1912-01-01
Page
Seite 29 - 30 (sequence 1)
Language
German
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29 30 ILLUSTRATIONEN ZU RUSSLANDS JUDENPOLITIK IN DEN LETZTEN MONATEN. (Fortsetzung aus Heft X, XI und XIL) Nachdruck mit Queilenangab In Nowo Moskowsk fand ein Prozess gegen 29 Leute statt, die beschuldigt waren, im Oktober 1905 einen Pogrom durchgeführt zu haben. Trotz ungünstiger Zeugenaussagen wurden sämtliche Angeklagten freigesprochen. * * * Durnaverhandlung wegen Abtrennung des Chchner Gebietes von Polen. I ) e r M i n i s t e r d e s I n - n e r n , Makaro w , erklärt sich mit dem Gesetzprojekte einverstanden und bemängelt nur, dass sich die Kommission in beziig auf Bodenkauf gegen Beschränkungen der Polen und Juden ausgesprochen habe. Er hält diese Beschränkungen für nötig. * * * Der Justiz minister S c h t s c h e g 1 o - w i t o w machte das Kiewer Gericht aufmerksam, dass sich zuviel jüdische Advokaten im Bezirke befinden. Daraufhin stellte das Gericht die Eintragung jüdischer Advokaten ganz ein. * * * Das Bildungsministerium hat durch ein Zirkular die Kuratoren der Bildimgsrayons aufgefordert, Schulmaterialien nur bei russischen Firmen einzukaufen. * * * Im Justizministerium wird jetzt ein Gesetzprojekt ausgearbeitet, wonach die für Rechtsanwälte bestellend«? Prozentnorm von 10 % auch auf die Rechtsanwaltsgehilfen ausgedehnt wird. * * * Der Divisionskommandant General Priatow erHess einen Befehl, dass jüdische Soldaten keine Offiziersdiener werden dürfen, weil der Offiziersdiener der Freund seines Herrn und der Familie desselben sein soll und ein jüdischer Soldat das nicht sein könne. Auch zum Dienst in der Kanzlei und in der Verpflegung sollen jüdische Soldaten nicht verwendet werden. — Der Erlass hat rückwirkende Kraft. * * * Der Gouverneur von Jekaterinoslaw hat befohlen, das Vermögen derjenigen Juden zu k o n f i s z i e r e n, die aus drei kleinen Städten ausgewiesen wurden, weil diese kurz vorher von der Gouvernements - Verwaltung als Dörfer erklärt wrorden waren. Die Vermögenskonfiskation begründet der Gouverneuer damit, dass sich die betreffenden Juden nicht mit ihren angemeldeten Professionen beschäftigten. * * * Im Kiewer Bezirksgericht fanden jüngst Prozesse gegen Juden statt, welche nur Wohnrecht, aber nicht Handelsrecht in Kiew haben. Das Gericht erkannte auf Ausweisung und Vermögenskonfiskation. — Unter anderem wurde eine Gusseisenfabrik konfisziert und die Besitzer, zwei Söhne unter der Vormundschaft >e gestattet. ihrer Mutter, ausgewiesen. Die Familie, deren Oberhaupt voriges Jahr starb, wohnt schonA mehrere Jahrzehnte in Kiew. * * * Russischer Ministerkonflikt: Die Börsen komitees von Lodz und Moskau petitionierten beim Handelsminister, man möge die jüdischen Commis voyageurs nicht hindern, nach Rostow a. Don zu kommen, um dort Geschäfte zu machen. Der Handelsminister ist geneigt, dem Ersuchen nachzugeben. Der Kriegsminister aber meint, dass in den Doner Kosaken-Rayon Juden auch nicht vorübergehend kommen dürfen. Der Senat soll nun in diesem Konflikte entscheiden * * * Ein jüdischer Kaufmann aus Krementschug kam nach Semipalatinsk und gab dort im Hotel sofort die Dokumente ab, die sein zeitweiliges Wohnrecht bescheinigen. Aber schon den andern Morgen brachte man ihn zur Polizei, setzte ihn in den Arrest, verweigerte die Absendung eines Telegramms an den Minister, und hielt ihn vier Tage gefangen. Dann musste er sofort abreisen. Bei der Abreise gab ihm ein christlicher Kaulmann, der ihm 350 Rubel schuldete, 150 Rubel und eine Quittung des städtischen Feuerwehr- Kommandos über 200 Rubel. Für diese unfreiwillige Spende war er von dem Schicksal bewahrt worden, per Schub in seine Heimat befördert zu werden. * * * lieber Ersuchen der Petersburger Polizei hat die Odessaer Polizei gegen das Ehepaar Wolfersohn die Anklage wegen unbefugten Aufenthaltes in Petersburg erhoben. Die Angeklagten entschuldigten sich damit, dass sie einen im Petersburger Krankenhaust1 schwer krank darniederliegenden Sohn, einen Studenten, besuchen wollten. Sie konnten übrigens ihre Absicht nicht ausführen, weil sie noch am selben Tage von Petersburg ausgewiesen wurden. * * * In Omsk dürfen die Juden die Stadt nicht auf einen Augenblick verlassen, sonst verlieren sie ihr Wohnrecht. — Als Handeltreibende sind aber die Juden darauf angewiesen, zeitweilig die Stadt zu verlassen. * * * Der Pristaw von Telegcsti hat eine Tabelle aller wohnberechtigten jüdischen Insassen der Dörfer anfertigen und in allen Amtslokalen aus]längen lassen. Der Tabelle ist ein „Vermerk" beigefügt, dass man jeden Juden, der in der Tabelle nicht angeführt ist, anhalten und zum Pristaw bringen solle. Er werde ihn dann in seine Heimat abschieben. * * * In Letitschow errichtete die Stadtverwaltung in den Schulen wegen Raummangels Parallelklassen und nahm in diese einige Juden auf. Einen Monat

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