Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1909)
- Article
- Felix Salten
- Date
- 1909-12-01
- Page
- Seite 743 - 744 (sequence 2)
- Language
- German
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743 Max Schaeherl: Felix Saiten. 744 Sprache. Ein G-lanzstück von Form und Sprachkultur ist diese Novelle, und sie lässt „alle Erinnerungen aufleuchten wie die Fenster eines Hauses in der abendlichen Sonne.u Er ist ein Seelenbildner, einer, dem die Kunst gegeben, jedes Erleben, jede geheime Kegung zu deuten, plastisch nachzubilden: man lese „Die kleine Veronika'4. Uod man greife zu seinem neuesten Zyklus kleiner Eomane „Künstlerfrauen"*). Das sind Geschichten aus dem Alltag, nicht seltene Begebenheiten. Mit satyrischer Kraft und gedämpftem, unabsichtlichemHumor zeigt Saiten Künstlerehen — Ehen ohne Gemeinschaft. Daneben schrieb und schreibt er noch viel Feuilletonistisches und Kritisches, dessen Hauptteil wir wohl einmal in Buchform sehen werden. Weit über dem Niveau moderner Novellistik stehen seine Erzählungen; seine Sprache, dieser ungekünstelte, aber in allen Lichtern schimmernde Stil hat Nachahmer genug gefunden. Er „erfindet" keine Motive; sieht das Leben, die Schicksale, sieht es mit Dichteraugen, und bildet es. Nichts Bizarres, Gezwungenes in seinen Schriften. Den Gustav Meyrink des Bealen möchte ich ihn nennen. Was er an Bühnenwerken brachte, war *) Verlag Georg Müller, München 1908. auch aus des Lebens weiten Bezirken geholt. Die Einakter „Vom andern Ufer," an vielen Bühnen mit grossem Erfolg in Szene gegangen, sind ein Spiegel menschlicher Schwächen, ungewollter Ironien tragischer Konflikte. Er spielt mit Problemen, Leidenschaften, spielt mit Glück und Sterben — spielt wie ein Ueberlegener. Und in Schnitzlers „Paracelsus" heisst es: „Wir spielen immer; wer es weiss, ist klug . . a Hier soll kein abschliessendes Wort über diesen feinen Geist gesagt werden. Nur ein kleines Bild von dem, was er schafft und schuf, nur ein Umriss seiner Persönlichkeit. Diesem Bild fehlte ein charakteristischer Zug, wollte ich Saiten, den Juden, vergessen. Er fand den Mut, in der Stadt ewiger Rücksichtnahme und rücksichtsloser Judengegner, öffentlich gegen den allmächtigen Lueger zu protestieren; fand Worte feinster Ironie und ehrlichster Empörung gegen den Abfall vom Glauben. Felix Saiten ging den Weg des Ueberlegenen. Aus Ungarn kommend, ist er, ein bewusst Könnender, emporgestiegen. Und schreitet fort. Kein Spezialist einer bestimmten Richtung; ein polyglotter, durchdringender Geist, wird er uns noch manche Ueberraschung bieten. Wir harren des vielen Schönen, das sein Können birgt. SCHACH. Redigiert von Dr. Auflösung des Problems Nr. 1. Der einzige Zug, um auf jeden beliebigen Gegenzug mit Matt antworten zu können, ist De4—c2. Die Zahl der Varianten ist sechs. 1) b3xc2 2) b2—b4 matt 1) Sf7—d6 2) Td7—c7 „ 1) Sf7—e5 2) Sd4—b3 „ 1) Dh4—e4 oder —h2 2) Sd6—e4 „ 1) La8xb7 2) Sd6xb7 „ Die Drohung ist Kc3xb3. Sie lässt sich auf keine andere als die oben angegebenen fünf Arten decken. Es ist mir ein Vergnügen, konstatieren zu können, dass viele unserer Leser die durchaus nicht leichte Aufgabe richtig gelöst haben; leider aber hat nur der kleinere Teil von ihnen alle Varianten gesehen. Besonders war es der Zug Dh4—h2, den zu entdecken den Bewerbern Schwierigkeiten machte. Der Zug ist unscheinbar, weil er so weit abseits geschieht, ist aber dennoch gleichwertig mit Dh4—e4. Richtige Lösungen und vollzählige Varianten sandten ein: Luise Achilles, Berlin; Manfred Berliner, Hannover; S. Bernhard, Rostock; Hans Brock, Posen; Walter Feilchenfeld, Berlin; Richard Fuchs, Karlsruhe; Ignatz Gröger, Bromberg; Gottfried Gumbel, Heilbronn; Ernst Haarburger, Stuttgart; Julius Josefovic, Bochum; Wilhelm Rettich, Leipzig; Leo Scherek, Posen; Dr. M. Thaler, Czernowitz; Emmerich Wellisch, München; Max Wiener, Hohensalza. Am ehesten, nämlich den 30. Oktober, wurden von diesen Lösungen die der Herren Berliner, Brock, E m a n u e 1 L a S k e r. Nach druck verboten. Gröger, Gumbel, Haarburger, Josefovic und Wiener zur Post gegeben. Herrn Dr. M. Thalers Postkarte trägt den Stempel des 1. November. Da sie die Grenze zu passieren hatte, ist es nicht mehr als recht und billig, sie trotz der zwei Tage Differenz mit den anderen in Konkurrenz treten zu lassen. Welche von den genannten acht Lösungen den Preis gewinnen sollte, konnte nur das Los entscheiden. Ich habe eine mit der Redaktion in Verbindung stehende Dame gebeten, dieses Amt freundlichst zu übernehmen, und dies war das Ergebnis: Herr Manfred Berliner, Hannover, gewinnt. Meinen besten Glückwunsch! Problem Nr. 2 von A. Charlick. Erster Preis des Turniers der Western Daily Mercury. Schwarz (11 Figuren). Weiss (10 Figuren). Weiss zieht und setzt in zwei Zügen matt.