Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 11 (November 1909)
- Article
- Die erste Alliance-Ausstellung in Saloniki
- Date
- 1909-11-01
- Page
- Seite 705 - 706 (sequence 2)
- Language
- German
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705 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Die erste Ausstellung in Sa!oniIi:. 706 verknüpft sind, und da?s eine Aasstellnng, die keine Eifersucht der Rassen und der Sprache kennt, diese gemeinsamen Interessen in hellstes Licht stellen würde. Wir bedürfen in diesem Lande der Unternehmungen, die die Bürger einander naher bringen, und das Band der Solidarität verstärken. Jeder Ottomane hat die Pflicht, daran zu arbeiten, dass der Kitt zwischen den Kindern des Vaterlandes fester werde. Ausstellungen, die neben anderen Wohltaten, die sie den Völkern bieten, auch dazu beitragen, den Einheitsgedanken zu stärken, sind bei uns eine Notwendigkeit. Denn alles ist notwendig, was dazu beiträgt, die Verträglichkeit zu erhöhen und den Frieden unter den Menschen zu festigen." Nach dieser Rede begann die Besichtigung der ausgestellten Arbeiten. Für die Eingeladenen war das eine wahre Entdeckung. Das Geleistete ist überraschend grossartig. * * # Saloniki, den 6. Oktober 1909. Der Erfolg der Ausstellung tritt immer deutlicher hervor. Die Besucher kommen in Scharen herbei, die Säle werden nicht leer, der Eindruck auf die Besucher ist ausgezeichnet. Die Menge staut namentlich vor den Malereien und den Nadelarbeiten, die in der Tat vortrefflich vertreten sind. Die Stickereien ans der Har. Iwerkerschule der[jAlliance Israölite Universelle werden in ihren neuen Mustern, besonders in einem Brautgewand lebhaft bewundert. Die kleinen Arbeiten der israelitischen Gemeinde- Mädchenschule ziehen durch Geschmack, Eleganz und reiche Abwechselung die Aufmerksamkeit auf sich. Ein Brautgewand aus dem Atelier Mertado und Is.Tessur, von Frau Tamar Matarasso hergestellt, ist von tadellosem Schnitt und geradezu bewunderungswürdig, ein wahres Meisterwerk. Die Leistungen der Tapezierer, Schuhmacher, Polstermöbel-Tischler, Goldarbeiter sind hervorragend. Unmöglich, die fünfzig verschiedenen Handwerke aufzuzählen, die in würdigster Weise ver* treten sind. Erwähnt seien nur die Zeichnungen der Architekturmaler in künstlerisch ausgeführten Rahmen, Eine eigene Abteilung ist Bürstenwaren aller Art und vortrefflichen Pinseln gewidmet. Der Verkauf der Ausstellungsgegenstände ist sehr lebhaft. Ein begeisterter Besucher wollte die gesamte Möbelausstellung en bloc erwerben. — Über 1300 eingeborene Handwerker haben an den Gegenständen gearbeitet. — Der Freitag-Nachmittag ist ausschliesslich für den Besuch der türkischen Frauen vorbehalten. DIE VERHAELTNISSE IN MAROKKO. Nachdruck mit Quellenangabe gestattet, besteht, die Israeliten so zu behandeln, wie es vor einem Jahrhundert in Marokko Brauch war. Aus Fez, 20. September, , wird von Herrn E 1 m a 1 e h , Leiter der dortigen Allianceschule, berichtet: Der Hass des scherifischen Kämmerers gegen die Israeliten hat sich wieder einmal in einer Handlung der Grausamkeit gezeigt. Am vorigen Mittwoch, dem Rüsttag zum Rosch-haschanah, gegen 6 Uhr abends, schickte der Kämmerer in das Mellah nach 9 jüdischen Matratzenarbeitern, denen er eine anscheinend dringende Arbeit übertragen wollte. Auf die Bemerkung der Arbeiter, dass das religiöse Fest eben beginne, und dass sie deshalb keinerlei Arbeit verrichten dürften, Hess der Kämmerer sie in Fussfesseln legen. In diesem Zustand mussten die Unglücklichen die ganze Nacht hindurch arbeiten. Machten sie nur eine Miene des Widerstrebens, so erhielten sie Knüttelhiebe auf den Kopf. Erst andern Tages gegen 9 Uhr früh wurden sie der Fesseln entledigt und konnten gehen. Nach dem Gebet kamen sie zu mir, erzählten mir, was ihnen begegnet war, und zeigten mir die Spuren der üblen Behandlung, die sie erduldet hatten. Heute früh begab ich mich zu dem Großvezier Si Madani el Glaui und trug ihm energischen Protest gegen das Verfahren des Kämmerers vor. Der Großvezier nahm meine Klage zur Kenntnis und versprach mir, darüber an den Sultan zu berichten, auch die Angelegenheit nach Kräften zu verfolgen. Doch Hess er mich deutlich genug verstehen, dass er gegen den allmächtigen Kämmerer nichts auszurichten vermöge. Der französische Konsul, Herr Gaillard, an den ich mich wandte, nachdem ich den Grossvezier verlassen hatte, ist gleichfalls der Ansicht, dass gegenwärtig der Kämmerer der mächtigste Mann ist, und dass zurzeit im Maghzen eine gewisse Neigung Fez, den 27. September 1909. Ich habe von einer neuen Missetat des scherifischen Kämmerers gegen die Israeliten von Fez zu berichten: Am Tage vor Erew Jomkippur liess er alle Schlächter des Mellah einsperren und in Fesseln legen, um sie zu zwingen, dass sie ihm unentgeltlich die Lungen alles geschlachteten Viehs abgeben. Es scheint, dass diese Lungen zur Nahrung für eine Sammlung von Katzen dienen sollen, die der Sultan eben erhalten hat. Da im Mellah die Lunge 1 Peseta kostet, haben die Schlächter, die nicht in der Lage sind, diese neue willkürliche Abgabe zu tragen, lieber ins Gefängnis gehen als sich fügen wollen. Ich intervenierte, wie immer, zugunsten der Gefangenen. Nach eintägigen Bemühungen erlangte ich bei dem Grosswesir ihe Freilassung am Erew Jomkippur. Am Jomkippur selbst schickte der Kämmerer, der die Verhältnisse genau kennt und sehr gut weiss, wann und was der Jomkippur ist, seine Soldaten in den Mellah, um die jüdischen Goldschmiede zusammenzurufen, denen er für den nämlichen Tag eine Arbeit übertragen wollte. Die Goldschmiede stellten sich in der von mirbesuchten Synagoge unter meinen Schutz, und selbstverständlich verweigerte ich ihre Auslieferung. Alle diese Vorkommnisse beweisen die Gehässig* keit des Kämmerers gegen unsere Glaubensgenossen, Mehrere hochgestellte Moslim, zu denen ich Beziehungen unterhalte, sagen mir, dass der Kämmerer die arabische Bevölkerung von Fez mit gleicher Willkür behandelt. Sogar die Europäer haben Ursache, sich über ihn zu, beklagen. Elmaleh.