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Ost und West · 1909-11-01 · Heft 11 (November 1909) · p. Seite 703 - 704

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 11 (November 1909)
Article
Die erste Alliance-Ausstellung in Saloniki
Date
1909-11-01
Page
Seite 703 - 704 (sequence 1)
Language
German
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703 704 A\\VV« •......""WM w MITTEILUNGEN m aus dem Deutschen Bureau der no n? OTIP BERUM.M 2^. AllianceJsrseliteUniveiselle ^KIBT ^3 Oranient>urgersrn4?43 DIE ERSTE ALLIANCE-AUSSTELLUNG IN SALONIKI. Saloniki, den 4. Oktober 1909. Gestern hat in der Mädchenschule der AlKance Tsraelite Universelle die Einweihungsfeier der von dem Verein ehemaliger Alliance-Schüler organisierten Ausstellung stattgefunden. Ein vornehmes Publikum hatte sich zu dem von der Arbeit und der Kunst von Salonik veranstalteten Fest eingefunden. Als Vertreter des Gouverneurs war Abdullah Bey erschienen, der Direktor des öffentlichen Unterrichts in der Provinz. Mit dem Chacham Baschi hatten sich die Notabilitäten der jüdischen Gemeinde in grosser Zahl eingefunden. In der die Feier beginnenden türkischen Einleitungsrede zeigte Herr Joseph Beja die Vorteile, die aus lokalen Industrieausstellungen gezogen werden können. Danach nahm Herr Joseph Mehama, der rührige Präsident des Vereins ehemaliger Alliance-Schüler, das Wort. Er sagte: „An, der Frontseite des ehrwürdigsten Tempels der Alten las man den berühmten Sprach, den Sokrates zu seinem Wahlspruch gemacht hat: Kenne dich selbst! Auf die Frontseiten der modernen Tempel, der Werkstätten und Fabriken, sollte man in goldenen Lettern die Inschrift eingraben: Kenne dich und die andern! Um in dem Lebenskampf nicht zu unterliegen, ist es in der Tat notwendig, genau zu wissen, was man selbst wert ist, und was die Konkurrenten wert sind. Die Einzelpersonen und die Völker kämpfen in Zukunft nur noch auf wirtschaftlichem Boden. Wer nicht auf der sozialen Stufenleiter weit zurückbleiben will, muss seine. Kräfte messen, oft seine Fähigkeiten prüfen und namentlich sich mit den andern vergleichen. Auf diese Weise sieht man, wo es fehlt, und welche Mängel man ablegen muss, ebenso welche Eigenschaften man bei sich mit Nutzen zu entwickeln vermag. Das Gesetz schreibt jedem Kaufmann vor, dass er Bilanzen aufstellt; der einzelne kann seine Selbstprüfung jederzeit vornehmen. Die Ausstellungen, diese Jahrmärkte unseres Jahrhunderts, gestatten eine Kollektiv-Inventur. Deshalb mehrt sich in unseren Tagen die Zahl der Ausstellungen aller Art. Auf diese Weise stachelt man den Fortschritt an, führt man die stetige und unwiderstehliche Vervollkommnung des menschlichen Lebens durch einen loyalen und fruchtbaren Wetteifer herbei, schafft man gleichzeitig den Erzeugern die Gelegenheit zu direktem Verkehr mit den Abnehmern. Ueberall konnte man diese unendliche Arbeit des industriellen Studiums und der industriellen Vergleichung wahrnehmen, nur nicht in unserer unglücklichen Türkei, die an der Seite der zivilisierten Welt einer Hand von Ausbeutern, zur Schande aller Gesetze der Menschlichkeit, überliefert zu sein schien. Aber in den denkwürdigen Julitagen dieses Jahres hat man sich in unserm Land Rechenschaft abgelegt, dass eine gründliche Inventurarbeit nötig sei, dass man che tausend Lücken in dem wirtschaftlichen Netz des Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. Reiches aufdecken, die dringenden Verbesserungen anstellen und unverzüglich neue Arbeit beginnen müsse. Diese Arbeit hat begonnen. Sie wird in der ganzen Ausdehnung des Reiches mit Eifer und mit Begeisterung geleistet. Der Verein . ehemaliger Zöglinge der Allianceschulen hat es für seine Pflicht gehalten, an dieser Erneuerungsarbeit für sein bescheiden Teil mitzutun. Für das grosse Werk der nationalen Erneuerung sind Tausende von Händen, sind Anstrengungen ohne Zahl nötig. Wer sich der Pflicht der Mitarbeit an diesem Werk entziehen wollte unter dem Vorwand, dass ssein Anteil doch nur sehr klein sein könnte, der beginge ein Verbrechen. Der Verein hat sein kleines Steinchen zu dem grossartigen Gebäude beitragen wollen, ohne sich entmutigen zu lassen durch die Bedeutungslosigkeit seines Steinchens gegenüber dem unermesslichen Gebäude. Der Verein hat eine sehr bescheidene Ausstellung der ihm nächststehenden Handwerker und Fabrikanten organisiert. Aus der Alliance Israelite Universelle hervorgegangen, hat der Verein sich namentlich an die Handwerker, Männer und Frauen, gewendet, die von der Alliance in ihrer seit dreissig Jahren bestehenden Lehrlingsschule herangebildet worden sind. Es hat grosser Anstrengungen bedurft, um zu dem Ergebnis zu gelangen, das zu beobachten Sie jetzt hierhergekommen sind. Es ist nur ein Anfang. Beurteilen Sie die Mängel mit Güte. Sechs Monate hindurch hat die Organisations-Kommission alle Fabriken besucht, den nachlassenden Eifer angespornt, gegen die stumpfe Routine gekämpft, den Mangel an Einsicht hier, Unkenntnis und Gleichgültigkeit dort zu besiegen versucht. Vier Vorträge wurden den Arbeitern gehalten. Man überschwemmte die Werkstätten mit den verschiedensten Prospekten und sparte nicht mit belehrenden Worten. Man hatte noch nie von einer Ausstellung reden gehört. Wozu sollte sie dienen? Man war misstrauisch, man zog sich zurück, man erfand Vorwände, man ersann Hindernisse. Gleichwohl ist es gelungen, 250 Teilnehmer zu gewinnen, von denen 150 bis zuletzt ausgehalten haben. Der Apostel dieser Propaganda war unser junger Kamerad David Botton; er ist die wahre Arbeitsbiene des Unternehmens gewesen. Noch viele andere haben mit lobenswertester Hingebung mitgearbeitet. Wenn viele Handwerker, auf die wir rechnen zu dürfengeglaubt haben, einen recht bedauerlichen Mangel an Verständnis gezeigt haben, so hat es uns doch auch an wohlwollenden Ermutigungen nicht gefehlt. Unser verehrter Präsident, Herr Jakob Modiano, hat uns wie immer wirksamste Unterstützung geliehen, hat u. a. der Jury drei Preise zur Verfügung gestellt. Weitere Preise sind uns von Privaten» und von Gesellschaften zur Verfügung gestellt worden. Was einige junge Leute guten Willens hier fertiggebracht haben, stellt nur einen Versuch dar. Es ist zu wünschen^ dass andere eine Provinzialausstellung unternehmen,, in der alle Produzenten ohne Unterschied ihre Arbeiten zeigen werden. Dann wird jeder einsehen, dass er von seinem Nachbar abhängt, dass seine Interessen mit den ihrigen unlöslich

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