Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 11 (November 1909)
- Article
- Beim Weltschachmeister Lasker
- Date
- 1909-11-01
- Page
- Seite 693 - 694 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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693 Max Schacher!: Beim Weltschachmeister Lasker. 694 Lasker erklärt hierauf: „Bei der Natur des Schachspieles, wo ein Wille dem anderen entgegenstrebt, auf Grund festgelegter Regeln, liegt es nahe, dass man von allen Zufälligkeiten absieht und sich mit den Problemen des Spiels beschäftigt. Die Strategie, die schachlichen Ideen, wie sie sich in den letzten tausend Jahren herausgebildet haben, werden immer ihre Geltung behalten. Diese Probleme haben mich immer angezogen, haben meine Liebe zum Spiel erhöht. . . /' Wir sprechen noch von den psychologischen Einwirkun en, und Lasker überrascht mit der Erklärung: „Das psychologische Moment spielt eine minderwertige Rolle. Nur der wird ein feiner Psychologe, der immer gegen Uebermacht anzukämpfen hat. Der Lebenskampf lehrts und am Schachbrett bestätigt sichs. [Hier gibt es keine bestimmte Prädestination . . Das Thema scheint unerschöpflich und Laskers Dialektik ist bestrickend. Und er muss mir noch sagen, ob das Schachspiel — im höheren Sinne, das Spiel in seinen Feinheiten — sich erlernen lasse? „Es ist durchaus möglich, das Schach durch eine sachgemässe Methode zu erlernen-—und man kann es zu einem hohen Grade bringen. Festgestellt darf werden, dass eine höchste Vervollkommnung — und um diese fragen Sie mich — Sache der besonderen Begabung ist, die, allein vorhanden, allerdings nicht alles bedeutet. Das SpielunsererZeitist strategischen Ideen ungemein günstig, die Gegenwart ist eine Zeit der Strategie, und das Interesse für den Kampf in allen seinen Formen ist heute lebendig . . Merk- Dn Emanuel Lasker, der weissen und gelben Rasse das Schachspiel erlernen können. Ein Neger könne es nicht. Zum Schluss riskiere ich eine Frage, die zu stellen mir mehr als interessant schien. Emanuel Lasker ist Berufsspieler. Da ergibt sich der Gedanke, dass die edle Kunst zum Handwerk werden und das Gefühl der Liebe dem Pflichtgefühl weichen können. „Nein .. wehrt Lasker lächelnd ab — „ich habe recht sparsam gespielt und habe eine Oekonomie des Spiels. So erlebeich immer wieder aufs neue die Freude am Spielproblem, an der Wissenschaft der Spielkunst. Das Bewusstsein, Berufsspieler zu sein, hat daran nichts geändert.. Nur in grossen Zügen konnte ich hier den Inhalt zweien genussreicher Stunden aufzeichnen, die ich bei Emanuel Lasker verbrachte. Die liebenswürdige Freundlichkeit des Meisters, sein ungezwungenes Naturell lösen die Fesseln des Konventionellen; man fühlt sich bei ihm bald zu Haus. Unsere Unterredung hatte einen Zeugen in Dr. Berthold Lasker, dem Bruder des Meisters, übrigens auch ein ausgezeichneter Schachkünstler, dessen er immer, wenn er von seinem Leben, seinen Kämpfen spricht, in Liebe gedenkt. Emanuel Lasker beendet soeben sein neues Buch: „Der internationale Schachkongress zu St. Petersburg 1909", das in den nächsten Tagen die Druckerpresse verlässt und den Freunden der Schachkunst gewiss viel Anregung und Genuss gewähren wird. Laienverstand vermag vielleicht nicht die Eigenheiten Laskerschen Spieles zu definieren; mögen Berufenere es tun. Aber man muss gerade keine vorgebildete Kenntnis besitzen, um zu erkennen, dass dieser sympathische Mann eine vornehme, würdig ist Laskers bestimmte Ansicht, dass nur Glieder geistige Persönlichkeit bedeutet. SCHACH. Von Dr. Emanuel Lasker. Nachdruckverboten. Es gereicht mir zur Genugtuung, mich heute zum ersten Mal einem Publikum von mir Stammesverwandten als Schachredakteur von „Ost und West" vorzustellen. Diese Stellung ist eine bevorzugte, denn das Schachspiel hat hohen Anspruch darauf, das Nationalspiel der Juden genannt zu werden. Wie die Juden selbst ist auch das königliche Spiel unter allen Völkern der Erde verbreitet und ist daher überall den Juden zugänglich geworden. Schon alte jüdische Schriften erwähnen das Schach, und immer mit Hochschätzung. In neuerer Zeit haben die Juden viele ausgezeichnete Meister hervorgebracht: Steinitz, Zuckertort, Kolisch, Dr. Tarrasch, Rubinstein, um nur einige zu nennen. Die Menge der jüdischen Spieler zeigt eine ziemlich hohe Durchschnittsstärke. Sie haben den ihnen eigentümlichen Witz und ihren feinen Sinn für Unterscheidung mit glücklichem Erfolg in Theorie und Praxis bewährt. Sie haben unter einander erzieherisch gewirkt, so dass das schachspielende Publikum unter den Juden für schachliche Dinge guten Geschmack erworben hat. Zu einem solchen Publikum reden zu dürfen ist Ehre und Genuss zugleich. Es kommt noch etwas hinzu, was mir die Gelegenheit, von dem Podium dieser Schachspalte