Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 11 (November 1909)
- Article
- Friedhofshallen
- Date
- 1909-11-01
- Page
- Seite 689 - 690 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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6S9 Dr. Simon Bernfeld: Friedhofshallen. 690 Jüdischer Friedhof in München. Aussegnungshalle. räum befindet sich auch die Trauerkanzel für den Rabbiner. Man mag sich vom freisinnigen Standpunkt zu dem biblischen Verbot stellen, wie man will; in grossen Gemeinden, wo alle Richtungen vertreten sind und sich friedlich vertragen, dürfte sich diese Einrichtung recht gut empfehlen. Es ist nicht gut, sich in seinem religiösen Gewissen durch andere Zwang auflegen lassen zu müssen; aber man soll auch das religiöse Gewissen anderer schonen. Es dürfte allgemein bekannt sein, dass viele Juden, die sonst in religiösen Dingen recht freisinnig sind, in allem, was die Bestattung ihrer heimgegangenen Lieben betrifft. den alten Bräuchen anhänglich bleiben. AufTdiesem Gebiet empfiehlt sich am meisten Rücksichtnahme auf die Gefühle anderer, zumal dem Liberalismus dadurch kein Abbruch geschieht. Das biblische Gebot: „Du sollst nicht Gott lästern", hat Philo dahin gedeutet, man soll auch den Gott, an den man selbst nicht glaubt, an den aber andere glauben, in Gegenwart dieser anderen nicht herabsetzen. Relig:öse Toleranz, die gegenseitig geübt wird, ist die höchste Ethik. Wir Juden sollen zu ihr streben, und haben wir sie erreicht, so ist dies die erhabenste Errungenschaft des Judentums.