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Ost und West · 1909-11-01 · Heft 11 (November 1909) · p. Seite 683 - 684

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 11 (November 1909)
Article
Friedhofshallen
Date
1909-11-01
Page
Seite 683 - 684 (sequence 2)
Language
German
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Dr. Simon Bernfeld: Friedhofshallen. 684 ihnen erwiesene Teilnahme gestärkt _ und getröstet werden. Der jüdische Geschichtsschreiber Josephus gedenkt in seiner Polemik gegen die klassischen Judenfeinde (contra Apionem II, 26) rühmend dieser Tugend der Juden, wie sie für die Verstorbenen sorgen. „Die den Verstorbenen zu erweisenden letzten Ehren erblickt das (jüdische) Gesetz weder in prunkvoller Bestattung noch darin, dass man ihnen glänzende Denkmäler setzt, sondern es sollen nur die nächsten Angehörigen ein einfaches Leichenbegräbnis halten. Eine weitere gesetzliche Bestimmung lautet dahin, dass alle, die einem Leichenzug begegnen, ihn begleiten und an der Trauer teilnehmen müssen." Die Einfachheit der jüdischen Bestattungsweise wird auch in der Mischna erwähnt: es wrurde verordnet,! dass bei den Leichenbegängnissen kein Luxus getrieben werde, um den ärmeren Volksgenossen die ihren Toten zu erweisende Liebe nicht zu erschweren und den Gegensatz zwischen reich und arm wenigstens in solchen Fällen nicht allzu sehr fühlbar zu machen. Im Lauf der Zeit bildete sich bei den Juden der Brauch aus, die Leichenbestattung als eine der ganzen Gemeinde obliegende Pflicht zu betrachten. Wo sich Juden irgendwo dauernd niederliessen, war stets ihre erste Jüdischer Friedhof in München. Brunnen. Sorge, einen würdigen und ruhigen Begräbnisplatz zu erwerben und eine Genossenschaft zur Bestattung der Leichen zu organisieren. In früheren Zeiten war es bei Juden nicht üblich, die Bestattung der Toten für Entgeld zu besorgen, vielmehr erwiesen fromme Männer und Frauen diesen Liebesdienst ihren verstorbenen Glaubensgenossen als „uneigennützige Wohltat". Die Agada bemerkt nämlich sehr sinnreich, dass nur die Wohltat, die man einem Verstorbenen erweist, wirklich uneigennützig sei; man rechne bei ihr nicht einmal auf die dankbare Gesinnung desjenigen, dem man die Wohltat erweist. Salomon Maimon, der trotz manchen Charakterfehlers ein wahrheitsliebender Mann geblieben ist, kann auch nicht umhin, die Einrichtung warm zu rühmen, wie die Juden ihre Toten bestatten. In seiner Selbstbiographie (1. Teil S. 178) hebt er lobend hervor: „Ihre Mildtätigkeit und Fürsorge für ihre Armen, ihre Anstalten zur Pflege der Kranken, ihre besonderen Gesellschaften zur Bestattung der Toten sind bekannt genug. Nicht etwa für Geld gemietete Krankenwärter und Totengräber, sondern die Aeltesten der Nation beeifern sich, diese Handlungen auszuüben." Es hat sich dieser Brauch in den jüdischen Gemeinden bis auf den heutigen Tag erhalten. Selbst in den grossen Städten, wo aller-

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