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Ost und West · 1909-11-01 · Heft 11 (November 1909) · p. Seite 673 - 674

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 11 (November 1909)
Article
Jacob Plessner
Date
1909-11-01
Page
Seite 673 - 674 (sequence 3)
Language
German
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673 Karl Schwarz: Jacob Plessner. 674 Schriften des Gelehrten das Material, aus dem er sein neues Werk schuf, so hatte er hier, wie auch in der Büste des Herrn Louis Sachs das lebende Modell vor sich, aus dessen Bewegungen und Mienen er den geeigneten Ausdruck erlauschen, musste. Und wie unmittelbar lebendig sind diese beiden Männer aufgefasst! Auch in dem Porträt der Frau Minister v. Studt mit den hoheitsvollen Zügen, der aristokratischen Haltung und dem feinen Schnitt von Mund, Nase und Ohren weiss der Künstler dem schwierigen Problem der weiblichen Kopfnachbildung gerecht zu werden. — Genrebilder und Karikaturen bilden meist eine Klippe für den Porträtisten, denn bei der Betonung des einen oder anderen Punktes kommen oft die übrigen Teile zu kurz, werden unterschlagen, und so entsteht denn ein Zerrbild. Diese Klippe hat Plessner kühn umsegelt; sein „Waidmann" ist ein Jäger vom Scheitel bis zur Sohle, jeder Nerv ist gespannt. Das Auge scheint dem suchenden Hunde zu folgen und lauert, ob sich in dem nahen Gebüsch etwas regt — es bedarf nur eines Ruckes und die Flinte ist angelegt. Wie fein ist die Haltung des „Cellospie- J. PLESSNER. BERLIN". Porträt^Büste des Herrn Oscar Tietz. J. PLESSNER. BERLIN. Porträt-Statuette des Schauspielers Fritz Richard. lers" getroffen, der Kopf ein wenig zur Seite geneigt, die Linke die Saiten greifend, während der rechte Arm mit dem Bogen weit ausholt — wir lau - sehen;mit dem andächtigen Spieler dem leisen Akkord, den er soeben erklingen lässt. Auch die Darstellung Fritz Richards als alter Bauer entbehrt nicht der drastischen Komik in allen Teilen, die schlotternde Bewegung pflanzt sich von der Zipfelmützebis in die Beine fort. Der sprühende Humor Plessners, den er stets bei der tiefernsten Arbeit bewahrt und dem er in oft launiger Weise in seiner Kunst Ausdruck verleiht, hat ihn auch zur Tierwelt geführt, auf die er seine psychologischen Studien überträgt. Leider ist es hier nicht möglich, eine grössere Wahl aus dem reichen Schaffenswerk des Künstlers zu geben; noch manche Porträtbüste, eine ganze Reihe von Statuetten und Reliefs füllen sein Atelier und wären der Beachtung ebenso wert wie die vorgeführten Stücke. Möchte den hervorragenden Werken Plessners nun auch die schon längst verdiente Beachtung des Publikums zuteil werden, besonders des jüdischen, das es als einen Stolz ansehen sollte, unter den Bildhauern unseres Stammes einen so bedeutenden Künstler zu besitzen. Vor allem wäre es mit Freuden zu begrüssen, wenn der Moses Mendelssohn bald eine würdige Stätte — sei es nun hier bei uns oder über dem grossen Wasser — finden würde.

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