Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 11 (November 1909)
- Article
- Jacob Plessner
- Date
- 1909-11-01
- Page
- Seite 671 - 672 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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671 Karl Schwarz: Jacob Plessner. 672 J. PLESSNER. Porträt -Büste des Herrn Louis Sachs. Werk jede^ Ader und jede Bewegung laut spricht, in dessen Kurven und Runzeln Licht und Schatten ihr freudiges Spiel treiben. Von den dicht wogenden Haaren über die hohe Stirn mit der charaktervollen Ader über die tiefen Augenhöhlen hinweg gleitet der Blick über die runzeligen Wangen, das scharfe Kinn bis hinab in die beredte Hand. Das formale Gleichgewicht ist in allen Teilen gewahrt; wie eine plötzliche Erscheinung taucht er da vor uns auf, im Begriffe uns anzureden. Die kleine, unansehnliche Gestalt wächst zu monumentaler Grösse, und bis in die Spitze des vorgestreckten Zeigefingers spricht geistvolles Leben, das zu uns überspringt und den Betrachter in seinen Bann zwingt. Das Gewand in seiner plastischen Einfachheit gibt die Richtungsdominante für das Auge des Beschauers und tritt neben der Grösse der organischen Teile bescheiden zurück. - - Bereits in Italien begann Plessner, wie wir an der weiblichen Figur sehen, die dekorative Tendenz zu mildern; auch seine Bettelweiber von Perugia" (Abb. S.425 dieses Jahrg.), von denen 1907 auf der Dresdener Ausstellung Königin Wilhelmine von Holland ein Exemplar erwarb, enthalten den Keim seiner neuen Bestrebungen, und die nun folgenden Werke — Porträts wie Genredarstellungen — drücken immer deutlicher das Erstarken des richtigen plastischen Gefühles BERLIN. aus, bis endlich im Moses Mendelssohn das letzte Wort gesprochen ist. Leicht war er nicht, dieser Weg; die steile Höhe musste mühsam erklommen werden — das beweisen die vielen Studien und Skizzen —, aber unentwegt strebte Plessner seinem Ziele zu. Der Beruf des Künstlers ist schwer und verantwortungsvoll, jahrelanges stilles Arbeiten ist erforderlich, ehe er mit seinem Können vor die Öffentlichkeit treten kann, bis die Willenskraft sich das Material Untertan macht und ihm individuelles Gepräge verleiht. Kämpfe und Entbehrungen — fast alle unsere Künstler sind aus sehr kleinen Verhältnissen hervorgegangen, und Plessner bildet hierin keine Ausnahme — "erschweren diese Zeit. Um so mehr ist es zu wünschen, dass, nachdem sich der Künstler soweit durchgerungen, ohne der Versuchung, allzu früh an die Oeffentlichkeit zu drängen, anheimgefallen zu sein, ihm die verdiente Anerkennung zuteil werde — Vor wenigen Tagen erst verliess ein neues Werk das Atelier des Künstlers: die Porträtbüste des Herrn Oscar Tietz, in deren lebensvollen, getreuen Zügen die physiognomische Begabung Plessners deutlich zu Tage tritt. Waren beim Mendelssohn-Denkmal bekannte Bildnisse und die J. PLESSNER. Porträt-Statuette» BERLIN.