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Ost und West · 1909-11-01 · Heft 11 (November 1909) · p. Seite 655 - 656

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Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 11 (November 1909)
Article
Benedictus Spinoza
Date
1909-11-01
Page
Seite 655 - 656 (sequence 2)
Language
German
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655 Ernst Altkirch: Benedictas Spinoza. 656 gefaßt und dargestellt, und die geistige Physiognomie Spinozas kommt wahr und glücklich zur Anschauung. Wir wissen nicht, wer das Bild gemalt hat. Auf der Rückseite befindet sich in alter Schreibschrift der Vermerk: „Nicolaus Benedictus de Spinosa". Es stellt den Philosophen um das Jahr 1665 im 33. Lebensjahre dar. Die Wolfenbüttler Bibliothek besitzt zu diesem Ölgemälde ein Pendant, ganz ebenso groß, im selben Rahmen und in der gleichen malerischen Ausführung, so dass angenommen werden kann, dass das Gegenstück, den englischen Philosophen Thomas Hobbes darstellend, von dem nämlichen Maler ausgeführt ist. Hobbes, der die verschiedensten Beziehungen zu Amsterdam hatte, ist dort offenbar für die Bibliothek eines gelehrten Freundes gemalt worden. Der erste Besitzer der Bilder dürfte der Amsterdamer Ajzt Lodewijk Meijer, der Mitherausgeber der Opera posthuma, gewesen sein, der zwei Jahre älter als Spinoza war. Als ursprünglicher Besitzer wurde bisher Peter Francius genannt, der beide Porträts, was nicht unwahrscheinlich ist, aus dem Nachlass des ihm befreundeten Meijers, der 1681 starb, und an dessen Seite er eine Zeitlang Theaterleiter war, erworben haben kann. Von ihm soll sie Herzog Anton Ulrich Spinoza 1671. Nach dem Oelgemälde von Hendrik van. der Spyck, im Besitz der Königin von Holland. von Braunschweig- Wolfeubüttel (1685—1714), ein prachtliebender Fürst und ein Gönner der Wissenschaften und Künste, gekauft haben. Die Bibliothek zu Wolfenbüttel, die von Herzog August dem Jüngeren (1635—1666) gegründet worden war, wurde von ihm beträchtlich vermehrt. Ob Peter Francius, 1645 zu Amsterdam geboren, 1704 daselbst gestorben, der von seinen Zeitgenossen als Redner, Gelehrter und Dichter geschätzt wurde, tatsächlich Besitzer der Bilder war, ist urkundlich nicht nachzuweisen. Zu seiner Hinterlassenschaft haben beide Bildnisse, wie öfter behauptet worden ist, nicht gehört, denn ein Bücherkatalog mit einer Aufzählung der Gemälde, die bei seinem Tode vorhanden waren, befindet sich in der Königlichen Bibliothek im^Haag. In ihm wird weder das Porträt Spinozas, noch : das von Hobbes genannt. Nicht unerwähnt mag bleiben, dass Anton Ulrich dem Philosophen Leibniz sehr gewogen war. Er wurde 1691 sogar zum Vorstand der Wolfenbüttler Bibliothek ernannt, und es ist nicht ganz von'; der Hand zu weisen, dass von Leibniz der Ankauf^der beiden Bildnisse angeregt worden ist. Nach dem Wolfenbüttler Porträt sind verschiedentlich Oelkopien hergestellt worden. Am bekanntesten ist die freie Kopie, die sich heute im Besitz des Stadtmuseums im Haag befindet, und die bis zum Jahre 1846 das Studierzimmer des ^Professors Paulus schmückte, der nach ihr einen Kupferstich von H. Lips im zweiten Band der von ihm herausgegebenen „Benedicti de Spinoza opera" veröffentlichte. Von Paulus erwarb das Porträt der bekannte Spinozaforscher J. van Vloten, der es im Jahr-1877 dem Haager Stadtmuseum schenkte. Zwei weitere Kopien, die gleich der ersten in Holland ^gemalt 'sein dürften, befanden sich im Besitz des Grafen Philipp Karl von Alvensleben, der eine Zeitlang Gesandter im Haag war, und des Utrechter Professors Cornelis Willem Opzoomer, der 1892 gestorben ist. Neben dem Wolfenbüttler Bildnis wirkt das von Hendrik van der Spyck durch seine grosse Intimität. Es ist mit viel Liebe gemalt und nicht ohne Feinheit und Tiefe, und es besitzt auch dadurch besonderen Reiz, dass der Philosoph im Hauskleid aus Serge dargestellt ist, so wie ihn sein Wirt gewöhnlich sah. Das Porträt veranschaulicht uns zudem Spinoza aus der Zeit, während der er die Hauptarbeit an der Ethik getan hat. Das nur 102 mm hohe auf eine ovale Kupferplatte gemalte Oelgemälde ist um das Jahr 1671 entstanden, in dem Spinoza 39 Jahre alt war. Man schreibt es seit langer Zeit dem Maler Hendrik van der Spyck zu, bei dem Spinoza auf der Paviljoensgracht 32 im Haag vom Jahre 1671 bis zu seinem Tod 1677 wohnte. Die einzige Mitteilung darüber, dass van der Spyck den Philosophen porträtiert hat, besitzen wir von Sebastian Kortholt, der während seines Aufenthalts im Haag Nachrichten über Spinoza gesammelt hat, die er 1700 in einer Vorrede zu der zweiten Auflage von seines Vaters Buch ,,De tribus impostoribus magnis" veröffentlichte. Aufbewahrt wird -1 das Medaillon-

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