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Ost und West · 1909-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1909) · p. Seite 579 - 580

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Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1909)
Article
Die Israeliten von Suleymanie
Date
1909-08-01
Page
Seite 579 - 580 (sequence 3)
Language
German
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579 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Die Israeliten in Suleymanie. 580 Als jüngst auf dem Lande ein kurdischer Bey eine Domäne verkaufte, verkaufte er gleichzeitig die darin wohnenden Juden mit. — Solches Joch lastete auf unseren Glaubensgenossen bis zum Sturz der hamidischen Tyrannei: die Einführung der Konstitution hat die Lage etwas verbessert. Seit der Absetzung des Sultans haben die Scheiks von Suleymanie ihre Misswirtschaft etwas eingeschränkt. Jüngst hatte der Wali von Mossul alle vier ergreifen und unter Bewachung vor sich führen lassen. Aber unglücklicher- Herr Elmaleh der Leiter der Alliance-Knabenschule in Fez, hat an das Central-Comite nachstehende Briefe gerichtet: Fez, den 5. Juli 1909. Ich habe die Ehre, nachstehende Vorkommnisse zu Ihrer Kenntnis zu bringen: Im Lauf dieser Woche kam eine Anzahl armer israelitischer Arbeiter aus dem Mellah zu mir mit der Meldung, dass sie seit der Ankunft Mulay Hafids in Fez fast täglich zu Arbeiten in den Pulverdepots des Sultans und in den Ställen des Dar el Maghsen herangezogen würden, ohne jemals Lohn dafür zu erhalten. Das ist die Rückkehr zum alten Frohndienst. Die Arbeit für den Sultan besteht darin, die Pulverkästen zur Waffenfabrik zu transportieren und dort zu öffaen, das Pulver abzuwiegen, sachgemäss zu behandeln, zu trocknen usw. Unter Abdul Asis gab es für jeden transportierten Kasten 0,75 Fr., so dass sich der Tagesverdienst für den Mann auf 2 Fr. stellte. In den Ställen des Dar el Maghsen besteht die Arbeit in der Reinhaltung der Räume, in der Ueberführung der Tierkadaver weit hinaus aufs freie Feld, ausserdem im Vergraben der Leichen der Tiere, die dem Sultan gehört haben oder von ihm bestiegen worden sind. Die israelitischen Arbeiter müssen den mühseligen Dienst tun, ohne dass sie dafür auch nur ein Stück Brot für sich und die Ihrigen erhalten, sodass sie auf Unterstützungen angewiesen sind. Eiüige versteckten sich, um der Frohnde zu entgehen; aber die auf ihre Spuren ausgesandten Soldaten fanden sie bald und trieben sie mit Stockschlägen zur Arbeit zurück. Andere verlangten Lohn, wurden aber durch Drohung mit der Bastonnade zum Schweigen gebracht. Sofort nachdem ich von diesen Ungerechtigkeiten gehört hatte, begab ich mich zum Grossvesier Si Madani el Glaui. Er empfing mich auf das liebenswürdigste, Hess mich vor allen marokkanischen Vornehmen, Paschas, Kaids eintreten, die nun auf mich warten mussten. Ich legte ihm dar, wie ungerecht es sei, die Israeliten so zu behandeln. Ich erinnerte ihn an den durch Sir Moses Montefiore erlangten Firman, der ausdrücklich Frohndienst und Bastonnade abgeschafft; ich setzte ihm auseinander, dass man von seiten der europäischen Juden nicht dulden werde, dass weise Hess er sich von ihnen bestechen. Einer der Scheiks wurde vom Volke getötet, die drei anderen konnten nach Suleymanie zurückkehren. Ob die Lektion bei ihnen gefruchtet hat? Der Wali von Mossul ist abberufen worden. Das Armeekorps von Bagdad bereitet eine ernste Expedition gegen die Hamawands vor. Unsere Glaubensgenossen von Suleymanie werden den glücklichen Tag als einen Tag der Befreiung feiern, der der ganzen Macht der Scheiks ein Ende bereitet. N. A 1 b a 1 a. Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. man ihre marokkanischen Glaubensgenossen den alten Bedrückungen unterwerfe, dass übrigens die Haltung der gegenwärtigen Regierung den Israeliten gegenüber in Europa den schlimmsten Eindruck mache, und dass es in seinem Interesse sei, jenen Arbeitern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Da seine wohlwollende Gesinnung für die Israeliten, von der er oft Beweise gegeben, mir bekannt sei, so hielte ich mich überzeugt, dass. mein Verlangen sofort von Wirkung sein werde. Da es Abend war und im Augenblick nichts geschehen konnte, ersuchte mich der Grosswesir, ihm anderen Tages die Arbeiter zu schicken, die Ansprüche an Dar el Maghsen hatten. Das tat ich und erfuhr, dass er nicht bloss die nötigen Befehle gegeben hat, dass den Arbeitern voll bezahlt werde, was ihnen zukommt, sondern überdies an den Pascha von Fez, El Dschadid, den Urheber der Missetaten, entschiedene Vorstellungen gerichtet und ihn mit Ungnade bedroht habe, wenn er wieder die Israeliten übel behandle. Si Madani el Glaui hat mich aus eigenem Antrieb eingeladen, mich immer an ihn zu wenden, wenn die Israeliten über Versagung ihres Rechts oder über Ungerechtigkeiten von Seiten ihrer Paschas sich zu beklagen hätten. Er gab mir die Versicherung, dass er für uns die freundlichste Gesinnung hege, dass er die Dienste anerkenne, die die Israeliten dem Lande leisten, und dass, wenn er erst an der Gewalt sein werde, wir uns niemals über Bedrückung seitens des Maghsen zu beklagen haben würden. — Nachdem wir einige Minuten über die Alliance und ihre Schulen gesprochen, verabschiedete ich mich von ihm, nicht ohne dass er mich zu häufiger Wiederholung meines Besuchs eingeladen hätte. Den französischen Konsul Herrn Gaillard habe ich von den Vorkommnissen in Kenntnis gesetzt. Herr Gaillard hat mit dem Grosswesir gesprochen, um meine Vorstellung zu unterstützen, und hat mir versprochen, meine Klage vor den Sultan zu bringen. Elmaleh. * * .* Fez, den 22. Juli 1909. Die israelitische Gemeinde von Uezzan (Marokko) hat kürzlich an den Grossrabbiner von Fez, Vidal Hasserfaty, einen Brief gerichtet, um AUS MAROKKO.

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