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Ost und West · 1909-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1909) · p. Seite 567 - 568

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Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1909)
Article
Der Bericht der Jewish Colonisation Association für 1908
Date
1909-08-01
Page
Seite 567 - 568 (sequence 1)
Language
German
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567 568 JVWVV" """tlfUffi " MITTEILUNGEN ,//; aus dem Deutschen Bureau der no m otis BERUM.N 2^. Alliance Jsraelire Univeiselle ^k-iet 0ranienüurgersrr.4?43_ DER BERICHT DER JEWISH COLONISATION ASSOCIATION FUER 1908. Die Jewish Colonisation Association hat nach der Generalversammlung, die am 11. Juli d. J. stattgefunden, den Bericht für das Jahr 1908 in der üblichen Weise in einem stattlichen Bande erscheinen lassen. Der Bericht wurde in der Generalversammlung von dem hochverehrten Präsidenten Herrn Leven, der zugleich Präsident des Central-Comites der Alliance ist, mit einer Ansprache überreicht, die wir ihres allgemeinen Interesses wegen hier folgen lassen, Zu Beginn der Generalversammlung habe ich auch dieses Jahr die trauervolle Aufgabe, von den schmerzlichen Verlusten zu sprechen, die wir im Lauf der letzten Monate erlitten haben. Baron Horace Günzburg ist uns nach langer Krankheit entrissen worden, in deren Verlauf er nicht aufgehört hatte, das Central-Comite in Petersburg zu leiten. Sein ganzes Leben hat der russischen Judenheit gehört, deren verehrtes Oberhaupt er nach dem Tod seines Vaters gewesen. Viel Uebles hat er verhindert, viel Gutes hat er mit einer unablässigen Rührigkeit getan, die nie zu entmutigen war, welche Heimsuchungen immer unseren Glaubensgenossen auferlegt wurden. Die Verfolgung hat er nicht hindern können, aber zahlreiche Opfer hat er ihr entrissen. Sein Ableben hat die Judenheit in Trauer versetzt, an der ganz Russland teilnimmt. Einige Tage später verloren wir einen unserer ältesten Mitarbeiter, Herrn Lachmann. Auch er ist ein hingebungsvoller Diener der Judenheit gewesen. Sie wissen, welchen Eifer er unserem Werke widmete. Er hat unseren Beratungen die unschätzbare Hilfe seines festen und schnellen Auffassungsvermögens, seines klaren Geistes und seines immer sicheren Urteils geliehen. Sein Heimatland wird ebenso wie wir den Verlust eines Mannes von solchem Wert beklagen. Der Trauerliste habe ich noch den Namen des Herrn J. Dreyfus einzufügen. Schon unmittelbar nach seinem Eintritt in unsere Mitte versprach er, eines der tätigsten Mitglieder unseres Rats zu werden. Er hatte schöne Eigenschaften des Geistes und des Herzens, die uns zum Vorteil gereichen sollten. Er ging vor der Zeit dahin, und Hess uns nur das schmerzliche Gefühl von der Vergänglichkeit unseres Lebens. Arbeit allein ist es, die das Leben erst ausmacht, besonders die Arbeit, die den Werken der Wohlfahrt anderer gewidmet ist. Unser Werk ist gross; wir sehen mit lebhafter Genugtuung, was in dem abgelaufenen Jahr geschaffen worden ist. Gestatten Sie, meine Herren, Ihnen davon einen Abriss zu liefern. Die Kolonisation ist nach wie vor unser Hauptwerk. In Argentinien nimmt sie stetig von Jahr zu Jahr zu. Die Gesamtbevölkerung unserer Kolonien dort umfasste am jüngsten 31. Dezember 2875 Familien mit 15 771 Seelen, das ist 500 Familien mit 2500 Seelen mehr als Ende 1907. Alle diese Israeliten sind in der Landwirtschaft tätig. Sie haben während des vergangenen Jahres Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. 84 507 Hektar unter Kultur genommen. Die befriedigenden Ergebnisse ihrer Arbeit haben ihnen nicht allein den Lebensunterhalt geliefert, sondern ihnen überdies gestattet, 879 204 Francs auf die Summe abzuzahlen, die ihnen bei ihrer ersten Niederlassung für Grund und Boden und für Einrichtungszwecke geliehen worden war. Es mag hinzugefügt werden, was vielleicht von Interesse ist, dass die Kolonisten ohne Schwierigkeit noch andere Lasten tragen: Steuern,, Schulabgaben usw. Auch alle Kosten des Gesundheitsdienstes werden von ihnen bestritten. Unsere Gesellschaft organisiert, verwaltet und stattet aus den Volksschulunterricht. Sie unterhält 37 Schulen mit 10.9 Lehrern und 2529 Zöglingen. Alle übrigen Verwaltungsangelegenheiten werden von den Kolonisten selbst versehen. Sie haben sich mit Geschicklichkeit eingerichtet. Das Kooperativsystem findet auf die notwendigen Einkäufe Anwendung und auch auf den Verkauf der Produkte. Sie machen von der Freiheit,, die sie vor ihrem Aufenthalt in Argentinien nicht kannten^ den glücklichsten Gebrauch. Sie bilden den Gegenstand des Neides bei den Israeliten Russlands. Die Zahl derer, die nach Argentinien kommen, wächst von Jahr zu Jahr. Sie erreichte im vergangenen Jahre 5362. Die Ankömmlinge verbreiten sich über das Land und suchen Arbeit, die sie mühelos finden. Viele von ihnen werden in unseren Kolonien beschäftigt und lassen sich dort nieder. Sie nehmen auch die schwerste Arbeit mit Freude auf sich, den Tag erwartend,, an dem sie Kolonisten werden, nachdem sie sich als gute Arbeiter bewährt und die nötige landwirtschaftliche Kenntnis erworben haben. Ueber 400 neue Familien sind im vergangenen Jahr in unseren Kolonien aufgenommen worden* Unsere Arbeiterbevölkerung zählt gegenwärtig 4279 Seelen. Dank dieser Art Rekrutierung gedeihen unsere Kolonien und tragen zur Blüte des Landes bei. Ausserhalb unserer Kolonien haben eine Anzahl Familien sich auf Ländereien niedergelassen, die sie gepachtet und mit Nutzen angebaut haben. Da sie selbständige Besitzer werden wollten, haben sie uns gebeten, sie auf der Domäne Leloir anzusiedeln, und wir haben darein gewilligt. Sie bringen ihr Vieh mit, ihre Gerätschaften, alles, was für den Ackerbau nötig ist, namentlich, ihre Erfahrungen. Irgendwelche Vorschüsse brauchen wir ihnen nicht zu machen. Meine Herren, Sie kennen den Kolonisationsversuch,, den wir in Brasilien gemacht haben. Er ist geglückt. Die Kolonisten von Philippson erhalten keine^ Unterstützung mehr und leben gleich den argentinischen von ihrer Arbeit. Die Zahl der Einwohner mehrt sich, die Kolonie zählt 47 landwirtschaftliche Anlagen, 67 Haushaltungen und insgesamt 327 Seelen. Die Kolonisten haben im vergangenen Jahr über 400 Hektar unter; Kultur genommen. Ende des Jahres besassen sie bereits 1044 Haupt Vieh. Den Unterricht der Kinder lassen wir, wie in Argentinien,' unsere Sorge sein. Die Schule in Philippson hat 69 Zöglinge, Knaben und Mädchen. Der Augenblick ist gekommen, die Kolonialanlagen in dieser Gegend auszudehnen. Das Klima ist'gut, das Land fruchtbar, die Regierung bereitet den Einwandernden den besten Empfang. Da fast alle Teile unseres Dominiums-

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