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Ost und West · 1909-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1909) · p. Seite 557 - 558

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1909)
Article
Thamar
Date
1909-08-01
Page
Seite 557 - 558 (sequence 12)
Language
German
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557 Clara Steinitz: Thamar. 558 Amnon. Hast du den Mut, mit Davids Wort zu scherzen, So lade ich dich hin vor seinen Stuhl. Absalon. Und glaubst mir zu entkommen? Meiner Rache Jauchz* ich entgegen! Fühle meine Brust Von Bergesdruck entlastet! Thamar, fort! (Auf ihre beschwörende Grebärde.) Hinweg mit deinen Frauen! Auf — nach Gesur! Die Wagen stehn bereit. Mit den Berittnen Werd' ich dir schleunig folgen. — (Thamar und ihre Frauen fliehen.) Zu einem Fiebertraum hast du mein Leben Gewandelt seit dem Tag, an dem zur Pflege Du meine Schwester dir erbeten hast. Nun winkt mir die Genesung. Wehre dich, Verkauf dein Leben teuer — aber nicht Von meinen Händen fällst du. Auf, ihr Ritter! Herbei und schlaget Amnon! — Mich hast du Zum letztenmal gesehn. (Folgt den Frauen.) (Getümmel. Die Ritter erschlagen Amnon und tragen ihn hinaus. Alle übrigen fliehen. Die Bühne, auf der sich niemand mehr befindet, bleibt eine kurze Zeit leer. Der Mond steigt auf. Dann kommt Joab.) Sechster Auftritt. Joab. Bald darauf J o n a d a b. Joab. Wahrhaftig! Niemand da! Erschlagen sind Die jungen Söhne Davids. Allerbarmer! Warum verbirgst du uns dein Angesicht? Nicht Einer ist entronnen? (Jonadab ist eingetreten.) Jonadab! Warst du denn hier mit Amnon? Beim Gemetzel? Jonadab (an allen Gliedern bebend). Ja ich war hier — und habe dem Gemetzel Mit beigewohnt. Joab. So sprich. Im Augenblick Wird David hier sein. Elücht'ge sagten uns, Dass Absalon die Brüder all5 erschlug. Von dir, der ihn gehasset, werden wir Die Wahrheit hören. Jonadab. Hab' ich ihn gehasst? Wenn man nur wüsste — wenn man vorher wüsste — Den wir am meisten hassen und beneiden, Den würden wir, glaub's, lieben wie uns selbst. Dieselbe Lebensflamme flackert ja In allem, was da lebt. Im Feindesherzen Sind wir, wir selber. Ach, mit Blindheit sind Wir ja geschlagen. Joab. Die Erkenntnis kommt Zu spät dir. Hast du selber doch den Hass Der Brüder stets geschürt. Jonadab. Und wie hat Gott Mich dafür auch gestraft! Als Amnon fiel, Durchzuckten Davids Schmerzen meine Brust. Ich Hebte Amnon und hab* ihn verloren. In Amnon starb mir alles, was ich liebte, Und starb vielleicht durch mich . . . Siebenter Auftritt. Die Vorigen. David mit Gefolge. Alle verstört, mit Trauerrissen in den Gewändern. David. Mit spitzem Demantgriffel eingeritzt Steht Unheil auf der Tafel meines Herzens. Doch alle Söhne, die wie einen Köcher Voll Pfeile mir der Herr geschenkt, dahin? All meine Lebensfackeln ausgelöscht? Wo bleibt da die Verheissung? Nathan. Darf der Topf Von seinem Töpfer Rechenschaft verlangen? Ob Erd6 und Himmel altern und vergehn, Gerecht und ewig bleiben wird der Herr. David. Kennst du den Eid, den er mir zugeschworen? Ich will dir deinen Stuhl baun für und für Und dein Geschlecht soll dauern wie die Sonne. Nathan. Als ein gerechter Richter hat er dich Zuvor gewarnt und dann erst seinen Bogen Bespannet mit todbringendem Geschoss. David. Erhalte bei dem Einzigen mein Herz, Dass ich dich fürchte — dich, nichts Anderes! Dich, den man fürchtend Hebt und liebend fürchtet, Und der uns liebend straft. Dann wall' ich selbst Im Tal der Todesschatten ohne Furcht — Jasabeam. Erhabnen Mutes trägst du deine Leiden Und richtest unsre zagen Herzen auf. Benajahu. Muss denn das Aergste wahr sein? Das Gerücht Mit seinen tausend Zungen übertreibt Und schwellt ein Sandkorn zum Gebirge an. Joab. Wo steckt denn Jonadab, der Augenzeuge? — Gramvoll in sich versunken steht er da! Tritt endlich vor und sage, was du weisst. Jonadab. Im Kampfe mit den Knechten Absalons Sank i^mnon in den Staub. Die Andern leben. David. Sprich dieses Gnadenwort noch einmal aus! Jonadab. Die Andern leben. Vor der Ueberzahl Sind in dem ersten Schrecken wir geflüchtet. Dann sollt* ich nachsehn, wer noch hier ist, ob Verwundete wir fänden . . . und traf Joab. David. Lass mich sie lebend sehn.! Lass mich sie sehn! (Jonadab geht.) Aus Erdentiefen holst du mich lebendig Herauf nach Todesnöten . . . Achter Auftritt. Die Vorigen. Jonadab mit den Prinzen, die ihren Vater weinend umringen. David. Sie leben — Alle — Amnon nur ist tot. Mein Amnon! . . . Und — was ist mit Absalon? Jonadab. Nach Gesur zu Thalmai hat er sich Geflüchtet — Thamar ist bei ihm — David (unwillkürlich aufatmend.) Nach Gesur? Der Missetäter! Strafen muss ich ihn — Er hat sich selbst verbannt? Verbannung bleibe Sein traurig Los! — 0 Amnon — Absalon?! (Vorhang.) Ende.

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