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Ost und West · 1909-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1909) · p. Seite 519 - 520

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Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1909)
Article
Einiges über den Apikores
Date
1909-08-01
Page
Seite 519 - 520 (sequence 1)
Language
German
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519 520 EINIGES UEBER DEN APIKORES. Von Dr. Max Steif. Nachdruck verboten. Zu den durch der Zeiten Länge sanktionierten und darum fast nicht mehr entwurzelharen irrtümlichen Ansichten darf es gezählt werden, wenn der griechische Philosoph Epikur gemeinhin als Vertreter jener leichtfertigen Lebensanschauung hingestellt wird, die üppiges Wohlleben und zügellosen Sinnengenuß auf ihre Fahne geschrieben, während in Wirklichkeit die philosophischen Lehren gerade dieses Weisen die wahre Glückseligkeit des Lebens nicht in der vergänglichen Lust des Augenblickes, der Theorie der sog. Hedonisten, sondern vielmehr in der Erlangung einer unerschütterlichen Gemütsruhe, in anteilnehmender Menschenfreundlichkeit und Wohltun erblicken wollten. Fast ebenso merkwürdig muß es erscheinen, wenn innerhalb der jüdischen Kreise derselbe Epikur zum Prototyp des Gottesleugners gemacht wurde und als „Apikores" neben den sonstigen Bezeichnungen für Ungläubige wie Köfer und Pösche usw. hier dauerndes Bürgerrecht erlangen konnte, falls man nicht die wenig wahrscheinliche Ansicht jener Vereinzelten teilt, die das Wort Apikores nicht von Epikur hergeleitet wissen wollen, sondern von dem talmudischen Hefker, frei pokär, verworfen, leugnen. (Vgl. Rappaport Erech milin.) Doch wie auch immer sich die Sache verhalten mag, die Behauptung darf gewagt werden, daß der Apikores bei seinem ersten Entstehen wohl nicht die heute von ihm untrennbare Bedeutung eines Übertreters und Leugners göttlicher Vorschriften besessen, daß, mag er auch gelegentlich (Mischna Sanhedrin X) mit zu jenen gerechnet werden, denen jeder Anteil an einer zukünftigen Welt abgesprochen wird, die Gelehrten selbst noch uneinig und unsicher darüber waren, wen man mit diesem Beinamen zu belegen habe, und ihm anfangs nur das eine Üble nachsagen konnten, daß er die Autorität der Gelehrten nicht gehörig respektiere. Freilich mit der Zeit nimmt er immer mehr greifbare Formen an, wenngleich ihm dabei mehr als einmal das Mißgeschick einer Verwechslung mit jenen anderen eigenartigen Typen aus der gährenden Epoche nach der Tempelzerstörung widerfährt, die die Ambition besaßen, in ihrer Weise die ewigen Rätsel der Menschheit zu lösen und eine neue Lehre zusammenbrauten aus den verschiedenartigsten Elementen, aus der jüdisch-alexandrinischen und griechischen Philosophie, aus Judentum, Essäertum und Heidentum zusammengesetzt, die später auch unter dem Namen Gnosis bekannt wurde, und deren Anhänger im Talmud auch als Zadukim und Boethussim, in den meisten Fällen schlechthin als Minim bezeichnet wurden. — Während nun bei diesen Minim, als deren eifrigster Anhänger Elischa ben Abuja, auch Acher genannt, vom Talmud hingestellt wird — die Etymologie des Wortes Min steht übrigens noch nicht fest, ebensowenig läßt sich Friedländers Ansicht in seinem ,,vorchristlichen jüdischen Gnosticismus" an allen t almudischen Stellen konsequent J. BASSAKO. Die Israeliten in der Wüste. DRESDEN.

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