Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 8-9 (August-September 1909)
- Article
- Moses in der bildenden Kunst
- Date
- 1909-08-01
- Page
- Seite 517 - 518 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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517 G. Kutna: Moses in der bildenden Kunst. 518 F. FRANCKEN d. Jung. Der Untergang der Aegypten BRAUNSCHWEIG. hinüberschaut, er ist einsam unter ihnen und scheint in jener Ferne trübe seinem Fatum ins Antlitz zu blicken. Das Grab des Moses nannte Fr. Preller d. j. eine heroische Landschaft (Dresden), auf deren schroffer Höhe eine geflügelte Gestalt im Feuerglanze steht, scharf und streng ins weite schauend. Sehr zahlreich sind die Idealbilder von Moses, in denen er in monumentaler Einzelgestalt als Prophet und Gesetzgeber verewigt ist. Nicht nur unter den Heilsgestalten an den Domen, sondern auch an Denkmalen und Brunnen (Nürnberg, Dijon, Wien, Bern u. a ) steht seine Gestalt als Schmuck undWahrzeichen. Sonderbar mutet unter diesen Gestalten die sitzende Mosesstatue zur Seite der Säule auf der Piazza Colonna in Rom an, die auf einer Schrifttafel die hebräische Inschrift hält: „Und Feindschaft will ich stiften zwischen dir und dem Weibe, zwischen deinen Nachkommen und ihren." Die meisten Gestalten, die seit der Renaissance in Malerei und Plastik entstanden sind, gehen auf das grosse Vorbild zu rück, das Michelangelo an dem Grabmal Julius' IL RAFABLSCHULE. geschaffen hat. In dieser in Moses dem Volke die S. Pietro in Vincoli in Rom ungünstig aufgestellten Statue hat die Heidenverehrung der Renaissance ihren gewaltigsten Ausdruck gefunden. Die Unklarheit und Gewaltsamkeit der Behandlung vermögen nichts gegen die Vision von Grösse, die in der Gestalt erschaut ist. Wie lohende Brandung geht es von dieser Gestalt aus, die die Grenzen der Individualität durchbricht und über ungeahnte Peripherien hinausragt. Ein menschlicher Affekt ist in ihm erglüht, und der Blick flammt hinaus, herrschend über Menschenlande; und doch ist er Fels und Einsamkeit und jenseits von sterblichem Menschenbereich. Sein Zornesblick schaut menschliche Kleinheit, vielleicht den Tanz um den Stiergott, vielleicht unseren Götzendienst oder die Schmach irgend einer Zeit, immer aber aus weiter Ferne wesensfremd, aus ferner Höhe nach ferner Niedrigkeit. Und da er hinabsebaut, vollzieht sich die Metamorphose, von Menschlichen berührt, rückt er immer höher zur Gotteshöhe hinauf. Dort fusst er im Unendlichen, ein Symbol der Unendlichkeit; wir aber sind wie Spreu im Winde, VATIKAN. wie Rauch, der durch das Gesetzestafeln zeigend. Gitter zieht.