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Ost und West · 1909-08-01 · Heft 8-9 (August-September 1909) · p. Seite 493 - 494

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 8-9 (August-September 1909)
Article
Ketten
Date
1909-08-01
Page
Seite 493 - 494 (sequence 1)
Language
German
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493 494 & WÜPt '^V „Ketten" von Hermann Reichenbach. (Premiere im Deutschen Theater, Berlin.) Szene aus dem IL Akt „KETTEN".*) Nachdruck verboten. Ehe das erste Wort noch gesprochen worden, hat das Schicksal schon entschieden: der Sohn Abraham Sender Lehmanns hat die Kette zerbrochen. Er hat die Dornenkrone des alten Stammes — die schmerzensreiche — sich vom Haupt gerissen und die Hand nach dem glänzenden Schimmer eines neuen Lebens gestreckt. An den sabbatf liehen Tisch, dessen Weihelichter der Ahnenbräuche milde Schönheit friede voll umglänzen, tritt die Lüge. Sie bringt in das *) Unter diesem Titel wurde am 21. Juli im Deutschen Theater zu Berlin ein Stück von Hermann Reichenbach aufgeführt. Es hatte einen starken äusseren Erfolg. Das Werk, in einer zusammengedrängten, knapp referierenden Sprache gehalten, gibt dem Schauspieler nur eine Skizze seiner Rolle. Er muss sie erst runden und mit Lebeu füllen. Für bedeutende Spieler eine dankbare Aufgabe. Für die Schmierer eine Gefahr. Die Aufführung im Deutschen Theater war gut. Meisterhaft spielte Jacques Morway den Salomon. Der war echt bis in die Bewegung des kleinen Fingers. *A ~ M Hermann Reichenbach. stolze Gespräch der Treue die Geste des Verrates. In die leisen Akkorde des Gebetes, die von den Lippen des gottesfürchtigen Vaters schweben, drängen sich scheu und nur dem Fernen fühlbar die Disharmonien derApostasie. Siegmund wird seinem Vater in die Synagoge folgen. Aber nicht mehr dem Gott seiner Väter wendet sich sein Antlitz zu, dem harten und gütigen Gotte, der das Opfer des Lebens heischt. Die trügerisch - milde Göttin des Erfolges, die sich am Opfer der Ueberzeugung bescheidet, hat seine Seele genommen. Leicht gab sie sich nicht. Mit tausend Fasern war sie im elterlichen Hause verankert. Da wohnte die Liebe, die in Treue das Einst umfing und die Zukunft leuchtend sah in der Gewissheit, dass sie aus dem festen Quaderwerk der alten Stammesart zur Morgenröte emporblühen müsse. Und nicht auf Ruinen. Daheim wuchs der Wille zu kraftvoller Tat, die ihren Segen in der Wahrheit hatte. Ein Ä/.v. '5

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