Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1909)
- Article
- Das Lehrlingswerk der Alliance in Tunis
- Date
- 1909-07-01
- Page
- Seite 473 - 474 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2583875-2583980-2583988-2599775--09523-2599839- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
473 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Das Lehrlingswerk der Alliance in Tunis. 474 weiblichen Lehrlinge arbeiten, und das sich von Tag zu Tag mehr entfaltet. Schon im ersten Monat ist es möglich gewesen, an 10 Arbeiterinnen 500 Franc 5 Lohn auszuzahlen, jetzt sind bereits 27 Arbeiterinnen beschäftigt, und täglich kommen Bestellungen aus Paris und London, wo unsere Artikel wegen ihrer Originalität und ihres arabischen Charakters sehr geschätzt sind. In kurzer Zeit werden wir in der Lage sein, 40 Arbeiterinnen und Lehrlinge zu beschäftigen. In der Stadt haben wir eine ausgezeichnete Kundschaft für unsere Blusenwerkstatt. Unsere Schneider¬ und Weberwerkstatt hat davon gleichmässig Nutzen. Den Erfolg unserer konfektionierten Artikel haben wir in der Hauptsache den wertvollen Anleitungen des Fräulein de Montmort zu danken. Es würde sich empfehlen, die jährliche Subvention für das Mädchen-Lehrlingswerk von 960 Francs auf 2000 Francs zu steigern. Damit würde es möglich sein, nicht bloss die bestehende Werkstatt auszudehnen, sondern auch neue Handwerke einzuführen, einige Schülerinnen zu Zeichnerinnen auszubilden. Um die Zukunft unserer ausgebildeten Arbeiterinnen braucht man keine Sorge zu haben. Sie sind unter den günstigsten Bedingungen beschäftigt. Die Generalunkosten und die Vermittlergebühren, die in der Kegel den grössten Teil des Nutzens in Anspruch nehmen, sind ausgeschlossen, und unsere Arbeiterinnen können billig verkaufen und doch einen angemessenen Lohn erzielen. Gerade weil das Lehrlings werk für beide Geschlechter sich gedeihlich entwickelt, sind weitere Zuschüsse dafür erforderlich. Wir erwarten davon die glücklichsten Ergebnisse. Die Alliance wird die Grundlage schaffen für eine kräftige, fleissige, gewissenhafte Arbeiterbevölkerung, die ein Element wirklichen Fortschritts darstellt und sicheres Gedeihen für die jüdische Bevölkerung von Tunis in Aussicht stellt. L. Gueron, Bekanntmachung« Die Ferien des Deutschen Bureaus der A. I. U. beginnen am 12. Juli und dauern bis 15. August. Die Alliance Israelite Universelle in Hamburg. Die Alliance Israelite Universelle hat zu den Einrichtungskosten des von dem Verein für Obdachlose in Hamburg erworbenen und umgebauten Hauses einen Beitrag von 2500 Mark geleistet. * * * Der 70. Geburtstag des Chief-Rabbi von England. Zun* 70. Geburtstag hat das Präsidium der Deutschen Conferenz - Gemeinschaft an Herrn Chief - Rabbi Dr. Hermann Adler in London nachstehendes Glückwunsch- Schreiben gerichtet: Berlin, den 4. Juni 1909. Hochwiirdigster Herr Chief-Rabbi! Die Beendigung des siebzigsten Lebensjahres gilt für jeden unter uns für bedeutsam, seitdem „das Gebet Moses", der neunzigste Psalm, zu einem Menschheitsgebet geworden ist. Ihr siebenzigster Geburtstag, hoch würdigster Herr Chief-Rabbi, ist zugleich ein weihevoller Tag für die grosse Zahl der Gemeinden, die in Ihnen den obersten Seelsorger liebend verehren. So gross, ist die Zahl dieser Gemeinden, dass sie einen stattlichen Teil der Gesamtgemeinde Israel bilden. Das gibt auch uns ein Anrecht an Ihnen und an diesem Tag, ein Recht, mit Ihnen zu feiern, uns mit Ihnen zu freuen, mit Ihnen und allen Ihren Gemeinden dem Gott zu danken, der unsre Zuflucht gewesen seit der Yäter Tagen, und der sichtlich Ihrer Hände Tun gesegnet hat. Darum kommen wir zu Ihnen mit dem herzlichen Glückwunsch, dass Ihnen, einem Lehrer in Israel, die Tage unseres Lehrers Mose beschieden sein mögen, Tage voll gedeihlicher Arbeit und mit Erfolg gesegnet, Ihnen zur Ehre und Ihren Gemeinden, unsern Brüdern, zum Heil. Das Präsidium der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft der Alliance Israelite-IMverseile: Ludwig Max Goldberger, Philipp Schiff, Berlin Prankfurt a/M. Der Geschäftsführer: M. A. Klausner. Hierauf ist folgende Antwort eingegangen: Office of the Chief Rabbi 22, Finsbury Square, London, den 8. Juni 5669. Der Alliance Israelite Universelle Berlin. Empfangen Sie meinen verbindlichsten Dank für Ihre herzlichen Gratulationen und die Glückwünsche des Deutschen Bureaus der Alliance Israelite Universelle, Ihre teilnahmsvollen Zeilen sind mir besonders willkommen, da sie von der Deutschen Conferenz- Gemeinscbaft der Alliance Israelite Universelle, die so eifrig für das Wohl unserer Brüder arbeitet, an mich gerichtet sind. Möge es auch mir vergönnt sein, noch ferner für das Wohl meiner Glaubensgenossen zu wirken! Mit der Versicherung vorzüglicher Hochachtung verharrt ganz ergebenst H. Adler. Die gesamte Judenheit des britischen Reiches hat Gelegenheit genommen, dem allgemein verehrten Gelehrten und Seelsorger ihre Liebe und treue Anhänglichkeit zu beweisen. Der Empfang der Abordnungen, die im Auftrag von Korporationen Glückwunschadressen und Festgaben zu überreichen hatten, musste auf mehrere Tage verteilt werden. Die erste, am Vormittag des Geburtstages vom Chief-Rabbi empfangene Deputation kam von der jüdischen Gemeinde London: sie überreichte eine kostbar ausgestattete Adresse. Danach erschien eine Abordnung des Vorstandes von „Jews College" und eine Anzahl von Dozenten dieser Lehranstalt. Die Beamten der Schechita und die Vertreter der Fleischer und Genügelhändler, die zunächst ihre Glückwünsche darbrachten, hatten dem Jubilar eine prächtige silberne Bowle zugedacht; da Dr. Adler aber in seiner Erwiderung ausführte, dass nach jüdischem Recht der Rabbiner keine Geschenke von den Fleischern annehmen dürfe, wurde die Bowle dem jüdischen Altenheim als Erinnerung an den 70. Geburtstag des Chief- Rabbi überwiesen. Nacheinander überreichten Abordnungen des Russisch-jüdischen Comites, der Londoner Rabbinen, der Talmud-Thora-Lehrer, der Gemeinden