Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 7 (Juli 1909)
- Article
- Thamar
- Date
- 1909-07-01
- Page
- Seite 431 - 432 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Mentioned entities
- Adonijah 1× ep/1003245
- Joab 1× ep/1005321
OCR text
431 432 THAMAR. Trauerspiel in vier Akten von Clara Steinitz. Als Manuskript gedruckt. Übersetzungsrecht wie alle übrigen Rechte vorbehalten. König David. Amnotl, ältester Sohn Davids. Chileab, zweiter Sohn Davids. Absalon, dritter Sohn Davids. Sephat-Ja, Adonia und andere Söhne Davids. Knabe.) Thamar, Absalons Schwester. Joab, Feldherr. Jonadab. Ahitophel. Nathan I D . _ . > Propheten. Gad J F Personen: Jasabeam Eleasar Benajahu Samma (Salomo als Abisai Asael Nachrai Die andern Großen Dreißig. Achsa ) Gespielinnen Thamars. Thirza J r Chusi 1 Semaja J Helden und Hauptleute Davids, zu den Großen Dreißig gehörig. Diener Amnons. Gefolgschaften Davids, der Prinzen, Thamars. — Hohepriester und Priester als stumme Personen. Erster Akt. Früher Morgen. Zimmer bei Amnon. Ein Ausgang links vorn vom Zuschauer, ein anderer rechts hinten. Bettzelt, dessen Vorliänge aus Scharlachseide aulgezogen sind. Orientalische Divans und Tische. Ampeln aus phönizischem Glase. lieber dem Tisch vor dem Bettzelt brennende Nachtampel und eine stellende Erzplatte mit Klopfer. Auf einem grösseren Tische seitwärts eine Schatulle aus getriebenem Erz. Erster Auftritt. A m n o n. Chusi. Alhnon (sitzt auf dem Lager). ChUS'l (steht vor ihm). Amnon. In aller Frühe wollte Joab mich Zum Gottesdienst abholen. Gleich muß er Erscheinen. — Hast du Jonadab bestellt? Chusi. Semaja ist nach ihm gegangen. Doch Nach dieser schweren Nacht . . . Amnon. Ich bin nicht müde .. . Und willst du, dass ich schlafe, wenn er kommt? . . . Lass mich . . . ihn sprechen . . . (Murmelt abgebrochene Silben, sinkt zurück und schläft ein.) Chusi. Gott sei Dank! Er schläft . . {Zieht den Vorhang leise zu, löscht die Xachtampel aus und öffnet das Fenster. Er will sich entfernen, als es klopft und Joab eintritt. Chusi ihm entgegen, den Finger auf dem Mund.) Zweiter Auftritt. Die V o r i g*e n. Joab. Joab. Was gibt's denn? Wie? Ist Amnon noch nicht auf? Chusi. Er schläft. Ist erst vor kurzem eingeschlafen. Joab. So ist er krank? Chusi. Ich weiss nicht, was ihm fehlt. Die ganze Nacht hat er nicht schlafen können. Joab. Zum heiligsten der Feste wird er krank? Chusi. Er kann bis Abend sich erholt schon haben, Und in den Tempel kommt er sicherlich. Joab. Ich meld' alsbald dem König, dass er krank ist. Gehab dich wohl! Und grüss den jungen Fürsten Von mir, wenn er erwacht. Chusi. Erhabner Joab, Ich bin dein Knecht . . . (Begleitet Joab an die Tür.) Versöhnungsfest heut abend, Und statt zu schlafen wie gesunde Jugend — (Es klopft.) Ha, Jonadab! (Oeffnet vorsichtig die Tür im Hintergrunde links.) Er ist's. — Nur leise — leise — Dritter Auftritt. Jonadab (tritt ein). Chusi (begleitet ihn an das Lager und hebt leicht den Vorhang). Jonadab. Sieh! Voller Unruh! Amnon. 0 mir! (Erwacht.) JonadpJb? Dass du nur da bist! — Chusi! Ich will aufstehn. (Zu Jonadab.) Verweile nebenan, bis ich bereit bin. (Jonadab tritt ins Nebenzimmer durch die Tür rechts.) Chusi. Der Feldherr Joab war soeben da Und fand dich schlafend. Deine Krankheit will Dem Könige er melden. Amnon. Krank war' ich? Ein wen'ges überwacht — nichts weiter ist's. (Chusi wirft ihm ein frisches Gewand um, gürtet ihm die Füs*e mit Sandalen.) Schon ist mir besser. — Rufe Jonadab! (Chusi ab, Jonadab tritt ein.) Vierter Auftritt. Amnon. Jonadab. Jonadab. Wie du verwandelt bist! Was quält dich? Sprich! Du stöhnst im Schlaf, wie Glückliche nicht stöhnen — Als ob dich Fieberträume peinigten. Nicht mehr wie früher kräuselt Uebermut Die Lippe dir, und all' die tausend* Blitze Der Bosheit funkeln dir nicht mehr^im^Blick. Du, dem in Gebelaune das Geschickt 1 Die reichsten Güter in den' Schoss geschüttet, Starrst wie im Trübsinn drein?