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Ost und West · 1909-06-01 · Heft 6 (Juni 1909) · p. Seite 387 - 388

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Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 6 (Juni 1909)
Article
Generalversammlung der Alliance Israélite Universelle, Lokal-Comité Berlin
Date
1909-06-01
Page
Seite 387 - 388 (sequence 1)
Language
German
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y«? 388 NSWvv* .....""tlHTt w MITTEILUNGEN '/7> au5 dem Deurschen Bureau der H Alliance Jsraelife Universelle no nr oms BERUM.IN 2*+. ^K"IBT 0ranienDurgersrc4?-4S GENERALVERSAMMLUNG DER ALLIANCE ISRAELITE UNIVERSELLE, LOKAL-COMITE BERLIN. Am Sonntag den 23. Mai 1909 hat die Generalversammlung der Alliance Israelite Universelle, Lokal- Comite Berlin, im Sitzungssaal des Verwaltungsgebäudes der Jüdischen Gemeinde, Rosenstrasse 2—4, unter dem Vorsitz des Geheimen Kommerzienrats Goldherger stattgefunden. Die Tagesordnung lautete wie folgt: 1. Allgemeiner Bericht. 2. Wahlen zum Vorstand. Zu Punkt 1 der Tagesordnung führte G eheimer K o m in e rz i e n r a t G o 1 d b e r g e r das folgende aus: „Meine Herren, ich bitte um die Erlaubnis, die Grenzen für den „Allgemeinen Bericht" tunlichst weit zu ziehen, und zu Ihnen nicht nur als Vorsitzender des Lokal-Comites Berlin und als Präsident der Deutschen (Konferenz-Gemeinschaft, sondern hauptsächlich als Mitglied des Central-Comites zu sprechen. Mit der Geschäftsführung in Paris habe ich auch erörtert und festgestellt, was ich Ihnen vortrage und was in unserer Monatsschrift „Ost und West" veröffentlicht werden wird. Ich will Ihnen, und ich bin überzeugt, class es willkommen sein wird, soweit es in grossen Umrissen möglich ist, vollen Einblick in das mächtige Getriebe unserer Gesamtorganisation gewähren. Allerdings, wenn man in der Rückschau auf das abgelaufene Berichtsjahr die Aufgaben betrachtet, die die Alliance jeweilig während des verhältnismäßig kurzen Zeitraumes von 12 Monaten zu bewältigen hat und bewältigt, so sieht man zunächst nur, dass eine grosse Maschine langsam und kaum wahrnehmbar vorwärts treibt nach einem entfernten und kaum zugängigen Ziel. Es ist beinahe unmöglich, inmitten des gewaltigen Werkes irgend etwas Neues besonders zu unterscheiden, irgend einen sich vornehmlich abhebenden Vorgang zu beobachten. Wir haben es hier nicht mit einer eben erst geschaffenen Einrichtung zu tun, die sich darin gefallen mag, jedes neue Beginnen und jeden Einzelfortschritt anzukündigen, um damit die Existenzberechtigung nachzuweisen und sich Popularität zu sichern. Vielmehr werden wir uns vor allern nur darüber Rechenschaft abzulegen haben, ob die verschiedenen Räder des Gesamtapparates recht ineinander greifen, ob sie tadellos funktionieren oder etwa an irgend einer Stelle versagen, und schliesslich ob der Erfolg befriedigt. Nachdruck mit Quellenangabe gestatte:. Bei meinen mehrfachen Reisen nach Paris, dem Zentrum unserer Alliance, sind mir durch die Verwaltung in lückenfreier Darbietung alle Veröffentlichungen, Berichte und Korrespondenzen vorgelegt worden. So habe ich die mit unserm Werk im Zusammenhang stehenden Fragen zuverlässig prüfen können. Ich gebe ohne weiteres zu, dass mein jüdisches Herz, dass meine von den Eltern ererbten und mir in Fleisch und Blut übergegangenen jüdischen Empfindungen nicht ohne Einfluss auf die Würdigung sein mögen, die ich den Dingen zuteil werden lasse Aber unter allen Umständen, und selbst da, wo Imponderabilien in die Wagschale fallen, habe ich mir die Gewohnheit bewahrt, die Ergebnisse nüchtern zu beurteilen. Ich befleissige mich, die Summe der nützlichen Wirkungen zu ziehen, die von der Maschhn erzielt worden sind, und lasse mich nicht durch Wort' und leeren Schein umnebeln. Ich begnüge mich nicht, zu erfahren, dass man dies und jenes geschaffen und dann weitergeführt hat, sondern ich will wissen, ob das Geschaffene den Bedürfnissen derer entsprich!, für die es bestimmt ist, und ob es den vorhandene1! Erfordernissen genügt. Nach dieser Prüfungsmethod' wollen wir die verschiedenen Betätigungsarten de; Alliance betrachten. Seit ihrem Entstehen hat die Alliance immer einen doppelten Daseinszweck gehabt. Sie hat siel der Beschützung und der Unterstützung der Juden gewidmet, die als Juden leiden, dann ihrer Erziehung und geistigen Befreiung. Dieses Zwiefache in den Arbeiten der Alliance ist Freunden wie Gegnern häufig entgangen. Daraus erklärt sich manches falsche und tendenziöse Urteil zuweilen auch bei den gutgläubigen Gegnern. Die doppelte Aufgabe der Alliance gilt nicht immer den nämlichen Ländern und Personen. Die Aufgabe des Schutzes und der Unterstützung hat ihre?* Schauplatz hauptsächlich in den europäischen — christ liehen — Ländern, in denen die Juden noch durch gesetzliche Ungleichheit bedrückt werden und Willkürhandlungen der Verwaltungen oder der Massen preisgegeben sind. Die erzieherische Aufgabe der Alliance dagegen wird namentlich in muselmanischen Ländern erfüllt. Ist sonach die Aufgabe eine doppelte, so ist doch nicht zu vergessen, dass oft beide Tätig-

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