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Ost und West · 1909-06-01 · Heft 6 (Juni 1909) · p. Seite 385 - 386

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Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 6 (Juni 1909)
Article
Revue der Revuen
Date
1909-06-01
Page
Seite 385 - 386 (sequence 3)
Language
German
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Revue der Revuen. 386 h*ei von jüdischen Einwohnern, heute hat die schnell vor sich gehende kapitalistische Entwicklung in Italien die Juden auch nach Süditalien verpflanzt. * * * Wie „Jewish World5' zu berichten weiss, hat der Xewyorker ,,Board of Regents" einen interessanten >eschiuss gefasst: als offizielle Unterrichtsbehörde rkennt er die Gleichberechtigung des lebräischen an öffentlichen Schulen an. In Zukunft werden die Studenten, die sich dem Studium < es Hebräischen widmen, dieselben Vorteile gemessen, *;ie die Studierenden der lateinischen oder griechischen prache, d. h. dem Hebräischen ist derselbe Rang luerkannt worden, wie den klassischen Sprachen. Bisher wurde die Kenntnis des Hebräischen bei den Prüfungen absolut nicht gewertet, so dass viele ■ idische Studenten, die Jahre auf Erlernung der hebräischen Sprache verwendet hatten, bei der Prüfung erkennen mussten, dass diese Seite ihres Studiums wertlos für sie gewesen war. * * * Die fünfzigste Wiederkehr des Todestages von Alexander v. Humboldt gab allenthalben Anlass 7\x Erinnerungsartikeln. In der Zeitschrift des Verlas für ethische Kultur" veröffentlicht Dr. Adolf Kohut einige Bekenntnisse des Grossen über Glauben ad Humanität. Kohut erzählt: „Als z. B. König Friedrich Wilhelm IV. gleich unmittelbar nach seiner Thronbesteigung mit der )g. „Judenfrage" sich beschäftigte, und der Kultusminister Eichhorn die den preussischen Juden zuomrnenden und verbrieften Rechte aus dem Grunde : u unterdrücken sich für befugt hielt, weil die Israeliten •if einem anderen religiösen Standpunkt wie ihre -hristlichen Mitmenschen standen erhob Humboldt oharnischten Protest gegen die Verletzung des alten rundsatzes, der allein im Staate Geltung haben dürfe: Gleiche Rechte und gleiche Pflichten!" An den rafen von Stolberg, einen ihm nahestehenden Staatsann, sandte er ein offenes Schreiben, das für das »laubens- und Humanitäts-Ideal des wackeren Bannerägers der freireligiösen Gedanken und des Humanisus in hohem Grade bezeichnend ist. Er sagt dort iter andern: Ich halte die beabsichtigten Neuerungen ich meiner innigsten Ueberzeugung für höchst aufgend, mit allen Grundsätzen der Staatsklugheit reitend, zu den bösartigsten Interpretationen der otive veranlassend, Rechte raubend, die durch ein enschliches Gesetz des Vaters bereits erworben id der Milde unseres jetzigen Monarchen entgegen nd. Es ist eine gefährliche Anmassung der schwachen Menschheit, die alten Gesetze Gottes auslegen zu ollen. Die Geschichte finsterer Jahrhunderte lehrt,!i welchen Abwegen solche Deutungen den Mut geben >ie Besorgnis, mir zu schaden, muss Sie nicht abhalten, von diesen Zeilen Gebrauch zu machen. Man muss vor allen Dingen den Mut haben, seine Meinung zu *agen." * * * In den periodischen Publikationen der „Jewish Kolonisation Association" gibt Dr. A. Brutzkus eine interessante Statistik der russischen Juden, die geeignet ist, alte Irrtümer zu berichtigen. Nur eine Viertelmillion Juden haben in Russland vollständige Bewegungsfreiheit. Die Geburtenziffer der russischen Juden ist verhältnismässig niedrig. Der Prozentsatz der Frauen ist bei den Juden grösser als bei den anderen Völkern, was wohl durch die Auswanderung jüdischer Männer seine Erklärung findet. Interessante Daten gibt Brutzkus ferner über die Sprache der Juden. Sie bilden eine homogene Masse, die im wesentlichen eine Sprache spricht. Als Muttersprache betrachten nämlich 96,9 % der russischen Juden den jüdisch-deutschen Jargon. Von den übrigen 3,1 % (148000 Seelen) sprechen 76000 russisch, 47 000 polnisch, 22 782 deutsch und 2300 sind Bergjuden, Grusier und Krimbewohner. Der Verband jüdischer Farmer Amerikas, dessen Bildung an dieser Stelle erwähnt wurde, hat, wie „The American Hebrew" meldet, in Newyork die Vorbereitungen zu einer grossen landwirtschaftlichen Ausstellung getroffen. Die Bedeutung dieser ersten jüdischen Agri-Kulturausstellung dürfte weitreichend sein, und die Unzahl der zusammengepferchten Ghettobewohner, sowie die Einwanderer auf die Vorzüge des flachen Landes aufmerksam machen. * * * In England erregt gegenwärtig dieErfindung eines jüdischen Ingenieurs David Suchastawer grosses Interesse. Ueber den Erfinder schreibt der „Daily Telegraph": „Suchastawer ist aus Galizien gebürtig, wanderte aber später mit seinen Eltern nach Russiand aus. In Charkow setzte er seine Studien fort. Er zeichnete sich im dortigen Polytechnikum derart aus, dass ihn die russische Regierung, ungeachtet seiner Zugehörigkeit zum Judentum, zum Dozenten an der technischen Schule in Baku ernannte. Seinem weiteren Avancement stand der Umstand im Wege, dass er sich weigerte, zur russisch-orthodoxen Kirche überzutreten. In England konnte er sich unbeschränkt weiteren Studien widmen. Zu den von ihm gemachten Erfindungen zählt eine neue Methode der elektrischen Betriebskraft für Strassenbahn- und Eisenbahnzwecke. Durch diese Methode so'.l sich der Betrieb um zwei Drittel verbilligen; zur Verwertung soll eine Gesellschaft mit einem Kapital von zehn Millionen Mark in der Bildung begriffen sein." * * * An dieser Steile vermerkten wir letzthin das Abieben des Baurates Oscar Marmorek und knüpften an diese Mitteilung d.e Bemerkung, dass Marmorek aus der zionistischen Organisation ausgeschieden sei Die „Zionistische Vereinigung für Deutschland" versichert in einer an uns gerichteten Zuschrift, Baurat Marmorek wäre „ emals aus der zionistischen Organisation ausgetreten", nur wäre er „einige Zeit vor seinem Ableben mit der Wiener Lokalorganisation in persönliche Differenzen geraten."

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