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Ost und West · 1909-06-01 · Heft 6 (Juni 1909) · p. Seite 383 - 384

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Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 6 (Juni 1909)
Article
Revue der Revuen
Date
1909-06-01
Page
Seite 383 - 384 (sequence 2)
Language
German
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383 Revue der Revuen. 384 dringlich gemacht. Eine eigentlich antisemitische Partei giht es in der Schweiz zwar nicht, doch wird über offenkundige Zurücksetzung der Juden in öffentlichen Aemtern und im Heere viel geklagt. Von einem Schritt zur Regelung der Einwanderung berichtet der „American Hebrew". Etwa hundert jüdische Gesellschaften und Organisationen haben nach zweitägiger Beratung die „Amerikanisch - jüdische Gesellschaft zur Regelung der Immigration" gebildet, deren Aufgabe es sein soll, die Eingewanderten auf gemeinverständliche Art über das ökonomische Leben in der Union aufzuklären, und ihnen in der ersten Zeit an die Hand zu gehen. Gleichzeitig meldet der „ Jewish Exponent", dass die vomGouverneurHughes eingesetzte Kommission zur Untersuchung der Einwanderungsfrage im Staat Newyork ihren Bericht erstattet habe, der den unausgesetzten Massenzuzug nach Newyork und die sich daraus entwickelnden Verhältnisse der Eingewanderten beleuchtet. Die Kommission empfiehlt die Einsetzung einer staatlichen Behörde, zwecks Verteilung der Einwanderer über das ganze Land sowie zum Schutz vor berufsmässigen Ausbeutern. * Im Podrecznik Statystyki Galicyi (Handbuch der Statistik Galiziens), herausgegeben vom Statistischen Landesamt unter Redaktion des Dr. Tadeusz Pilat (Band VIII, Teil 1), 1908, finden sich nach dem Ausweis der k. k. Statthalterei folgende Daten über die israelitischen Kultusgemeinden Gai z i e n s: Ihre Zahl betrug 253. Mitglieder waren 793 360 Personen (gegen 811183 im Jahre 1900), von denen jedoch nur 89 522 zu Steuerleistungen herangezogen werden konnten. Es gab 249 Rabbiner, also ungefähr ebensoviel als Kultusgemeinden, und ausserdem 1419 andere Funktionäre für den Kultus. Die Zahl der Synagogen belief sich auf 457 öffentliche und 332 private. Daneben wurden 1393 Bethäuser gezählt. Als Anstalten der galizischen Kultusgemeinden sind 749 Ghedarim, 82 Talmud-Thoraschulen, 31 Spitäler, 35 Altersversorgungs- und Siechenhäuser und 697 Anstalten anderen Charakters genannt. Von den konfessionellen Schulen waren 47 mit dem Oeffentlichkeitsrecht ausgestattet, 38 nicht. Zur Führung der Matrikeln waren 241 Personen mit 153 Vertretern bestellt. In einem längeren Aufsatz erzählt „The American Israelite", dass Präsident Taft längere Konferenzen mit dem Handelsminister Oscar Straus gehabt habe, um Straus zur Uebernahme des Botschafterpostens in Konstantinopel zu bewegen. Das genannte Blatt berichtet, dass die Unterhandlungen zwischen dem Präsidenten und Straus zu dem Resultat führten: der frühere Handelsminister wird Botschafter in Konstantinopel. Diese Nachricht wird von der Londoner „Times" bestätigt, die auf die bekannte Tatsache hinweist, dass Oscar Straus sich schon einmal als Botschafter in Konstantinopel ausgezeichnet bewährt hat. * * * Wie eine Pariser Korrespondenz der Londoner „Jewish Chronicle" meldet, hat die französische Regierung sich entschlossen, den Juden in Algier zu gestatten, dass sie am Sonntag ihren Geschäften nachgehen dürfen, damit sie nicht zu grosse Verluste erleiden. In Algier feiern die Araber am Freitag, die Juden am Samstag und die Christen am Sonntag. * * * Die amerikanische Presse stellt den bekannten jüdischen Philanthropen Jakob H. Schiff als Muster eines verständnisvollen Wohltäters hin. In jüngster Zeit hat Schiff, laut „American Hebrew", 100 000 Dollars zur Gründung eines Lehrerseminars in Cincinatti gespendet. Aus diesem Lehrerseminar sollen Lehrer für die in Amerika bestehenden Sabbatschulen hervorgehen. Ferner hat der grossherzige Philanthrop der Newyorker Staatsbibliothek eine sehr wertvolle Schenkung gemacht, indem er ihr die von Tissot ausgeführten Illustrationen zum Alten Testament überliess, welches Kunstwerk er selbst vor kurzem erst für 35 000 Dollars ankaufte. Wie ein Gedicht von Carmen Sylva liest sich der einfache, aber von edler menschlicher Gesinnung zeugende Brief, den der rumänische Metropolit, das Oberhaupt der griechisch-katholischen Kirche, an den Oberrabbiner Schorr richtet, der dem Metropoliten eine Schilderung der Leiden gegeben hatte, unter denen die Juden Rumäniens seufzen. Der Beichtvater des Königs Carol schrieb dem Rabbiner: „Unser allbarmherziger Herr und Weltenschöpfer lehrt uns, das Gebot der Nächstenliebe so hoch zu halten, wie das Gebot der Liebe zu Gott; und diese Liebe bezieht sich auf alle Menschen auf Erden ohne Unterschied der Nationalität und Religion. Beseelt von dem Wunsche, diese Liebe zu betätigen und ihr Ausdruck zu verleihen, beehre ich mich, Euer Ehrwürden die Summe vor 300 Francs zu übersenden, mit der Bitte, den Betrag an Ihre armen Glaubensbrüder zu verteilen. Gleichzeitig danke ich für die Gebete, die Euer Ehrwürden für mich zum Allmächtigen emporgesandt haben. Ich bitte Euer Ehrw. die Versicherung meiner Hochachtung entgegennehmen zu wollen, (gez.) Athanasie",Metropolit-Primat". * * * Robert Michels behandelt in den „Ethnographisch- Statistischen Studien" die Geschichte Italiens und der Konfessionen dieses Landes. Danach ist die Zahl der Juden seit 1901 (35 617) stationär geblieben, im Gegensatz zu anderen Religionsgemeinschaften, die starken Zuwachs erfahren haben. Wie Michels richtig betont, lässt dies keinen Schluss zu auf Uebertritte zu anderen Religionen. In Italien fehlt jedes treibende Moment hierzu, denn „hier bekleiden Männer israelitischer Konfession die höchsten staatlichen Aemter, und selbst vom Posten eines Kriegsministers sind sie nicht ausgeschlossen" - Als besonderes Charakteristikum der italienischen Juden erwähnt Michels ihre ungewöhnliche Beweglichkeit. Noch vor wenigen Jahren war Süditalien so gut wie

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