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Ost und West · 1909-05-01 · Heft 5 (Mai 1909) · p. Seite 293 - 294

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 5 (Mai 1909)
Article
Moses in der bildenden Kunst
Date
1909-05-01
Page
Seite 293 - 294 (sequence 7)
Language
German
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293 Gr. Kutna: Moses in der bildenden Kunst. 294 mitten grünender Blätter den erschreckten Moses anspricht, dessen Hündchen sich anschickt, die sonderbare Erscheinung anzubellen. Miniaturartige Details ähnlicher Art ohne das Landschaftliche, das sie als natürlich erscheinen lässt, hat das Glasfenster vom Meister der heil. Sippe im Dom zu Köln. Feierlicher ist Dierick Bouts: Gott schwebt mit der Weltkugel in der Hand aus einem brennenden Hain empörter macht milde den Gestus des Segnens, und Mo^es hebt mit demütiger Andacht die Hände empor. Flüchtig und eindruckslos ist die würdelose Erscheinung Gottes und der kniende, das Gesicht verhüllende Hirte der Rafaelschule im Vatikan, geklärter im Stil das im Einzelnen ähnliche Fresko von Hippolyte Flandrin in St. Germain des Pres in Paris, während Schnorr von Carolsfeld die Komposition akademisch verballhornt hat. Auf dem Bilde von Francisco Coli an tes im Louvre und einer Komposition von dem Engländer John Matr tin ist die Erscheinung nur ein romantisches Element in der phantastischen Landschaft; eine Arbeit der Römischen Schule in der Akademie in Wien hat sogar in dem nackten Moses den Akt als Gegenstand des artistischen Hauptinteresses. Das Auftreten Moses v or Pharao und die zehn Plagen kommen in zyklischen Illustrationen in der Regel, als Einzeldarstellung nur wenig vor. Nicolas P o u s s i n hat in bühnemässiger Komposition Togaträger mit Laubkränzen auf dem Haupte um den zeusartigen Pharao gruppiert, vor dem zwei Rhetoren sich mit Schlangenzauber und Redekunst präsentieren. Dagegen erscheinen die naiven Ausführungen der Miniaturen fast natürlich und glaubhaft. Besondere Erwähnung verdient dabei eine twa zweihundert Jahre alte tbessinische Pracht- ' Handschrift der Kgl. Bibl. Berlin. Das roh ausgeführte Bild zeigt den Herrscher L. Perrault, Aussetzung Moses. mit grossen schwarzen Augen, eine zackige Krone auf dem Haupte, vor Moses und Ahron sitzend, die ihre Stäbe in der Hand halten, obgleich die zwei Schlangen in die die Stäbe verwandelt werden, sich vom Boden erheben, die eine zu den Brüdern, die andere, mit einem fischähnlichen Tier im Rachen, zu Pharao gewendet. Mit sichtbarer Freude schildern die Hagaden die Nöte des Aegypterkönigs, man merkt, welchen Spass es den jüdischen Illustratoren gemacht hat, den Erzfeind von all den hässlichen Plagen heimgesucht zu sehen. Riesige Frösche, Heuschrecken und Drachen springen ihm ins Gesicht, Skorpionen beissen an seinem Körper, er kratzt seine Geschwüre und weiss nicht wohin vor Ungeziefer; auch die Herren und Frauen vom Hofe kratzen und kämmen und jucken und sind gar sehr geplagt. Als Gegensatz dazu sieht man die Kinder Israel friedlichen Daseins im Lande Gosen, bei Dudelsack und Schalmei, sich des Lichtes erfreuen und — weniger rühmlich — in den drei Tagen der Finsternis aus den Behausungen der Aegypter Gold- und Silbergerät herbeiholen. Es ist ergötzlich, wie naiv diese kulturhistorisch äusserst interessanten, Szenen vorgetragen sind. Man sieht (Hagadah Add. 27210, Brit. Mus.), wie ein Löwe und vier andere Tiere den Pharao anfallen, ein rotes Kaninchen ihm ins Gesicht springt und er dabei noch Zeit findet, mit Moses zu paktieren; in einer anderen (Hagadah des Earl of Crawford) lecken Schosshündchen die Geschwüre des Pharao und seiner Räte. Oder er kommt (Ital. Hagadah des XEV. Jahrh. Samml. D. Kaufmann) nacht* mit Hemd und Krone angetan, mit seinen Dienern aus dem Paläste und klopft mit dem Türklopfer an die Tür des Hauses, in eem Moses und Ahron neben dinander schlafen, den Reisekoffer neben sich am Bette. (Schluss folgt.) REBB MOSCHE APHIKOMON Von Dr. J. Nie Im Städtchen Z. ist niemand mehr beliebt als .ebb Mosche Aphikomon. Er gilt als sehr reich, als lillionär; — er hat vielleicht zehntausend Gulden. Heser Rothschild ist sehr wohltätig, hat bis jetzt 1 1 arme Mädchen zur Heirat ausgestattet. Er ist bei jeder Gelegenheit freigebig — beim Kauf der Schmure- Mazoth und des Esrog; es loben ihn der Synagogen- ^chammes, der Friedhof Wächter und der Badediener. H)r ist in seiner Gemeinde einflussreich; denn er hat ein eigenes Bethaus und verteilt Synagogenwürden nach Belieben. In seinem Hause werden alle vornehmen Durchreisenden beherbergt; besonders wenn sie «Enkel" gefeierter Rabbis sind. In der Umgebung besitzt Rebb Mosche einen grossen Ruf, und wer mit ihm verwandt ist, kann auch eine hässliche Tochter leicht und gut verehelichen. Sein Ruhm ist so gross, dass UND DER PROPHET ELIAHU. t i r 0 w e r - J a S S y. Nachdruck verboten sogar versichert wird, er hätte den Propheten Eliahu gesehen, und niemand wagt es zu bezweifeln. Rebb Mosche behauptet: Eliahu gesehen zu haben — und bekanntlich täuscht sich nicht ein Mann, der Eliahu gesehen hat. Bei jedem Briss will er Sandik*) sein, in der Erwartung, den Propheten wieder zu sehen, den er schon kennt. An den Pessachnächten ist der für Eliahu vorbereitete Becher in seinem Hause besonders gross. Es verlautet, dass aan oft an Rebb Mosche herangegangen sei mit der Bitte, er möge sich beim Propheten Eliahu verwenden, dass der ausgebliebene Regen in Strömen komme. Wer trotz all dieser Beweise noch zweifelt, möge aufmerksam auf die Erzählung des Rebb Mosche am Seder-Abend hören. *) Beisitzer.

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