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Ost und West · 1909-04-01 · Heft 4 (April 1909) · p. Seite 269 - 270

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Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 4 (April 1909)
Article
Die Orientschulen der Alliance Israélite Universelle
Date
1909-04-01
Page
Seite 269 - 270 (sequence 9)
Language
German
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269 Die Orientschulen der Alliance Israelite Universelle. 270 ungeschulten Lehrkräften, den Rabbinern alter Schale, denen nach hergebrachter feststehender Sitte der hebräische Unterricht in den Gemeinden des Orients anvertraut wird und vorerst nicht aus den Händen genommen werden kann. Sache der Alliance wird es sein, hierin eine Besserung anzubahnen und allmählich herbeizuführen. Der Unterricht wie auch die religiöse Erziehung und die damit eng verbundene sittliche Ausbildung, die unsere Schüler und Schülerinnen erhalten, entspricht durchaus den religiösen, sittlichen und materiellen Bedürfnissen der dortigen israelitischen Bevölkerung. 4. Es ist eine Verkennung oder Entstellung der Tatsachen, wenn gesagt wird, dass die Schulen der Alliance nur wenig zur geistigen, sittlichen und wirtschaftlichen Hebung der Gemeinden beigetragen haben. Das Gegenteil ist der Fall. Weitreichend und tiefgehend ist der Segen, den die Ailiancesehulen gestiftet haben. Was die Türkei an besseren Elementen unter den Juden aufzuweisen hat, die vielen durch Bildung, Wohlhabenheit, Lebens- und Ehrenstellung, Einlluss und Ansehen hervorragenden Israeliten der Türkei, insbesondere die leitenden Männer in den grösseren Gemeinden, sind fast alle durch die Schulen der Alliance hindurchgegangen. Gewesene Schüler der Alliance stehen überall an der Spitze, wo es gilt, Bildung und Wissen zu verbreiten, Wohltun zu üben, Gutes anzuregen und zu fördern, die Ehre des Judentums zu vertreten und zu erhöhen, das Wohl des Vaterlandes zu heben und zu mehren. Von den Schülern und Schülerinnen der Alliance ist die äussere Hebung und innere Kräftigung des Judentums im Orient ausgegangen, und auf diesem Wege wird der geistigej sittliche und wirtschaftliche Fortschritt der jüdischen Bevölkerung wie bisher immer weiter sich vollziehen. „Es liebt die Welt, das Strahlende zu schwärzen." Das Nachteilige, das irrtümlich oder falsch über die Alliance~ gesagt worden ist, hat weiteste Verbreitung gefunden, die geschwätzige Fama hat es weitergetragen, selbst die Feder eines unserer G-eschichtsschreiber hat Irriges ungeprüft niedergeschrieben. Das Herrliche aber, las über die Alliance zu sageu ist, wird viel zu wenig gesagt, die grosse Segensmacht der Alliance viel zu wenig gewürdigt. Die Alliance hat mit verhältnismässig geringen Mitteln Grosses, Wunderbares geleistet. Wir haben das Grosse mit Augen gesehen, aber auch gesehen die Unzulänglichkeit der Mittel, die bei weitem nicht hinan - reichen an die Höhe und Fülle der Aufgaben, die zu bewältigen sind. Das Schulwerk der Alliance bedarf dringend des Ausbaues, bedarf trotz der bis jetzt erzielten ausgezeichneten Erfolge immer fortschreitender Verbesserung. Wir brauchen Geld, nicht allein, um neue Schulen zu schaffen und bereits bestehende zu vervollkommnen und zu erweitern, sondern auch, um unsere Lehrer besser zu bezahlen, dem Lehrermangel abzuhelfen, minderwertige Lehrer durch bessere, ungeeignete Scbulgebäude durch Neubauten zu ersetzen, unsere Schulen mit besseren Schulgeräten und reichlicheren Lehrmitteln zu versehen, notwendige Umbauten, Reparaturen, Neuanschaffungen vorzunehmen, wenn möglich, allen unseren armen Kindern die Wohltat unentgeltlichen Unterrichts, unentgeltlicher Speisung und Kleidung angedeihen zu lassen. Die Gemeinden ton vieles, aber noch mehr überlassen sie der Alliance. Wie viele berechtigte, dringende Wünsche müssen unerfüllt bleiben, weil es an Geld fehlt! Welch neuer Segen wäre es, wenn es gelänge, für unsere Alliance neue reiche Hilfsquellen zu erschliessen, neue Scharen von Mitgliedern zu werben und vor allem grossherzige Wohltäter von neuem zu gewinnen, wie sie in früheren Jahren der Stolz und die Stütze der Alliance gewesen sind. Hochherzige Spender, deren Name mit goldenen Buchstaben in den Annalen der Alliance verzeichnet steht, deren Andenken unauslöschlisch fortlebt und fortleuchtet in ihren Stiftungen und Vermächtnissen. Wir brauchen Wohltäter im Grossen, die überall, wo die Ebbe des Geldmangels oder eines Defizits eintritt, sofort die ausgleichende füllende Flut ihres Ueberflusses hinzuleiten in der Lage und bereit sind. Solche Männer müssten wieder für uns erstehen. Die Alliance Israelite Universelle benötigt und verdient nicht allein die wärmste Sympathie, sondern benötigt und verdient auch ausgiebigste tatkrättigste Unterstützung. Helfen wir der Alliance, werben wir für die Alliance nach Kräften. Die wenigsten Juden wissen, wie unendlich viel das Judentum der Alliance zu danken hat. Nicht nur Freunde und Anhänger, auch wahrheitsliebende Gegner der Alliance mögen die Eeise machen, die wir gemacht haben und mit Unbefangenheit und Gewissenhaftigkeit prüfen, wie wir geprüft haben. Ihr Urteil über das Schulwerk der Alliance wird nicht anders lauten als das unsere: Viel Licht und wenig Schatten. jllearySeligman,Frankfurta.M.j ^™£S seines achtzigsten Geburtstages starb am 19. Februar Herr Henry Seligman. Der Verstorbene, dessen Bild wir im Januar-Heft unseren Lesern gezeigt, dessen menschenfreundliches Wesen und Wirken wir geschildert haben, ist am 6. Dezember 1828 inBeiersdorf geboren. Als Achtzehnjähriger wanderte er nach Amerika aus. Im 'Jahre 1861 kehrte er nach Deutschland zurück und machte sich in Frankfurt a. M. ansässig. Im Verein mit einem seiner Brüder und mit seinem Schwager Stettheimer gründete erhierdasBankhausSeligman&Stettheimer, ^asimAnschlussan die grossen Seligmanische Bankhäuser in New-York, San Francisco, New-Orleans, London und Paris eine überaus rege und grosszügige Tätigkeit entfaltete. Henry Seligman war Ehrenbürger seines Geburtsortes Beiersdorf, wo er mit seinen Brüdern zusammen, zum Andenken an die Eltern, ein Kinderheim gestiftet hat. Siebenzigster Geburtstag. Am 13. März hat in körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische der langjährige Freund und Förderer unserer Sache, Herr Hauptlehrer a. D. Albert Herbst in Lissa in Posen, den siebenzigsten Geburtstag gefeiert. Das Deutsche Bureau der Alliance Israelite Universelle hat dem verdienstvollen Jubilar herzliche Glückwünsche übermittelt. * *

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