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Ost und West · 1909-04-01 · Heft 4 (April 1909) · p. Seite 253 - 254

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Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 4 (April 1909)
Article
Die Orientschulen der Alliance Israélite Universelle
Date
1909-04-01
Page
Seite 253 - 254 (sequence 1)
Language
German
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253 254 a\\vv— .....""Hirn Vx MITTEILUNGEN f/4 BERLIM.fN 2^. ansdcm Deutschen Bureau der IS Alliance Jsraelile üniveiselle nra nr crns*E§3> bs-ittr ^> Orament>urgerstn4?43 DIE ORIENTSCHULEN DER ALLIANCE ISRAELITE UNIVERSELLE. Bericht des Herrn^ Rabbiner Dr. Porges-Leipzig, erstattet in der 6. Tagung der Deutschen Conferenz-Gemeinschaft am 16. Februar 1909. Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. Man wird es mir nicht als törichte Eitelkeit auslegen, wenn ich sage: Ich bin stolz darauf, dass es mir vergönnt gewesen ist, gemeinsam mit dem trefflichen Kollegen Professor Isr. Levi und hegleitet von unserem vielgereisten und vielerfahrenen, orts- und personenkundigen Sekretär Benedict einen Teil unserer Schulen im Orient zu inspizieren. Allen denen, die das" Vertrauen des C. C. auf meine Person gelenkt haben, sage ich herzlichen Dank für die mir zugedachte und zugefallene Auszeichnung. Sowohl mein verehrter Kollege Levi als auch ich waren bemüht, durch gewissenhafte, eifrige Arbeit in der Erledigung unserer nicht immer leichten und nicht immer angenehmen Aufgabe das Vertrauen zu rechtfertigen, dem wir unsere Entsendung zu verdanken haben. ' Heute wird mir die Freude und" die Ehre zuteil, im Kreise meiner Kollegen vom C. C. und der Mitglieder des Berliner Lokal - Comites den ersten mündlichen Bericht über unsere Mission zu erstatten. Mein Pariser Kollege hat in einem zweistündigen Rapport den Stoff nicht zu bewältigen vermocht und wird noch eines zweiten Vortrages bedürfen, um sein Thema zu Ende zu führen. Ich werde mich bestreben, möglichst kurz zu sein und doch das wichtigste mitzuteilen. Auf jede stilistische Kunstleistung und allen Redeschmuck verzichtend, werde ich schlicht und sachlich berichten. Ich schicke voraus, dass zu meiner grossen Freude das dreimonatliche Zusammensein und Zusammenarbeiten mit meinen beiden Reisegefährten nicht allein zu einem persönlichen Zusammenstimmen, sondern auch zu einer fast bis ins kleinste gehenden Uebereinstimmung der Meinungen geführt hat, ohne dass einer von uns beiden dadurch in seinem Urteil jemals sich beeinträchtigt fühlen konnte. Sie wissen alle, was den Anstoss zu unserer Inspektionsreise gegeben hat. Weitverbreitete Behauptungen, die geeignet waren, Misstrauen gegen die Alliance zu erzeugen, den Ruf der Alliance zu schädigen, üble Nachrede, die man darum nicht zu ignorieren, nicht von vornherein als Verdächtigung zu bezeichnen das Recht hatte, weil sie selbst von ernsten, wahrheitsliebenden Männern ausgesprochen, nicht etwa nur von Gegnern, sondern auch von Freunden der Alliance nachgesprochen wurde. Es galt also, diese Behauptungen auf ihre Richtigkeit zu prüfen, das Hörensagen an der Hand eigener Wahrnehmungen und Beobachtungen zu kontrolieren und richtigzustellen. Dieser Aufgabe haben wir uns mit der grössten Gewissenhaftigkeit unterzogen, ohne Voreingenommenheit und ohne Vorurteil, und dabei unser Hauptaugenmerk auf die Beantwortung der Punkte gerichtet, die uns von unserem C. C. als die wichtigsten bezeichnet worden waren. Wir waren nicht wie manche andere, die zum Vergnügen reisen, die immer eilfertig nur das hören und sehen, was der Zufall ihnen zuträgt, und blindlings glauben, was der erste beste, der nicht immer der beste ist, ihnen erzählt. Wir haben möglichst viel und möglichst genau beobachtet, gesehen und gehört, gefragt, geprüft und geforscht, Erkundigungen eingezogen und Mitteilungen entgegengenommen, um jeder Sache möglichst auf den Grund zu gehen und ein selbständiges unbefangenes Urteil uns zu bilden. Wir haben überall nicht allein Direktoren und Lehrer, sondern auch Rabbiner und Gemeindevorstände, Notablen und schlichte Leute aus dem Volk, ja selbst Schulkinder auf der Strasse befragt, Gönner und Gegner der Alliance, Zionisten und Nichtzionisten ausgehorcht, mit unseren Lokal- Comites und Schul - Comites, mit Männern jeder religiösen Richtung, mit Vertretern aller Parteien und mit Abordnungen zahlreicher Vereine Besprechungen gepflogen, wir haben' sehr viele Besuche empfangen und gemacht. Wir Hessen nicht allein jeden zu Worte kommen, sondern forderten auch alle zu offener Rede heraus. Mein Kollege Levi, dem in erster Reihe das Amt des Sprechers zufiel — ich konnte dafür unterdessen in Ruhe meine Aufzeichnungen machen oder Sitzungsprotokolle führen — hat jedesmal die Gelegenheit ergriffen, eine aufrichtige Beantwortung der Frage zu fordern, ob das Wirken der Allianceschulen sich als nützlich erwiesen habe oder nicht, ob es wahr sei, was von mancher Seite behauptet wird, die Allianceschulen erziehen ihre Schüler zu schlechten Juden, die das Judentum geringschätzen, zu schiechten Patrioten, die mehr Franzosen als Ottomanen seien, oder gar zu schlechten Kindern, die pietätlos gegen ihre Eltern handeln. Wir haben auch zu ermitteln gesucht, welchen Berufen vorzugsweise die Schüler der Alliance nach ihrer Entlassung sich zuwenden, welche Stellungen sie in ihrem Berufe einnehmen, welchen Einfluss ehemalige Schüler der Alliance in der Gemeinde ausüben. Wir haben fleissig, wir dürfen sagen, sehr fleissig gearbeitet, nur 3—4 Tage für Zwecke verwendet, die

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