Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 4 (April 1909)
- Article
- Victor Scharf
- Date
- 1909-04-01
- Page
- Seite 217 - 218 (sequence 2)
- Language
- German
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217 A. S. Levctus: Victor Scharf. 218 VICTOR SCHARF. PARIS. Porträt des Herrn von Montesiczky. Kultus und Unterricht hat seine „Holländische Fischer'4 für die moderne G-allerie erworben, wie auch das Museum in Udiue sein Interieur in der Provence. Seine Werke haben ebenso in anderen vornehmen Galerien Platz gefunden. Scharf wird jedes Jahr eingeladen, im Carnegie Institute in Pittsburg auszustellen,und die Amerikaner wissen ihn zu würdigen. Im Jahre 1902 und 1907 waren Kollektiv-Ausstellungen «seiner Bilder bei Schulte in Berlin zu sehen, und auch hier hat der hochbegabte junge Künstler Anerkennung und Verständnis gefunden. Scharf ist ein Maler von feinsten Instinkten, mit der Fähigkeit begabt, diese auszudrücken. Seine künstlerische Entwicklung hat ihm von aller Manieriertheit befreit. Dies sieht man nicht nur in seinen Porträts, sondern auch in seinen Genrebildern, die voll von Innigkeit, Duft und Harmonie sind. Seine poetische Auffassung'und die Zartheit der Textur erfreuen alle Kunstfreunde. In "Wien haben seine Martje - Bilder grossen Anklang gefanden. Diese kleine Martje, die in Volendam lebt, war stets ein Lieblingsmodell Scharfs. Es sind eine ganze Reihe: Martje in der Küche, auf der Strasse, im Kämmerlein, beim häuslichen Unterricht. Das tägliche Leben Martjes ist hier erzählt. Man kann dieses liebe Wesen wie ein offenes Buch lesen, ein stimmungvolles Buch, mit innigster Liebe dargestellt und mit einem feinsten und intimsten Verständnis des Kindeslebens. Die Farben sind echt holländisch, denn Scharf hat sich auch in diese Luft hineingefunden, dass er mit seinem Pinsel dieselbe Sprache spricht, die dort gesprochen wird. Weiche Töne, dunkle Schatten in sanften Skalen, die sich stets zu klangvollen Harmonien vereinigen. Es ist Poesie darin, reine Poesie, die die Eigenart eines dichterischen Malers ausdrückt. Der Künstler liebt Holland und Volendam vor allem. Er liebt auch die Provence, die Bretagne und Flandern, er versteht die alten Städte, ihre Lichter, ihre Schatten, ihre Farbenfibrationen finden Echo in seinem Herzen und durch ihn im Herzen anderer. Eigentlich soll Victor Scharf zuerst als Porträtmaler genannt werden. Ich erwähne sein Bild des Dr. Guichard, Professors der Chemie, das in seiner Kollektiv-Ausstellung zu sehen war, das Porträt eines Gelehrten, auf dem die scharten Kontraste zwischen dem roten Sofa und schwarzen Hut so fein hervorgehoben sind, oder das Bild der Frau Scharf, La plume bleue, wo die verschiedenen Nuancen des grünen schimmernden Kleides eine so stimmungsvolle Wirkung im Gegensatz zu der blauen Feder hervorbringen, die den kleinen Hut schmückt. Auch andere Porträts von Herren und Damen haften fest in der Erinnerung, eine Dame in weissem Kleide mit schwarzem Gürtel, eine andere ganz weiss in Weiss gekleidet, oder weiss mit rotem Mantel, überall wohlabgetönte Nuancen in der ihm ganz eigenen Weise hingesetzt. Und nicht nur in der Porträtur, auch in der Harmonie des Arrangements zeigt sich Scharf als echter Künstler. Seine Eigenart der Darstellung sieht man in allen seinen Werken. Auch versteht er die Behandlung des Lichtes. Von Scharfs anderen Bildern könnte noch viel gesagt werden, von seinem grossen Bilde, die Bibelleserinnen, das er im Sommer 1903 in Volendam malte. Es sind sieben weibliche Figuren, sieben verschiedene Lebensalter, sieben verschiedene Gesichtstöne, alle tragen weisse Tüllhäubchen von verschiedenen Abtönungen, und schwarze Kleider von verschiedenen Nüancen. Ein feines Bild voll Stimmung und Pietät mit innigem Verständnis und wahrer Liebe dargestellt. Scharf verspricht sehr viel, eine grosse Zukunft liegt vor ihm, man sieht, wie er von Jahr zu Jahr grösser wird, wie er selbstbewusst seine eigenen Wege geht. Er schreitet immer vorwärts, denn sein Ziel steht klar vor ihm, und er rastet nicht.