Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 9 (1909)
- Issue
- Heft 4 (April 1909)
- Article
- Victor Scharf
- Date
- 1909-04-01
- Page
- Seite 215 - 216 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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215 216 VICTOR SCHARF. Von A. S. Levetus. (Mit 12 Illustrationen). Nachdruck verboten. Es ist gerade drei Jahre her, dass in der Herbstkonnte er sich durchaus nicht zurechtfinden. Da er- Ausstellung im Künstlerhaus Yictor Scharf sich als folgte — für ihn im rechten Augenblick — die fertiger Künstler zeigte. Der grosse Saal war mit Gründung der Schule Whistlers, an die er sich sofort seinen Bildern, sechszig an der Zahl, bedeckt, und die anschloss. Der grosse Künstler interessierte sich leb- Feinheit seiner Kunst sowohl in der Porträtals in der Genremalerei hat ihm sofort Lob und Anerkennung bei der Kritik wie bei der Laienschaft eingetragen. Seine künstlerische Begabung hat man gekannt; denn Scharf ist ein Wiener Kind, und Wien kennt seine Kinder und freut sich ihrer Entwicklung. Der Weg aber zur wahren Kunst ist schwer, selbst wenn man sich frühzeitig deren Studium zuwenden kann; und Scharf war schlechter daran, denn seinem Vater zu Liebe musste er den Doctor-Hut erlangen, ehe er sich dem Antrieb seines Talents hingeben konnte. Victor Scharf stammt von Juden ab; er ist im Jahre 1872 zu Wien geboren; sein Vater, Alexander Scharf, einer der Mitbegründer der Israelitischen Allianz in Wien. Nachdem der Knabe das Gymnasium absolviert hatte, bezog er die Wiener Universität, wo er sich der juridischen Fakultät widmete; im Jahre 1895 wurde er zum Doctor juris promoviert. Jetzt war er frei und konnte seiner Sehnsucht folgen nächst nach München, wo er an der Akademie unter dem alten Herterich zwei Jahre studierte. Bei ihm lernte er das Zeichnen, und während der Sommermonate machte er Freilicht-Studien mit der Malschule Hollo sys in Ungarn. Sein nächstes Ziel war Paris, das er später zu seinem bleibenden Wohnsitz erwählte. Dort besuchte er, wie alle fremden Kunstjünger, die Julienschule, die er bald verliess, denn in den alten akademischen Methoden der dort wirkenden Künstler VICTOR SCHARF. Selbstporträt. Er ging zuhaft für ihn und korrigierte daher seine Bilder selbst. Dieser Schule war nur kurzes Leben beschieden — infolge der Zwistigkeiten unter den Schülern musste sie bald aufgelöst werden. Vielleicht nicht zum Schaden der Schüler, denn Whist lers Persönlichkeit war so überwältigend, dass sie der Gefahr ausgesetzt waren, zu blossen Nachahmern herabzusinken. Selbst bei Scharfs Bildern aus dieser Zeit merkt man den allzugrossen Einfluss des berühmten Meisters, besonders in seiner Alte Bretonin, das ganz in dunkelgrünen Tönen gehalten ist. Von Whistler ging Scharf zu Carriere und arbeitete in dessen Atelier. In ihm fand er einen Lehrer, wie er ihn ersehnte, denn Carriere war auch Pädagoge und strebte, im Gegensatz zu Whistler, nach einer breiten Entfaltung der Eigenart seiner Schüler. Bald gelangte Scharf zur vollen künstlerischen Selbständigkeit. Im Jahre 1901 stellte er zuerst in Paris aus: in der Societe Nationale des Beaux-Arts (Champs de Mars). Das Bild, ein Porträt seiner Frau, einer hübschen temperamentvollen Süd-Französin. Auf Grund dessen wurde er zum Associe der Societe ernannt, eine Auszeichnung, die die Jury-Freiheit zur Folge hat. Seit dieser Zeit beschickte Scharf regelmässig die Ausstellungen in Paris, wie auch in Wien, wo sein grosses und stets wachsendes Talent überall anerkannt wurde. Für sein Porträt des Herrn von M., das er im Künstlerhaus im Frühjahr 1906 ausstellte, erhielt er die goldene Staatsmedaille, das Ministerium für PARIS.