Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1909-03-01 · Heft 3 (März 1909) · p. Seite 195 - 196

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 3 (März 1909)
Article
Die sechste Tagung der deutschen Conferenz-Gemeinschaft der Alliance Israélite Universelle
Date
1909-03-01
Page
Seite 195 - 196 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2583875-2583980-2583984-2599313--09186-2599382
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

195 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Die sechste Tagung der Deutschen Conferenz-Gemejnschaft etc. 196 linge unterrichtet, vielfach auch gekleidet und gespeist. Für. dieses Hilfswerk hat die Alliance im ordentlichen Etat 1,5 Millionen Francs; im4 ausserordentlichen 5U0 000 Francs, zusammen 2 Millionen Francs, aufgewendet/' Nachdem der Geschäftsbericht allseitige Zustimmung gefunden und die Diskussion überall einmütige Auffassung ergeben hatte, entwickelte der Vorsitzende den Arbeitsplan für das Jahr 1909, der gleichfalls volle Genehmigung fand. Die Berichte der Mitglieder über ihre Bezirke (Punkt II der Tagesordnung) Hessen erkennen, dass allerwärts das Interesse für die A. I. U. im Steigen ist, dass in allen Bezirken ausnahmslos die Mitglieder mit Eifer und Liebe für das Werk arbeiten. Der unsubstantiierte und unbegründete Censurversuch eines einzelnen Comites wurde einstimmig zurückgewiesen. Zu Punkt III der Tagesordnung wurden besondere Anträge nicht gestellt. Zu Punkt IV der Tagesordnung wurde zur Weitergabe nach Paris einhellig beschlossen: Die D. C. G. spricht die Erwartung aus, dass das C. C. der A. I. U. 1. Zöglinge der Ecole Normale Orientale in Paris auch in diesem Jahre zur Ausbildung in der deutschen Sprache nach Deutschland schicken wird, und stellt den dringenden Antrag, 2. dass der deutsche Sprachunterricht in den Orientschulen der Alliance immer mehr erweitert und ehestens in einigen dazu besonders geeigneten Allianceschulen in Marokko eingeführt werde. Zu Punkt V der Tagesordnung wurden die seitherigen Vorstandsmitglieder, nämlich die Herren Geheimrat Goldberger (Berlin) als Vorsitzender, Philipp Schiff (Frankfurt a. M.) als stellvertretender Vorsitzender, Justizrat Behrendt (Danzig), S.Flörsheim (Dortmund), Kabbiner Dr. BVank (Köln) und Eabbiner Dr. Werner (München) als Beisitzer durch Zuruf auf drei Jahre wiedergewählt. Es folgte alsdann der vorläufige persönliche Bericht des Herrn Eabbiner Dr. Porges-Leipzig über seine in Gemeinschaft mit Herrn Rabbiner Israel Levi- Paris im Auftrag des Central-Comit6s unternommene Inspektionsreise zu den Allianceschulen im Orient. Alle Anwesenden lauschten mit gespannter Aufmerksamkeit den mehrstündigen fesselnden Ausführungen des Redners, die in jedem Betracht erfreulich waren. Herr Dr. Porges fasste das Ergebnis dahin zusammen: 1. Die Anklagen, die gegen die religiöse Richtung unserer Schulen, gegen die religiöse Führung unserer Lehrer und ehemaligen Schüler vorgebracht worden, sind unbegründet, irrtümlich erhoben oder tendenziös erdichtet oder auch ungerechtfertigte Verallgemeinerungen bedeutungsloser Einzelfälle. 2. Der Religionsunterricht an unseren Schulen, weit entfernt davon, das judisch-religiöse Gefühl zu schwächen, hat vielmehr dazu beigetragen, dieses Gefühl zu stärken und der heranwachsenden Jugend aufrichtige Liebe zum Judentum, wie t auch Verständnis-und'Eifer für die Ehre des Judentums einzuflössen. Der von der Alliance zuerst eingeführte Unterricht in der jüdischen Geschichte hat sich als wertvolles Mittel zur Hebung des jüdisch-religiösen Sinnes bewährt. 3. Der hebräische Unterricht an unseren Schulen ist durchschnittlich genügend, an einigen Schulen sogar sehr gut. Verständnis alier leichteren Stücke der Bibel im Urtext wird in der Mehrzahl der Knabenschulen erreicht, genaue Kenntnis des Gebetbuchs und geläufiges Beten überall von Knaben und Mädchen, das Auswendigwissen eines grossen Teils des Gebetbnchs und die volle Beherschung des gottesdienstlichen Gebetstoftes von den Knaben. Wo der hebräische Unterricht zu wünschen übrig lässt, liegt die Schuld an den ungeeigneten pädagogisch ungeschulten Lehrkräften, denen nach hergebrachter feststehender Sitte der hebräische Unterricht in den Gemeinden des Orients anvertraut wird und vorerst nicht aus den Händen genommen werden kann. Sache der Alliance wird es sein, hierin eine Besserung anzubahnen und allmählich herbeizuführen. Der Unterricht wie auch die religiöse Erziehung und die damit eng verbundene sittliche Ausbildung, die unsere Schüler und Schülerinnen erhalten, entspricht durchaus den religiösen, sittlichen und materiellen Bedürfnissen der dortigen israelitischen Bevölkerung. 4. Es ist eine Verkennung oder Entstellung der Tatsachen, wenn gesagt wird, dass die Schulen der Alliance nur wenig zur sittlichen und wirtschaftlichen Hebung der Gemeinden beigetragen haben. Das Gegenteil ist der Fall. Weitreichend und tiefgehend ist der Segen, den die Allianceschulen gestiftet haben. Was die Türkei an besseren Elementen unter den Juden aufzuweisen hat, die vielen durch Bildung, Wohlhabenheit, Lebens- und Ehrenstellung Einüuss und Ansehen hervorragenden Israeliten der Türkei, insbesondere die leitenden Männer in den grösseren Gemeinden, sind fast alle durch die Schulen der Alliance hindurchgegangen. Gewesene Schüler der Alliance stehen überall an der Spitze, wo es gilt, Bildung und Wissen zu verbreiten, Wohltun zu üben, Gutes anzuregen und zu fördern, die Ehre des Judentums zu vertreten und zu erhöhen, das Wohl des Vaterlandes zu heben und zu mehren. Von den Schülern und Schülerinnen der Alliance ist die äussere Hebung und innere Kräftigung des Judentums im Orient ausgegangen, und auf diesem Wege wird der geistige, sittliche und wirtschaftliche Portschritt der jüdischen Bevölkerung wie bisher immer weiter sich vollziehen. Der Vorsitzende sprach namens der Versammlung dem Berichterstatter herzlichen Dank aus. Einstimmig wurde beschlossen: Die sechste Tagung der D. C. G. nimmt den Bericht des Herrn Rabbiner Dr. Porges-Leipzig über seine im Auftrag des C. C. unternommene Schulinspektionsreise mit lebhafter Befriedigung zur Kenntnis und spricht dem verehrten Kollegen für die durch Uebernahme der beschwerlichen Reise bewiesene Opferwilligkeit anerkennenden herzlichen Dank aus.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.