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Ost und West · 1909-02-01 · Heft 2 (Februar 1909) · p. Seite 99 - 100

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Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 2 (Februar 1909)
Article
Ein Rat
Date
1909-02-01
Page
Seite 99 - 100 (sequence 3)
Language
German
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99. Scholem Aleichem: Ein Rat 100 ^gqyfn11" FRIEDR. OVERBECK. Die sieben mageren )ahre. (Nach einer Originalaufnahme von Dr. Fr. Stoedtner, Berlin.) NATIONAL-GALLERIE BERLIN. Meinen Schwiegervater jkennt Ihr sicher — mein ich — den Namen möchte ich Euch nicht nennen, das passt sich nicht. Er ist ein Mensch — miisst Ihr wissen — der gern von sich reden macht. Zum Beispiel hat er für die Abgehrannten in Bobruisk die grösste Spende gegeben und für Kischenew hat er mehr als irgend jemand gezeichnet. Freilich in unserer Stadt gibt er nur wenig ... Er ist eben kein Narr. Gibt er für die Fremde, so erfahrens alle. Aber bei uns, da hat man vor ihm ohnehin Respekt Wem zu liebe soll er sich da noch einen bessern Namen machen? Er dreht eben alhn eine Nase und hat ein Prinzip: wenn man ihn um eine Gabe bittet, gibt er nicht. Wenn einer ihn aügeht, stellt er sich tot und — sagt: „Ah, ihr kommt schon, da ist der Schlüssel. Geht allein zum Schrank und n^hmt Euch, so viel Ihr wollt'' ,. . Meint Ihr vielleicht, er gibt die Schlüssel? t*w.: * "'*V:'.f* "V /"v * ".-"iL .-•■■*k. . 1 «Vo^x %ä *säjn** ^>#^I'1> * «M -ft YO 40F>^i' V L P. VON CORNELIUS. iwrjF&w* m ^•-'■^ L^#^Bk^3^ . NATIONAL-GALLERTE BERLIK. Josef deutet den Traum Pharaos. (Nach einer Originalaufnahme von Dr. Fr. Stoedtner, Berlin.) Schon falschI . . Die Schrankschlüssel liegen immer verschlossen in einem Tischkästchen und der Schlüssel von dem Tischkästchen liegt wo anders begraben . . . So ein Mensch ist er — mein Schwiegervater — mein ich! — Was ist da zu reden? Und wirklich, unter uns gesagt; bei uns nennt man ihn mit dem richtigen Namen: Schweinekerl. Das heisst nur, wenn man hinter seinem Rücken von ihm spricht. Sonst aber wird ihm sogar geschmeichelt, dass man Schluckbeschwerden kriegen kann. Und er nimmt die süssen Worte alle als bare Münze, reibt sich vergnügt den Bauch und lebt einen guten Tag. Was htrisst: lebt? Leben und leben ist noch nicht dasselbe! Bedenkt selbst, ein Mensch steckt nicht seine Hand in kaltes Wasser, wohnt fein, isst gut, schläft gut, was braucht der Mensch noch mehr? Nach dem Schlafen lässt er seinen Phaeton anspannen und fährt ein bisschen durch den Strassenschmutz spazieren. Und abends lädt er sich so allerlei Leute au« der Stadt ein, die schon die richtigen Melodien pfeifen ... Die Sonne verfinstert sich bei ihrem Gerede. Wenn es Tas: wäre — meine ich — würde sie sich verfinstern. Die ganze Stadt wird beklatscht und die ganze Welt bespöttelt Dann holt man den grossen Samowar und setzt sich mit Schmuel Abo, dem Schächter, zum Dominospiel. Schmuel Abo, der Schächter, müsst Ihr wissen, ist ein junger Mann, noch mit den richtigen Schläfenlöckchen. Aber er ist schon ein Mensch von heute und trägt einen weissen Kragen und gewichste Stiefel. Er kann gut singen, ist sogar schon abonniert auf eine Zeitung, und wenn er mal ein junges Weib sieht, schlägt er die Augen nicht zu Boden W\ l '& # vv -kW-HÄ&l --^atei /Ä?n aV >-. h

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