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Ost und West · 1909-01-01 · Heft 1 (Januar 1909) · p. Seite 61 - 62

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 1 (Januar 1909)
Article
Die Israeliten in Russland
Date
1909-01-01
Page
Seite 61 - 62 (sequence 2)
Language
German
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Mitteilungen der Alliance Isra^lite Universelle: Die Israeliten in Kussland. 62 Die materielle Lage der Israeliten in Russland ist sehr beunruhigend. Wo sie dicht beisammen wohnen, sind sie in Mengen — in Odessa beispielsweise zu 50000 — auf die Mildtätigkeit ihrer Glaubensgenossen angewiesen. Wenn gleichwohl ein beträchtlicher Rückgang der Auswanderung im Jahre 1908 zu verzeichnen ist, so sind die Gründe liierfür: einerseits die Cholera, die in Russlarid gewütet hat, andrerseits die schwere wirtschaftliche Krise in den Vereinigten Staaten. Besonders diese Krise hat viele russische Israeliten von der Auswanderung abgehalten. Die jüdische Bevölkerung verlangt übrigens nicht mehr, als in Russland leben und arbeiten zu können, wenn man nur ihre Sicherheit nicht jeden Augenblick bedroht, wie es in den traurigen Jahren 1905 und 1906 der Fall gewesen ist. In dieser Beziehung hat sich offenbar eine gewisse Abspannung gezeigt. Haben die antijüdischen Organisationen ihr Verhetzungsgeschäft in Zeitungen und Flugschriften auch ohne Ermüden fortgesetzt, so scheint doch allmählich die öffentliche Meinung ihnen die Gefolgschaft zu sersagen. Aus dem Abscheu vor den Pogromen ist eine Art Beruhigung entstanden, der man nur Dauer wünschen möchte. HENRY SELIGMAN. Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. Den achtzigsten Geburtstag feierte am 6. Dezember d. J. in körperlicher Rüstigkeit und geistiger Frische Herr Henry Seligman in Frankfurt am Main, der durch Intelligenz, Lauterkeit des Charakters und durch gewinnende, liebenswerte Persönlichkeit zu den angesehensten Bürgern seiner Heimatstadt zählt. Bekannt ist Henry Seligman in allen Kreisen Frankfurts wegen seiner in grossem Stile geübten Wohltätigkeit. Er wurde von jeher in Frankfurt zu denen gerechnet, die „die grosse Hand zum Geben" besitzen; sein Name ist stets zusammen mit denen unserer bekanntesten Philanthropen genannt worden. Auch anlässlich der achtzigsten Wiederkehr seines Geburtstages hat Henry Seligman die Armen und Bedrängten in reichem Masse bedacht. Trotz seiner Jahre ist er in einer ganzen Reihe von Wohltätigkeitsanstalten an leitender Stelle tätig. Sein Geburtstagsfest, das er an der Seite der rüstigen Gattin und treuen Lebensgefährtin, sowie im Kreise seiner Kinder, Enkel und Urenkel beging, setzte eine grosse Schar von Gratulanten aus allen Bevölkerungsklassen Frankfurts in Bewegung. Die Alliance, zu deren ältesten Mitgliedern Henry Seligman zählt, brachte dem Jubilar gleichfalls ihre Glückwünsche dar. Das Präsidium der Conferenz-Gemeinschaft sandte ein warm empfundenes Telegramm, während das Lokal-Comite seine herzlichsten Wünsche schriftlich übermittelte. Henry Seligman. Die Israeliten in Marrakesch. Von dem Leiter der Alliance-Schule in Marrakesch sind an den Präsidenten des Central-Comites folgende Berichte gekommen: „Marrakesch, 27. November 1908. Ich beehre mich Ihnen anzuzeigen, dass ich mich seit dem 23. dieses Monats in Marrakesch befinde. Meine Reise war durch keinen ernsthaften Zwischenfall unterbrochen. Allerdings haben wir uns immer von dem gewöhnlichen Wege fernhalten müssen, um etwaige Begegnungen mit minder gastfreien Kabylen zu vermeiden. Meine Ankunft im Mellah wurde von unseren Glaubensgenossen, die meine Gegenwart als ein Unterpfand dauernder Sicherheit betrachten, mit Begeisterung begrüsst. Ehegestern habe ich mit Herrn M. Y. Corcos dem Grossvesir einen Besuch abgestattet. Si Madani empfing mich sehr freundlich. Er kam mir bis zur Pforte seines Hauses entgegen, hiess mich an seiner Seite niedersitzen und fragte mich sofort, ob die Alliance von seiner Antwort befriedigt sei. Ich wiederholte ihm den Ausdruck Ihrer achtungsvollen Dankbarkeit und versicherte ihm, dass er durch die kürzlich von ihm ergriffenen gerechten und menschenfreundlichen Massnahmen sich nicht nur die Dankbarkeit aller Israeliten, sondern auch die Achtung und die Sympathie aller zivilisierten Nationen gewonnen habe. Er versicherte mehrfach, dass er die Israeliten wegen ihres Fleisses und ihrer Einsicht sehr liebe und dass er alles für ihre Sicherheit und ihr Wohlbefinden tun werde. „Was Sie und Ihre

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