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Ost und West · 1909-01-01 · Heft 1 (Januar 1909) · p. Seite 27 - 28

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
9 (1909)
Issue
Heft 1 (Januar 1909)
Article
Die Josefsgeschichte in der bildenden Kunst
Date
1909-01-01
Page
Seite 27 - 28 (sequence 6)
Language
German
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27 G. Kutna: Die Josefsgeschichte in der bildenden Kunst. 28 wie röchelnd im Klageton. Die ganze Sippe drängt heran, alle wissen sie's schon, jetzt aber erfährt es der Vater. Eben hat er den Rock erblickt, und wie vom Element niedergeschlagen, fällt der alte Hirte hin. Nun erst schreien die anderen auf, und durch Hof und Flur geht ein Klagen und Wimmern. Wie die Gruppen sich da drängen, verdichten und überschneiden, wie das Licht — mehr als es sonst bei Rembrandt der Fall ist — diffus über die Gestalten sich breitet, das erweckt den Eindruck einer vom Innersten her aufgewühlten Menge. Die Radierung (B.38) ist aufs höchste konzentriert und eindringlich. Die zwei Söhne drängen Jakob an, er stösst einen dumpfen Schrei aus und hebt die Hände (diese Händel) im Weh empor, da sich der ächzende Laut seinen Lippen entringt. In der Tür steht hinter ihm ein altes Weib — nach Middleton, der das Blatt van Vliet zuschreibt, ist es Rahel — das in blödem Schmerz zuhört und die alten, starren Hände zusammenkrampft. Ausgezeichnet ist das verschmitzte Frommtun der Brüder und ihre heuchlerische Trauer. Die Fläche mit der zitternden Diagonale ist ganz intensiv an Leben, sie zuckt und bebt und stimmt gleichsam in den Schrei ein, den der alte, gebrochene Mann ausstöhnt. Das schlecht erhaltene Bild des Yelasquez Herr, unsrc Zuflucht seit der Uäter Tagen, wir rufen dich. Noch eh die Berge wurden, eh noch die Erde und das AI! gekreist, bist du, o Herr, in Ewigkeit gewesen. Den Staubgebornen führst du zur Zerknirschung, dann sprichst du: kehret wieder, Menschenkinder! Vor dir sind tausend Jahre wie ein gestern, kaum eine Nacht uor deinen ewgen Augen. Du lassest wie im Schlaf den Menschen werden; am Morgen sprosset er und blüht wie Gras, am Abend ist er schon gemäht, verdorrt. Denn wir vergehn vor deinem Zorn in Angst, vor deinem Grimm verwirrt sich unser Geist. Dein Antlitz leuchtet dem geheimen Tun, und unsre Sünde stellst du vor dich hin. Ach, unsre Tage lassen wir verstreichen missfällig deinem Auge, unsre Dahre vergehn wie nichtiges Geschwätz vor dir. (Madrid) hat die Art und die Typen der „Schmiede des Vulkan" und die künstlerischen Qualitäten liegen jenseits des — indifferent gefassten — Gegenständlichen. Von der Behandlung, die der Gegenstand seitens anderer Maler (Guercino, H. Vernet, Th. Stothard, H. Warren, Rethel u. a.) gefunden hat, ist nicht viel anderes zu sagen, als dass sie konventionell ist. Das Gegenteil ist bei dem Bilde von F. M. Brown in der Walker Art Gallery in Liverpool der Fall, es ist gesucht in der Motivfassung. Jakob sitzt, wie etwa der Gott Odin sitzen mag, unter einem Baum, er schaut mit einem Blick aus einer Ballade auf den blutgetränkten Rock, indes die Jahrhunderte voriiberstreichen. Dieser statuarischen Starre gegenüber drängen sich Anekdotisches und Requisiten in den Vordergrund: ein Hund beschnuppert die Blutflecke des Rockes, Klein-Benjamin sitzt seltsam herausstaffiert mit einer kleinen Harfe neben dem Vater und blickt misstrauisch auf die angekommenen Brüder, allerlei phantastisches Gerät ist in malerischer Ziselierung herausgehoben. Die romantischen Akzente überwuchern den Gehalt; wie in einem lehrhaften Gedicht ist alles erwähnt und wenig gesagt. (Schluss folgt.) Nachdruck verboten. Das ganze Leben währet siebzig Jahre, Wenns hoch kommt: achtzig. — Elend ist sein Prunk; schnell ists dahin, und unsre Zeit ist aus. 0 wüssten wir, wie sehr dein Zorn zu fürchten! Allmächtger, lehr uns unsre Tage zählen! Barmherzger, mache weise unser Herz! Langmütger — sieh, es drängt die Zeit — kehr wieder und schenke Trost und Hoffnung deinen Knechten! Lass deine Huld am Morgen uns erquicken, so jauchzen wir den ganzen Lebenstag. Du hast uns tief gebeugt in langem Unglück, gewähr uns Freude jetzt und Heil und Frieden! Lass deine Knechte deine Werke schaun und ihre Söne deiner Werke ölanzj Herr, deine Bnade komme über uns und fördre unsrer. Hände Tun zum Segen! Moses Gebet. Pfalm 90. Uebersetzt von M. A. Klausner.

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