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Ost und West · 1908-12-01 · Heft 12 (Dezember 1908) · p. Seite 779 - 780

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 12 (Dezember 1908)
Article
Die Wiedereröffnung der Allianceschulen in Marrakesch [Nachricht]
Date
1908-12-01
Page
Seite 779 - 780 (sequence 2)
Language
German
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779 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle. 780 tellektuelle und sittliche Hebung aller ihrer Zöglinge zum Zweck haben und grosse Achtung vor allen Religionen lehren. Herr Corcos wird Ihnen sagen, dass ich sofort nach Kenntnisnahme von Ihrem Schreiben die beiden Stadtpaschas und den Pascha aus der Umgegend von Marrakesch — wo es viele Israeliten gibt — habe kommen lassen, um ihnen in Gegenwart des Herrn Corcos eindringlich zu empfehlen, sie sollten tun, was irgend in ihrer Macht steht, dass die Juden nicht ferner misshandelt würden und dass nichts zu ihrem Nachteil geschehe. Auch habe ich den Paschas die Schulen, ihre Lehrer und ihre Zöglinge empfohlen. Zum Schluss wiederhole ich: Ich bin ein Freund der Wahrheit und ein Freund der Gleichberechtigung Aller. Wir sind voller Ergebenheit für alle Europäer, ganz besonders für unsere lieben Nachbarn, die Franzosen. Ich muss Ihnen noch sagen, dass Seine Majestät unser erhabener Sultan Abdul Hafid voll gütiger Gesinnung ist für alle Welt, dass er das Wohl Aller von Herzen wünscht, und dass Alles, was die Zeitungen in anderer Richtung über ihn erzählt haben, von Grund aus falsch ist. Genehmigen Sie, hochverehrter Herr Präsident, die Versicherung meiner Hochachtung. Si Madani Elmezuar El Glaui Gross wesir." Wie man sich irren kann! Ein Zufall bringt uns nachträglich zur Kenntnis, dass Herr Dr. Joseph Carlebach, der sich längere Zeit als Lehrer in Jerusalem aufgehalten hat, in Zeitungsartikeln das Lob für einen palästinensischen Kollegen Namens Jellin mit einem Angriff auf die Alliance Israelite Universelle verbunden hat. In einem jener Artikel heisst es: „Jellin war ursprünglich Lehrer an der Allianceschule unter Nissim Behar. Aber eine so tief religiös und national fühlende Natur, wie die Jellins, konnte in den Diensten der Alliance nicht bleiben, ebensowenig wie s. Z. der selige Dr. Herzberg auf die Dauer als Direktor der Jaffaer Ackerbauschule innere Befriedigung finden konnte." Die Alliance^Schulen in Jerusalem Werkstatt für Skulpturarbeiten. Es ist richtig, dass die eben genannten Beiden im Dienst der Alliance gestanden und ihn verlassen haben. Herr Jellin hat ihn freiwillig, Herr Dr. Herzberg unfreiwillig verlassen. Ueber den Abschied des Herrn Jellin, der fast zwanzig Jahre zurückliegt, schrieb Herr Nissim Behar am 27. Februar 1889 an das Central-Comite der Alliance was folgt: „Dieser junge Lehrer des Arabischen, Jellin, in unserer Anstalt erzogen, in der er eine unentgeltliche Internatsstelle innehatte, sucht seit einiger Zeit Streit mit uns und verlässt uns am 1. Januar, um in den Dienst des Herrn Dr. Herzberg zu treten. Mich schmerzte zunächst die Undankbarkeit eines früheren Zöglings; doch habe ich mich bald mit meinem Lieblingsspruch getröstet: „gam su letowa". Hierzulande ist Undankbarkeit eine übliche Münze. Ich war schon froh genug, Herrn Jellin bei Herrn Herzberg^ und nicht bei der Mission angestellt zu wissen. — Der junge Mann selbst ist dabei auf seine Rechnung gekommen: er hat die nämlichen Bezüge für die Hälfte der Arbeit, dazu zwei Monate Ferien und zeitweilig Ausflüge." Was den zweiten von Herrn Dr. Josef Carlebach aufgerufenen Zeugen betrifft, Herrn Dr. Herzkerg, so war diesem im Oktober 1877 die Leitung der Ackerbauschule der Alliance in Jaffa anvertraut worden. Als der Begründer dieser Anstalt, Herr Charles Netter, im Mai 1879 eine Inspektionsreise nach Mikwe-Israel unternahm, konnte ihm die Unfähigkeit und ^Fahrlässigkeit des Direktors nicht verborgen bleiben. Herr Netter fühlte sich veranlasst, bei dem Central-Comite der Alliance die sofortige Dienstentlassung Herzbergs zu beantragen. Dem Antrag wurde stattgegeben, Dr. Herzberg wurde unter Zubilligung einer Entschädigung von 2000 Francs seines Amtes enthoben. In dem Bericht des Herrn Netter war u. a. gesagt, was wir hier zur Beleuchtung der religiösen Gesinnung des von Herrn Dr. Josef Carlebach als Vorbild hingestellten Mannes wiederholen : ,,Tch hatte den Brauch eingeführt, an jedem Sabbathmorgen einen Vortrag über die Ethik der Bibel halten zu lassen. —Dr. Herzberg hat sich nicht ein einziges Mal diesem Brauch anbequemt." Am 11. November 1895 schrieb Herr Dr. Herzberg, der nach Carlebach ,,in den Diensten der Alliance keine innere Befriedigung finden konnte4' — so wenig wie Herr J eil in — an den Geschäftsführer der Alliance Herrn Bigart in Paris: „Vielleicht haben Sie die Grüte, mir zu sagen, ob ein von mir ausgehendes Gesuch um Aufnahme unter das Lehrpersonal der Alliance vom Central-Comite auf günstige Aufnahme rechnen dürfte. Ich wäre glücklich, wenn beispielsweise die Schule in Tunis meiner Leitung anvertraut würde. Ich würde mit allen Kräften arbeiten, um mich solchen Wohlwollens würdig zu zeigen.u

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