Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1908)
- Article
- Josef Róna
- Date
- 1908-12-01
- Page
- Seite 741 - 742 (sequence 2)
- Language
- German
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741 Viiitoi: J«»scf Ilona. 742 seinen Augen rieseln sah, da ging ein Murmeln tiefster, bewegtester Teilnahme durch die Versammlung. Kein Auge blieb da trocken. Dem eben enthüllten Standbild ward das kostbarste Opfer dargebracht: Der König und sein Volk vereinigten sich zu einer einzigen trauernden Familie, die unter Gottes freiem Himmel angesichts eines Kunstwerks, am Altar der Schönheit in pietätvoller Andacht versammelt waren. Das war der schönste, der stolzeste Tag im Lebenslaufe des jüdischen Händlerssohnes Josef Röna, der aus dem ärmlichen Vaterhause zu Lovasbereny, einem kleinen ungarischen Dorfe, es durchaus durch eigene Kraft zu solcher Höhe gebracht hatte. Multa tulit fecitque puer. multum sudavit et alsll. Dies Dichterwort, enthält seinen ganzen Entwicklungsgang. Wie der Knabe von den schlichten Eltern, die sein träumerisches, den Naturschön - heiten fana - tisch zugekehrtes Wesen unmöglich als Zeichen höherer Kunstbegabung zu deuten vermochten, erst zu einem Tischlermeister, später, als es ihm in diesem Handwerk durchaus nicht behagen mochte, zu einem Kleiderhändler in Budapest ,,in die Lehr" gegeben wurde; wie der Knabe, dem unwiderstehlichen Drange weichend, sich nach Wien begab, um dort in der Akademie der bil- JOSEF MOXA. BUDAPEST. Reiter*Denkmal des Prinz Eugen von Savoyen, vor der Kgl. Burg in Ofen. denden Künste bei Meister Zumbusch eine verständnis- und liebevolle Würdigung seines kräftigen Talents zu finden; wie er sich durch die Lehrjahre hindurchhungerte, bis er mit einer nach Berlin gesandten Preisarbeit dort den Michael Beerschen Rompreis gewann; wie er hoffnungstrunken nach der ewigen Stadt eilte, um dort die letzte künstlerische Weihe zu empfangen, — diese Epopöe des nach höheren Kulturgütern ringenden, den Apostelberuf des Künstlers in sich verspürenden, aber in unbeschreiblicher Armut darbenden jüdischen Jünglings sei hier bloss angedeutet, nicht ausführlich erzählt. — Von Rom nach seiner ungarischen Heimat zurückgekehrt, stieg Röna rasch zu immer schöneren Erfolgen empor. Ungarn befand sich damals in sei ner liberalen Ära. Das Talent wurde nicht nach seiner Herkunft befragt. Der Mangel eines Taufscheins galt nicht als Hindernis im Lebenswege eines Künstlers. So war denn dem jungen jüdischen Bildhauer ein rascher Aufstiegbeschert. Bald nach seiner Heimkehr trug er anlässlich der Konkurrenz für das in Budapest zu errichtende Freiheitsdenkmal den ersten Preis davon. Und als nach dem Richterspruche der Jury die Preisarbeiten dem grossen Publikum zugänglich wurden, da war sein Werk durch viele Wochen