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Ost und West · 1908-11-01 · Heft 11 (November 1908) · p. Seite 711 - 712

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 11 (November 1908)
Article
Die Beisetzung des Dr. Salomon Neumann
Date
1908-11-01
Page
Seite 711 - 712 (sequence 3)
Language
German
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711 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Die Beisetzung des Dr. Salomon Netunann. 712 den Meistern der jüdischen Wissenschaft, insbesondere mit den älteren, Zunz und Sachs, Rosin, Cassel, -Steinschneider und Geiger. Yon den jüngeren trat ihm der früh verstorbene Frankl verwandtschaftlich nahe, und David Kaufmann ward ihm ein verti auter Freund und wurde von ihm wie ein Sohn geliebt. Zum 70. Geburtstage von Zunz begründete er die Zunz-Stiftung, die jetzt der Förderung jüdischer Wissenschaft dient. Und es war ein letzter Ausdruck des Dankes für das Viele, das diese ihm schuldet, wenn der Herausgeber der gesammelten Schriften von David Kaufmann, deren erster Band vor wenigen Monaten erschienen ist, ihn in Dankbarkeit Salomon Neumann widmete. Sie wird seiner stets als eines ihrer kenntnisreichsten Yerehrer, ihrer wärmsten Freunde und eifrigsten Förderer zu gedenken haben. Wenn sein Geist sich an den Schätzen jüdischer Weisheit der Vergangenheit erhob, so wirkten sein Herz und seine Hand im Dienste der Gegenwart, insbesondere für die Bedrückten und Bedrängten. Als vor etwa 25 Jahren sich eine blinde Verfolgungswut gegen die armen Juden unseres grossen östlichen Nachbarreiches richtete, als viele von ihnen die Heimat verlassen mussten und nicht wussten. wohin sie sich wenden sollten, war es wiederum Neumann, der der Hilfsaktion für diese Unglücklichen mit aller Tatkraft sich widmete, an ihrer Organisation eifrig teilnahm und einer ihrer verständnisvollsten und liebevollsten Arbeiter wurde. Er hat es als eine der grössten uns obliegenden Pflichten erkannt, dass wir uns der Armen und Unglücklichen, die um unseres Glaubens willen leiden, annehmen, dass die in Sicherheit und Behaglichkeit Lebenden für die Verfolgten und Umherirrenden eintreten und auch ihnen wieder eine Heimat verschaffen. Er war darum ein eifriges Mitglied, eine führende Persönlichkeit in den Arbeiten der Alliance Israelite Universelle und ward von ihr als einer ihrer Besten, Weisesten und Tüchtigsten anerkannt. In ihr und für sie hat er bis in eine letzten Lebensjahre gearbeitet. Ein arbeitsvolles, gute* und selbstloses Leben liegt vor uns abgeschlossen; wie wenige neben ihm hat Salomon Neumann für andere gearbeitet. Sein schönster Lohn, den er dabei fand, war die Liebe und Freundschaft mit Gleichgesinnten, mit grossen Männern der Wissenschaft, in der Nähe und in der Ferne, wie mit Vertrauten seines Geistes und lieben Genossen seines Hauses. Er hat viele gewonnen, die ihn liebten und verehrten, obwohl er es nicht leicht machte, ihm Liebe und Verehrung entgegenzubringen. Sein äusseres Auftreten war durchaus nicht gewinnend, vielmehr ernst und herbe, voll strenger Wahrhaftigkeit gegen andere wie gegen sich. Aber nur kurze Zeit konnte dieser Eindruck andauern; bald erkannte man das lautere Herz und die Gediegenheit der Gesinnung, die hinter der rauhen Aussenseite sich verbarg. Man wurde, um ein für ihn treffendes Bild zu gebrauchen, an den Weinstock erinnert: rauh ist das Holz und knorrig der Stamm, aber er trägt die köstliche Frucht, die Gott und Menschen erfreut. Und von ihm kommt der feurige Wein, der stärkt und erwärmt. Ja, ein heiliger Eifer und das Feuer der Liebe lebte in Salomon Neumann, und mit diesen Gaben hat er auch andere angefeuert und Gutes gewirkt. Ein solches Leben bleibt immerdar wertvoll und unvergänglich und das Köstliche und Wertvolle in ihm schwindet nicht mit dem Tode. Das lebt als treue Erinnerung weiter in den Herzen, nicht nur der Kinder und ihrer Angehörigen oder seiner Anverwandten, nein, in vielen, die ihn gekannt haben und die das Andenken an ihn bewahren als das an einen der Besten in Israel. Wir klagen nicht bei seinem Tode, denn sein Leben ist lang, gut und schön gewesen. Wir wünschen nur: im* inioa Möge es uns an Seinesgleichen niemals fehlen. Möge er seinen Angehörigen und uns allen voranleuchten als ein Masterbild der Geradheit und Wahrhaftigkeit, der Gewissenhaftigkeit und Ehrenhaftigkeit, der Güte und der Liebe, des reinen Herzens und des edlen Tuns. Möge sein Andenken alle Zeit in Ehren genannt werden und weiter wirken zum Segen. Amen. Die Verdienste des Verstorbenen wurden von den Herren Stadtverordneten Vorsteher Michel et, namens der Stadt Berlin, Geheimrat Prof. Dr. Paul May et vom Kaiserl. Statistischen Amt, Geheimrat Prof. Dr. Ludwig Geiger namens der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, Justizrat Arnold S e 1 i g s o Ii n für den VTerein zur U nterstützung jüdischer Studierenden, Prof. Dr. Kaiischer namens der Bibliothekskommission der jüdischen Gemeinde mit rühmender Anerkennung gewürdigt. Geheimrat Goldberger sagte namens der Alliance Israelite Universelle: Im Auftrage des Central-Comites der Alliance Israelite Universelle, ihrer Deutschen Conferenz- Gemeinschaft und des Local-Comites Berlin ein Wort des Abschiedes dem Treuen und Unvergesslichen 1 In felsenfester Glaubensstärke und in unbeugsamer Willenskraft hatte sich Salomon Neu mann auch in den Dienst unserer Organisation gestellt. Mit den ausserordentlichen Geistesgaben, die ihm eigen waren, hat er das Werk gefördert, hat an ihm gehangen und war ihm ergeben bis zum letzten Atemzug mit allen Fasern des Herzens. „Die Arbeit für die Alliance'1, so sagte er mir einst bei besonderm Anlass, „betrachte ich als ein Stück meiner Lebenstätigkeit4', und er betonte: Jene hochgesinnten Juden, die die Alliance Israelite Universelle geschaffen haben, hätten kein Bedenken getragen, ihr den klaren und unverrückbaren Charakter der länderverbindenden Universalität zu geben. Neumann war von der Ueberzeusrung durchdrungen und beklagte es tief, dass das Solidarnätsgefühl in unserer Glaubensgemeinschaft nicht stark genug ausgeprägt und entwickelt sei; dieses Solidaritätsgefühl zum Guten und zum Edlen wachzurufen und da, wo es vorhanden ist, zu kräftigen, gehöre zu den vernehmlichsten Obliegenheiten der Alliance. Wir Juden, die wir niemandem an nationalem und patriotischem Empfinden nachstünden, seien in der Alliance nur Juden ohne nationale Färbung, ohne nationalistische Tendenzen, zusammengeführt in dem einen glühenden Wunsch und vereint in dem einzigen Bestreben, für die Gleichstellung und den moralischen Fortschritt der Glaubensgenossen einzutreten, ihren Kummer und ihre Not zu mindern und zu mildern, und denen zur Seite zu sein, die leiden, weil sie, es ist unsagbar traurig, Juden sind. So wurde Neumann bei uns ein Künder der Mission, die der Alliance Israelite Universelle geworden war; er war unter den Ersten, die sich um ihre Fahne scharten; er wurde der Bannerträger der hehren Aufgaben, die die Alliance in drei Erdteilen

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