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Ost und West · 1908-11-01 · Heft 11 (November 1908) · p. Seite 675 - 676

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 11 (November 1908)
Article
Die Synagogenruinen Galiläas
Date
1908-11-01
Page
Seite 675 - 676 (sequence 9)
Language
German
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675 0. Eberhard: Die Synagogenruinen Galiläas. 676 Davis Trietsch' „Palästina-Handbuch" (1907) unter den jüdischen Altertümern des heiligen Landes erwähnt. Von der Front steht noch das grosse Mittelportal, dessen Türpfosten aus drei Meter hohen Monolithen aufgerichtet sind. Das Portal selber zeigt eine einfache Faszienprofilierung, die auf dem Sturz wie in Kefr birim und in Irbid nach rechts und links in Ohren ausbiegt. Die Westwand wird zum grossen Teil durch den natürlichen Felsen gebildet, während die Ostseite untermauert ist. Auffallend ist im Verhältnis zu der geringen Breite die Länge des Baus, die die von Teil Hum um vier Meter übertrifft. Im Innern sind die von den Engländern vorgefundenen Säulenstühle verschwunden, aber an den Abarbeitungen des Felsens kann man noch die Standplätze mehrerer Säulen erkennen; und nach diesen Spuren zu urteilen, sind auch hier nicht mit den Engländern vier Reihen von je acht Säulen, sondern nur zwei Reihen anzusetzen, die den langgestreckten Raum in ein breites Mittelschiff und zwei schmale Seitenschiffe zerlegten. Umgang und Empore werden auch hier gewesen sein, doch lässt sich beides nur noch durch den Fund je eines Eckstuhls belegen. Die übrigen Synagogen sind schon gelegentlich in ihrer Besonderheit erwähnt worden. Die drei zu ed-Dikki, Umm el-Kanatir und Nebratein sind wesentlich kleiner als die Anlage von Teil Hum (Teil Hum 18 : 24 m, ed-Dikki 12 :14 m, Kanatir 14:19 m, Nebratein 11:17 m); die beiden ersten gehören nach ihren Architekturformen und ihrer Ornamentik in eine spätere Zeit. In Nebratein ist die Fasziengliederung auf dem Sturz durch einen Kranz unterbrochen, der in einen Knoten endigt und einen siebenarmigen Leuchter umschliesst; die mittlere Faszie trägt eine hebräische Inschrift. Im Innern sind zwei Reihen von je vier Säulen nachweisbar, dagegen hat man, wie zu Umm el-Kanatir, auf einen Säulenumgang an der Nordseite verzichtet. Die Ruine von Irbid, dem Arbela des Propheten Hosea, ist von den Bewohnern des nahen Hattin als Steinbruch benutzt worden und befindet sich in trostlosem Zustande; nichtsdestotrotz Hessen sich auch hier einige Angaben der Engländer berichtigen und die dreischifflge Anlage mit Säulenumgang nachweisen. Die Synagoge, deren Trümmer heute mannshohe Disteln überwuchern, wird schon im Talmud erwähnt. Das sind Galiläas Synagogenruinen. Ausser den genannten existiert noch bei Nebratein eine zweite, etwas höher gelegene, Chirbet-Nebrah, von der aber nichts mehr in situ steht, und deren Steine meist in den nahen Kalkofen gewandert sind. Wie dort, so wurde auch in Kasjun auf eine Untersuchung der Ruine verzichtet, da die Ruine von Kasjun unter einem Dorfe steckt, das gleich dem Kalkofen von Nebrah bereits wieder verfallen ist. Eine Grabung würde daher sehr zeitraubend und wahrscheinlich wenig ergebnisreich sein. Ein Abstecher von Kefr birim nach Jarun, wahrscheinlich dem Jereon des Buches Josua, zeigte dort die Reste eines dreischiffigen Baues, doch gehören die Architekturstücke keiner Synagoge (gegen Baedeker), sondern zum Teil einer christlichen Kirche, zum Teil einem bedeutenden römischen Tempel an. Ebenso scheinen die kärglichen Reste von Chirbet Semmeka bei Haifa, wo in der römischen Zeit eine jüdische Siedelung war, nicht, wie man früher meinte, von einer jüdischen Synagoge, sondern eher von einem römischen Tempel zu stammen. Wenigstens ist für die Synagogendeutung kein Beweis erbracht, während z. B. die nahen Felsgräber ausgesprochene jüdische Embleme aufweisen. Ganz sicher aber erscheint — und das wird auch durch die Orientierung gegen Osten bestätigt —, dass der Monumentalbau von Kades nicht als Synagoge, sondern als ein römischer Tempel, nach einigen als „Sonnentempel", zu werten ist, wenn auch über diesen Tempel weiter nichts bekannt ist. Diese syrisch-römische Tempelarchitektur ist ja ohne Frage auf das romanisierende Judentum jener Zeit von grossem Einfluss gewesen, denn der Baustil der Synagoge ist in den Grundzügen der römische; doch zeigt eine Vergleichung der römischen Tempel mit den altjüdischen Synagogen, dass die Anlage und Ausführung der Tempelfronten durchweg eine reichere und vortrefflichere war als die der jüdischen Bauten. Und das kann, wenn man die damaligen Zeitverhältnisse in Rechnung stellt, nicht weiter wundernehmen.

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