Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1908-11-01 · Heft 11 (November 1908) · p. Seite 665 - 666

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 11 (November 1908)
Article
Die Synagogenruinen Galiläas
Date
1908-11-01
Page
Seite 665 - 666 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2583875-2583967-2583978-2598826--08779-2598870
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

665 0. Eberhard: Die Synagogenruinen Galiläas. 666 der kommenden Generation überhaupt noch eine genaue Kenntnis dieser Denkmäler aus der Zeit des romanisierenden Judentums übermittelt werden sollte. Was der bekannte Archäologe Steward Macalister im Blick auf die Sammelwut der Plutokraten und Touristen von der Palästina- Forschung im allgemeinen urteilt: „Wenn Palästina jetzt nicht wissenschaftlich erforscht wird, so kann es später niemals recht erforscht werden", das gilt im besonderen und nachdrücklichst von der Erforschung der antiken Synagogen. Das alte Material wird rücksichtslos von den Eingeborenen abgetragen, zerschlagen und in Hütten und Häuser verbaut. Der Verfall nimmt so rapide zu, dass die drei Forscher Kohl, Watzinger und Hiller 1905 vergebens nach manchen Einzelheiten suchten, die noch Thiersch und Hölscher 1903 auf ihrer vorbereitenden Rekognoszierungsreise notiert hatten. Daran ist wohl die geringe Beachtung, welche diese Baureste bei den meisten Eeisenden bisher gefunden haben, mit schuld, wiewohl andrerseits auch der Wallfahrtsstrom zu so bekannten und berühmten Römerstädten wie Alt-Dscherach im 0stjordenlande die Monumente dort vor roher Raub- und Zerstörungslust nicht zu schützen vermocht hat. Die Engländer waren bisher die einzigen, die bei ihrer Landesaufnahme den verfallenen Synagogenbauten Aufmerksamkeit zugewandt hatten, aber ihre Annahme über den antiken Synagogentypus, denen man schon des öfteren mit Zweifeln begegnet war, ist nunmehr an der Hand unwiderleglicher Tatsachen endgültig als unzutreffend widerlegt worden, und Grundriss wie Aufbau dieser Baudenkmäler stehen ausser Frage. Desgleichen sind zahlreiche interessante Belege für eine jüdisch-i ömische Ornamentik erbracht worden, wenn auch die eingehende kunsthistorische Würdigung des Materials noch aussteht. Die Expedition hat von Ende März bis Ende Juni in dreimonatlicher Untersuchung zehn Synagogenruinen erforscht. Die Hauptarbeit nahm die Aufräumung der Synagoge von Teil Hum in Anspruch (vom 5.—27. April und vom 18.—27. Mai). Ausser ihr wurden noch folgende Ruinen in der Reihenfolge der Aufzählung untersucht: ed-Dikki am Jordan oberhalb des Einflusses in den See Genezareth, Umm el-Kanatir im transjordanischen Dscholan, Umm el-Amed am Ostrande der Battofebene, Irbid im Wadi Hamam, Meron bei Safed, Nebratein auf einem Ausläufer der Safeder Berge (2 Synagogen), Kefr birim in der Nähe von Safed (gleichfalls 2 Synagogen) und das benachbarte ed-Djisch, das Giscala des Josephus. Alle diese Ruinen stammen aus der Zeit der römischen Herrschaft, d. h. aus den ersten nachchristlichen Jahrhunderten, und sind unter dem Einfluss des damaligen römisch-hellenischen Baustils entstanden, wenn sie natürlich auch gewisse spezifisch jüdische Eigentümlichkeiten aufweisen. Als einheitlichen galiläischen Synagogentypus für jene Zeit kann man jetzt die dreischiffige Grundrissform feststellen. Dieselbe tritt in den grösseren Synagogen wie Teil Hum, Kefr birim, Umm el- Amed, Meron, Irbid als Säulenumgang auf, der das breite Mittelschiff auf drei Seiten einfasst; und zwar besteht dieser Umgang in der Regel (so in den drei erstgenannten Synagogen und zu ed- Djisch) aus einem Unter- und Oberg eschoss — der kleine Bau zu ed-Dikki scheint nur eingeschossig gewesen zu sein —, sodass das hohe Mittelschiff auf drei Seiten von einer Empore umzogen ist. Auch bei den kleineren Anlagen wie Umm el-Kanatir und Nebratein ist das Gebäude dreischiffig, aber es fehlt dem breiten Mittelschiff und den schmäleren Seitenschiffen der Säulenumlauf an der nördlichen Schmalseite. Diese dreischiffige Grundrissform ist darum von besonderer Bedeutung, weil die Engländer eine Innengliederung durch drei bis vier Säulenreihen vertreten. Die Synagogen sind durchweg auf der Höhe, möglichst auf einer kleinen Kuppe, mit weitem, oft ausgesucht schönem Ausblick angelegt; nur in ed- Djisch ist die Fernsicht beschränkt, dafür aber der Blick in das nahe Tal lieblich. Die Front der Bauten streckt sich fast immer nach Süden; in ed-Dikki hat man merkwürdigerweise in der Westwand drei Eingänge und in Irbid in der Ostmauer den Haupteingang festgestellt Die Frontwand ist in der Regel durch ein Haupt- oder Mittelportal und zwei; kleine Nebenportale durchbrochen; kleine Synagogen, wie die von Umm el- Kanatir oder Nebratein und ed-Djisch weisen auch nur einen einzigen mittleren Eingang auf, der aber bei der letztgenannten Synagoge nicht genau in der Mitte liegt. Die Portalwand baut sich in gegliederter Faszienprofilierung mit Giebeldekorationen und Reliefs mehr oder weniger reich auf; häufige Verwendung bildlicher Ornamente ist eins der Charakteristika für die römisch-jüdische Architektur. Nach diesen orientierenden Vorbemerkungen gehen wir dazu über, dasjenige Bauwerk zu betrachten, das als Vorbild des damaligen Synagogentypus gegolten haben dürfte, da seine Orna-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.