Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1908)
- Article
- Die Israeliten in der Türkei
- Date
- 1908-10-01
- Page
- Seite 631 - 632 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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631 Mitteilungen der Alliance Israelite Universelle: Die Israeliten in der Türkei. 632 des Herrn Molse Lewy ernannt wurde, den hohes Alter an der längeren Erfüllung der Obliegenheiten seines wichtigen Amtes hinderte. Diese Ernennung bildet einen bedeutsamen Abschnitt in dem religiösen Leben der Israeliten der Türkei. Die Alliance wird mit aller Kraft bestrebt sein, dem neuen Chacham Baschi bei der Erfüllung seiner grossen und lastenreichen Aufgabe beizustehen. (Aus dem „Bulletin mensüel" Juli/August 1908 des Central-Comites in Paris.) DER NEUE CHACHAM BASCHI IN KONSTANTINOPEL (Mit Porträt) Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. Haim Nahoum, der gegenwärtige Chacham Baschi der Türkei, ist in Magnesia in der asiatischen Türkei nahe bei Smyrna am 5. April 1871 geboren. Den ersten Unterricht genoß er in seiner Vaterstadt. Danach besuchte er die Jeschibah inTiberias (Palästina), wo er unter dem Großrabbiner David Abbo 4 Jahre lang talmudischen Studien oblag. Später ging er zur arabischen Schule in Beyrouth. Sodann absolvierte er das Kaiserliche ottomanische Lyceum in Smyrna bis zur Erlangung des Gymnasialabschlußzeugnisses. Jetzt folgte ein einjähriges Studium auf der Hochschule für muselmanisches Recht in Konstantinopel. Hai'm Nahoum begab sich sodann nach Paris, wo er fast 6 Jahre im Seminaire rabbinique de France studierte und auch das Diplom als Großrabbiner erlangte. Während seines Aufenthaltes in Paris hörte er an derEcole des hautes etudes bei Professor Derenbourg Vorlesungen über Philologie und semitische Wissenschaften. Gleichzeitig betrieb er unter Professor Scheffer Studien in den orientalischen Sprachen. Im Jahr 1898 wurde er von der Alliance Israelite Universelle als Professor an das Rabbinerseminar in Konstantinopel berufen, wo er Vorlesungen über den jerusaiemitischen Talmud, über Haggadah und Homiletik hielt. Außerdem war er Professor der französischen Literatur an der höheren Kriegsschule für die Genieoffiziere des türkischen Heeres. Der neue Kaimakam Chacham Baschi in Konstantinopel. DIE JUEDISCHE BEVOELKERUNO UND DIE ALLIANCE-SCHULEN. IN KAIRO. i. Kairo, 10. August 1908. Nach der jüngsten amtlichen Volkszählung wohnen in Kairo 15 000 Israeliten, die aus allen Windrichtungen hierhergekommen sind. Sie gliedern sich in drei Gemeinden : die dem sephardischen Ritus folgende der Eingeborenen, die dem aschkenasischen Ritus anhängende russisch-rumänische, und die der Karäer. Die erste und dritte sind von der Regierung anerkannt und haben eine wohlgegründete gesetzliche Existenz. Ihr religiöses Oberhaupt, der Chacham Baschi, wird von Konstantinopel aus bestätigt. Die aschkenasische Gemeinde ermangelt der gesetzlichen Grundlage. Trotz wiederholter Bemühungen und lebhafterPro teste bleibt sie von der älteren Schwester abhängig, der Eingeborenen-Gemeinde, die den Vorzug der größeren Zahl und der höheren Jahre hat. Die sephardische Gemeinde wird auf 10 000 Seelen geschätzt; alleNationalitäten und alle Sprachen sind in ihr Nachdruck mit Quellenangabe gestattet. vertreten. In der 3000 Seelen zählenden aschkenasischen Gemeinde scheint das russische Element zu überwiegen. Die Karäergemeinde, 2000 Seelen, bildet, wie bekannt, eine vom übrigen Judentum abgeschlossene Sekte. Sie leidet in bedenklicher Weise unter dieser Abschließung, die sie zu Ehen im engen Kreise zwingt und mit physischer Entartung bedroht. Vielleicht wäre es jetzt an der Zeit, die Absperrung aufzuheben und zu der früheren Einigkeit zurückzukehren, nachdem die religiösen Gegensätze — Anerkennung einzig der schriftlichen Überlieferung, Verwerfung der mündlichen Überlieferung auf Seiten der Karäer — ihre Schärfe in manchem Betracht verloren haben. Ein Versuch nach dieser Richtung verspräche allerdings nur dann Erfolg, wenn er von den religiösen Autoritäten selbst unternommen würde. Die Karäer in Kairo sind zumeist Goldarbeiter und Juweliere. Nur wenige haben sich einem an-