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Ost und West · 1908-10-01 · Heft 10 (Oktober 1908) · p. Seite 629 - 630

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 10 (Oktober 1908)
Article
Die Israeliten in der Türkei
Date
1908-10-01
Page
Seite 629 - 630 (sequence 1)
Language
German
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629 630 DIE ISRAELITEN Die ganze Welt ist durch den Sturz des autokratischen Regimes in der Türkei überrascht worden, durch die bewunderungswürdige Ruhe, die diese friedliche Revolution kennzeichnet, und durch den enthusiastischen und brüderlichen Geist, den sie im ganzen Land erweckt hat. Man hat in der Hauptstadt und in den wichtigsten Provinz- Zentren, in Saloniki, in Smyrna, in Beyruth und in Damaskus, grossartige Kundgebungen sehen können, die von allen Teilen der Bevölkerung, Muselmanen, Juden und Christen, veranstaltet waren, um feierlich den einhelligen Anschluss an die neue Aera zu proklamieren, der Verfassung Treue zu schwören und die herrlichsten Hoffnungen für den Frieden und die soziale Einigung auszudrücken. Niemals hat ein Volk in einem so ernsten Augenblick einen imposanteren und lehrreicheren Anblick geboten. Alle Nationalitäten und alle Konfessionen, unter denen alleinUnwissenheit und eigennützigeBerechnung, Erbitterung, Hass und Kampf entfacht hatten, haben ihre hundertjährigen Vorurteile zum Schweigen gebracht und sich in der Vaterlandsliebe und in der Liebe zum Fortschritt wieder vereinigt. Man müsste zurückgreifen auf die glänzenden Tage, die den Anfang der französischen Revolution erhellt haben, um in den aufgeregten Massen einen gleich würdevollen, edelmütigen, brüderlichen Geist wiederzufinden. Es liegt nicht in der Gewohnheit, in dieser Sammlung von Berichten rein politische Fragen zu behandeln. Aber die Alliance schuldet es sich selbst, an dem glücklichen Ereignis teilzunehmen, das die Versöhnung des Herrschers mit dem ottomanischen Volk und das Vertrauen aller Bürger in die neuen Geschicke der Türkei bedeutet. Das Erziehungswerk, das die Alliance in der Türkei begründete und das seit vierzig Jahren unter den jüdischen Massen Bildung verbreitet, hat die Israeliten vorbereitet, an der neuen politischen Organisation des Landes Anteil zu nehmen. Die Allianceschule ist es gewesen, aus der zahlreiche Generationen von Schülern die Gefühle der Dankbarkeit, der Ergebenheit und Liebe zur Türkei geschöpft haben. Es gibt kaum einen einzigen ottomanischen Allianceschüler, der nicht mit Bewegung von jenem schmerzlichen Zeitabschnitt jüdischer Geschichte spricht, da die Herrscher und das Volk der Ottomanen mit Wohlwollen und Güte die traurigen Verbannten aus IN DER TUERKEI. Nachdruck mit Quellenangabe gestattet Spanien aufnahmen. Seit diesen denkwürdigen Tagen haben die Israeliten der Türkei ein neues Vaterland gefunden, und in Zukunft werden sie von Verfassungswegen die nämlichen Bechte gemessen wie die muselmanischen und christlichen Untertanen. Man darf sicher sein, dass sie von diesen Bechten mit Gewissenhaftigkeit und Verständnis für das Interesse ihres Landes Gebrauch machen werden. Die Alliance hat bereits von den Israeliten der Türkei zahlreiche Adressen erhalten, in denen Dank dafür ausgesprochen wird, dass die Alliance zur rechten Zeit die intellekte Aufrichtung der ottomanischen Israeliten begonnen und diese in den Stand gesetzt hat, an der Ausgestaltung der Verhältnisse des Landes teilzunehmen. Fast überall waren es ehemalige Alliance-Zöglinge, die bei den öffentlichen Kundgebungen das Wort ergriffen, um den Ausdruck der Freude der israelitischen Bevölkerung dem der übrigen Landesbewohner zuzugesellen. An mehr als einer Stelle sind es nichtjüdische Bedner gewesen, die den bedeutenden Anteil der Alliance an der Hebung des Landes betonten, indem die Allianceschulen die Jdeen des Fortschritts und der Freiheit in den Massen verbreitet, die Gefühle der Uneigennützigkeit, der persönlichen Würde und der Vaterlandsliebe ihren Zöglingen eingeflösst haben. Muselmanen und Christen haben dem Alliancewerk Huldigung dargebracht und die Israeliten beglückwünscht, dass sie die Wohltaten desÄlliancewerks haben geniessen können Eine der ersten Sorgen für die Israeliten von Konstantinopel war es, an die Spitze des Kabbinats einen Mann zu stellen, der die Fähigkeit besitzt, die Geschicke der ottomanischen Judenheit zu leiten. Ihre Wahl hat sich auf Herrn Halm JNahoum gelenkt, der in Paris am Babbinerseminar und zugleich am Seminar für lebende orientalische Sprachen seine Studien gemacht hat. Nach Beendigung dieser Studien, 1898, wurde er von der Alliance an das damals kürzlich geschaffene, der Leitung des gelehrten Abraham Danon unterstellten Babbinerseminar in Konstantinopel berufen. Vor wenigen Monaten erhielt er von der Alliance den Auftrag, sich nach Abessinien zu begeben, um dort die Lage der Falaschas zu studieren. Unmittelbar nachdem er von dieser Forschungsreise in Paris eingetroffen war, erhielt er die dringliche Aufforderung zur Eückkehr nach Konstantinopel, wo er zum Kaimakam Chacham Baschi an Stelle

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