Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 8 (1908)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1908)
- Article
- Ein Beth-Hamidrasch
- Date
- 1908-10-01
- Page
- Seite 619 - 620 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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619 Schalom Asch: Ein Beth-Hamidrasch. 620 neues Geschlecht ist erj standen, und wenn die j Kinder ins Cheder gehen in der Frühe, und wenn sie heimwärts gehen am Abend, stellen sie sich einen Augenblick vor das Beth-Hamidrasch und sagen in kind- | licher Laune: Nicht! Es j ist höher gewachsen als eine Erbse! Und das Beth-Hamidrasch, das bis an die Fenster in die Erde ein- I gesunken ist, hört jeden Morgen und jeden Abend das spöttische Tuscheln der Buben und nickt zustimmend mit seinem alten, schwarzen, eingesunkenen bejahrten Dach. Noch am letzten Abend hatte das Beth-Hamidrasch den Worten der Buben gelauscht und zugestimmt. Nachts kam ein Sturmwind herauf. In grauer Dämmerungsfrühe, als der Diener wie immer die Gemeinde zusammenrief, dass sie die Trauerlieder um Israels Geschick bete, — in grauer Dämmerungsfrühe sah der Diener, dass der Lichtstrahl, der stets aus dem Beth-Hamidrasch drang, verloschen war, und ihm war, als hätte eine böse ]_ Hand das Auge aus der Stirn des Städtchens ge~ ALFRED WOLMARK. LONDON, stochen. Betendc Juden< — Kommt zum Frühgebet! rief der Diener. Die Leute kamen und tappten und dass die Hälfte einer Thorarolle zwischen verin der Dunkelheit nach der Tür des Beth-Hamidrasch. faulten Brettern lag. Als aber der Sonne erste Strahlen aufs Städtchen Und verloschen war das ewige Lämpchen, das fielen, erkannten sie, dass das alte schwarze Dach Auge des Städtchens, zwischen die morschen vier Wände eingesunken war Und zerfallen die liebe Zufluchtsstätte. DIE SPRACHGESETZGEBER VON CZERNOWITZ. Von Dr. A. Coralnik. Nachdruck verboten. Man könnte die Sache von der heiteren Seite betrachten. Einige jüdische Schriftsteller, darunter auch solche von Namen und Wert, und einige Amateurs des Jargons, haben sich in Czernowitz versammelt, um die Sprachfrage im Judentum endgültig zu entscheiden. Und nach längeren oder kürzeren Debatten wurde eine Resolution eingebracht und angenommen, die nichts mehr und nichts weniger besagt, als daß die einzige Nationalsprache der Juden der jüdische „Jargon" sei. Eine Resolution, gegen die der bedeutendste der dort versammelten Schriftsteller, J. L. Perez» der größte Stilist der Jargonliteratur, Einspruch erhob.