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Ost und West · 1908-10-01 · Heft 10 (Oktober 1908) · p. Seite 607 - 608

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Journal
Ost und West
Volume
8 (1908)
Issue
Heft 10 (Oktober 1908)
Article
50 Jahre Gleichberechtigung in England
Date
1908-10-01
Page
Seite 607 - 608 (sequence 1)
Language
German
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607 608 50 JAHRE GLEICHBERECHTIGUNG IN ENGLAND. Von A. Hooman M. A. (London). Nachdruck verboten. „. . . . Daher konnte ich, einer der geringsten unter den Juden, nur für mich und meine Landsleute diese ehrerbietige Eingabe an Eure Hoheit richten. Um Gottes willen bitte ich, Sie mögen kraft jener Frömmigkeit und Macht, worin Sie vor anderen ausgezeichnet sind, gnädigst gestatten, daß der große und ruhmreiche Name des Herrn, unseres Gottes, innerhalb der Grenzen dieses Landes von uns gepriesen und angebetet werde.44 Seitdem Menasse ben Israel diese Worte an den Lord-Protektor Oliver Cromwell richtete, die die Grundlage zur jüdischen Niederlassung in England bildeten, sind mehr als zweieinhalb Jahrhunderte ins Land gegangen. Mehr als sie damals geträumt hatten, haben die Juden in England erreicht, mehr als eine freie „Stätte des Gottesdienstes", mehr als ein Asyl. Das englische Weltreich, das große Land der freigewordenen menschlichen Energie, der Tummelplatz des Geistes der Macht und der fernen, weltumspannenden Träume, hat den unruhigen jüdischen Geist in seinen Strom hineingerissen, ihm neue Entfaltungsmöglichkeiten geschaffen. Wrer England nach den Schilderungen der kontinentalen Schriftsteller kennt, z. B. nach T a i n e s „Notes sur PAngleterre", der kennt nur den kalten, ruhigen, phlegmatischen Insulaner, dessen Lust kaskadenartige Energiergüsse, dessen Melancholie Spleen ist. Zu diesem Engländer steht der Jude in denkmöglichstem Gegensatz. Aber kein einziges der europäischen Völker steht in seiner Lebensauffassung dem Juden näher als das englische. Das England eines Oliver Cromwell, eines Milton, oder eines RuskinundCarlyle. Es lebt in England noch dieser Hauch des absoluten, mit Posaunentönen weithin schallenden Machtgebotes des sittlichen Lebens. Und eine Unterordnung unter das Wort. Im englischen Machtbewußtsein liegt ein Gefühl der Weltgerechtigkeit. Aber trotzdem und alledem war es den Juden sehr schwer, sich eine Position in England zu erringen. Die Juden waren anfangs bloss zugelassen, nur toleriert, aber nicht anerkannt. Ein Gerichtsbeschluss vom Jahre 1744 lautete dahin, daß die jüdische Religion in England nicht offiziell zugelassen, sondern bloss geduldet wird. Und dieser Gerichtsbeschluss galt noch im Jahre 1814 als Präzedenzfall. Im Jahre 1753 brachte der Pelham seinen berühmten „Naturalisations-Act", oder „Ahe Jew Bill" ein. Wäre das Projekt Gesetz geworden, so wären dadurch die jüdischen Einwohner Englands schon damals vollberechtigte Bürger Britanniens geworden. Aber das Gesetz war „unpopulär", und die Regierung zog die Vorlage zurück. No Jews — no wooden Shoes" — keine Juden und keine Holzschuhe (so nannten die Engländer verächtlich ihre französischen Nachbarn) war die Parole. Juden und Feinde des Landes, der „ennemi hereditaire" wurden vom Volke in eine Reihe gestellt. Nichts half — nicht einmal die patriotische Haltung der Juden in den stürmischen Tagen Englands, so in dem Aufstand der Jakobiten, in den verschiedenen Kriegen und Fährlichkeiten der englischen Nation. Stürme des Protestes gegen die „Verjudung" des Landes, erhoben sich jedesmal, wenn die Frage der jüdischen Emanzipation aufs Tapet gebracht wurde. Jn einem Witzblatt aus der damaligen Zeit (um das Jahr 1754) wird in der Form eines Ulks den Befürchtungen des ALFRED WOLMARK. In der Schreinerwerkstätte. LONDON.

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